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Frau und Mann auf dem Trottoir

Von weitem schon ist das Paar zu sehen, wie es mitten auf dem Trottoir seitlich vom Supermarkteingang steht. Die Einkaufenden gehen ein und aus, der Bettelnde sitzt zusammengesunken vor seiner Schale; die beiden aber stehen unbeweglich an ihrem Platz und halten sich. Näher gekommen, sind die zuckenden Schultern der noch jungen Frau zu sehen. Sie hält den Hals des Mannes umschlungen, ihr Gesicht lehnt an seiner Brust. Er schaut mit offenen Augen die Straße hinauf. Sie weint, wimmert, schluchzt und heult abwechselnd ohne Unterlass. Ihr blasses Sommerkleid klebt am leicht aufgeschwemmten Körper. Frauen und Männer mit Einkaufstaschen schlagen einen Bogen um das Paar. In Fahrtrichtung parkt eine schwarze Limousine. Aus dem hinteren Fenster beobachtet ein bereits großes, hübsches Mädchen die beiden. Erst als eine Passantin sie erstaunt anschaut, zieht sie sich zurück. Tagelang und unablässig schwirren Geschichten und Verdächtigungen über diese Frau im Kopf. Einmal so stehen und hemmungslos das ganze Elend hinausweinen können, am Hals eines fremden Mannes - und dann weiter gehen.

China: Zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, zwischen Klischee und Wirklichkeit

Informationsveranstaltung mit Dr. Uwe Behrens (Transportökonom)

Dienstag, 28.06.2022 | 19.00 h | Café Buch-Oase,
Germaniastraße 14

Gerade vor dem Hintergrund des aktuellen Konflikts zwischen der Nato und Russland ist es wichtig, einen besseren Eindruck über Chinas Entwicklungen zu gewinnen und einen tieferen Einblick in das „Reich der Mitte“ zu erfahren. Deshalb freut sich das Friedensforum Kassel, Uwe Behrens als Referenten gewonnen zu haben.

Uwe Behrens gehört zu den wenigen chinakundigen Europäern, die das Land nicht nur aus Büchern, sondern aus persönlicher Perspektive sehr gut kennen. Er wurde 1944 in Prag geboren, wuchs in der ehemaligen DDR auf, absolvierte eine Lehre zum Stahlschiffschlosser und studierte Ökonomie des Schiffverkehrs in Dresden. erzählen. "China: Zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, zwischen Klischee und Wirklichkeit" vollständig lesen

Eine Ansprache am 6. Mai 2022 auf der Mahnwache

Ansprache von Eckhard Bär, Initiator Werkstatt-KriegUndFrieden.de,
anlässlich der Mahnwache des Kasseler Friedensbündnis am 6. Mai 2022 auf dem Opernplatz in Kassel,
in Hinblick auf den 77. Jahrestag der Befreiung von Faschismus und Krieg am 8. Mai.

Meine Damen und Herren,
mein Name ist Eckhard Bär, ich spreche hier auf dieser Mahnwache, weil meine eigene Existenz insofern vom Krieg betroffen ist, als mein Vater, der am 12. Mai 95 Jahre alt geworden wäre, als 18-jähriger junger Mann gezwungen war in den II. Weltkrieg zu gehen.

Mit Glück entging er dem mehr als wahrscheinlichen Tod an der Ostfront, weil ein Oberst ihm den Wink gab, sich stattdessen zu einem Unteroffiziers-Lehrgang zu melden.
Anschließend kam er in amerikanische Kriegsgefangenschaft und wurde in einem der vielen amerikanischen Kriegsgefangenenlager interniert, die als Rheinwiesen-Lager bekannt sind.





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Gedicht

Alles Widerstrebende
schmiegt sich ins Blut;
Blumen verlassen die Wiese,
wenn die Blüten der Bäume
Geruch abwerfen
in den gebräunten Nächten
heißer Tage,
aus denen die alles einende Fülle
Menschen schmiedet
zu schönen Gittern,
durchlässig, voll Gewalt.
Fülle erfühlt den Kreislauf
in dem, der ihn schließt
Wie Nächte
den Blüten tun.

Mascha Grüne

Krieg und Frieden

Die Werkstatt KriegUndFrieden veranstaltet am Freitag 29. April 17:00 Uhr – Sonntag 01. Mai 2022 eine Tagung in der Buchoase mit den bisher erarbeiteten Einsichten und Hintergründen des Angriffskrieges Rußlands in der Ukraine.
Seit dem 11. März treffen sich Werkstattmitarbeiterinnen/ -mitarbeiter aus Deutschland, USA und Rußland/Ukraine, um über die Geschichte des Konfliktes, die aktuelle Situation und die mediale Präsentation zu sprechen. "Krieg und Frieden" vollständig lesen

Heute, Samstag, 16. April Ostermarsch

Das Kasseler Friedensforum and friends laden ein zum Ostermarsch, um eine friedenspolitische Wende einzufordern. Und weil Verlinkung zum Friedenforum (https://www.kasseler-friedensforum.de) nicht möglich ist, hier die Wegstrecken:

Westroute
Ab 10:30 Uhr Platz der 11 Frauen (Annastr.)

An 11:15 Obelisk (Treppenstr.)
es sprechen: Rolf Becker (Schauspieler)
Stephanie Schury (Stadtverordnete)
Stefan Nadolny (Pfarrer, Neue Brüderkirche)
Musik: chor provokale

Nordroute
Ab 9:45 Uhr Tor vor KMW (August-Bode Str.)
Zwischenhalt 10:45 Uhr Königsplatz
Zwischenhalt 11:15 Uhr Obelisk
Reden Jugendbündnis Ostermarsch

Abschlusskundgebung 12 Uhr vor dem Rathaus
es sprechen: Michael Müller (Vorsitzender der NaturFreunde)
Vertreter:in Jugendbündnis
Vertreter:in Ausländerbeirat Stadt Kassel
Musik: DYLAN'S DREAM


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Wer kommt nach der Flut?

Max Mölkner vom Technischen Hilfswerk Nordhessen spricht mit Gertrud Salm im Freien Radio über seinen Einsatz ein Tag nach dem extremen Hochwasser, das sich besonders im Nordosten der Eifel verheerend auswirkte, wo Ortschaften an der Ahr, am oberen Teil der Erft, an der Nette (Mittelrhein) und Nitzbach, an der Rur und an ihren Nebenflüssen Inde, Merzbach, Vichtbach und Wurm betroffen sind. Ein Atlas beim Zuhören danebenzulegen, kann die Verortung erleichtern.


Freies Radio Kassel auf 105,8 MHz oder im lifestream direkt unter https://www.freies-radio-kassel.de/startseite.html
am Sonntag, 15. August 2021 um 18.00

Augenwelt

Dich, dich
sehen die Augen der Eule,
der feuchte Blick des Hundes,
der Katze
grelles Grün,
das dich versteht.

Dich, mich
sehen die Augen
der Amsel, der Taube,
des Sperlings im
Gebüsch.
Facettenblick
der Biene,
Glanzauge
der Libelle.
Der runde dunkle
Augenball des Hasen.

Dich, uns
belauert der Blick
des Marders,
der Kinder der
schnellen Maus,
der Ratte am
Kanalrand,
des Eichhons
nackte Wimper.

Dich, alle,
schauen uns heimlich zu.
Das glasige Auge
des Goldfischs,
der Mücke
winziger Blick;
der Vögel Geäug
im Baumgrün,
Augenwelt
um uns herum.

XXX Mascha Grüne 2018


Mu Tante

Der Herr vom Gesundheitsamt ruft mich an und fragt mit fröhlicher Stimme:" Wissen Sie, warum ich anrufe?" "Jaha," flöte ich zurück: "Ich habe Corona!" Genau und vermutlich eine Mutante, das steht noch nicht fest. Mit mir sind ein Mitbwohner und zwei Mitbewohnerinnen unserer wunderbaren WG an Corona erkrankt und zwei nicht. Über uns allen wird eine Quarantäne ohne konkretes Enddatum verhängt. Wir laufen mit Masken und Einweghandschuhen in der Wohnung rum, desinfizieren ständig, auch die Klobrille und meiden gemeinsame Aufenthalte in der Küche. "Mu Tante" vollständig lesen

Was Frauen im Musikleben treiben:

Offensichtlich nicht soviel, zumindest nicht an den Stellen, die man sich gut merken könnte. Das Archiv Frau und Musik Frankfurt/Main und musica femina münchen haben heute die Ergebnisse einer Untersuchung über Frauen in exponierten Positionen in deutschen Berufsorchestern veröffentlicht. Da wird offensichtlich, was ohne Probleme auch vorher bereits wahrnehmbar war:









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Leise rieselt

tatsächlich der Schnee am 6. Februar 2021 und zwar unaufhörlich. Eine kleine Auswahl der Wohngemeinschaftsmitglieder begibt nicht nach draußen in die stetig wachsende Pracht und wirft mit Bällen, die kalte Finger machen. Noch nie ward soviel Schnee in dieser Stadt gesichtet. Draußen flüsterts. Selbst die Straßenbahn gleitet lautlos vorbei.

Maskiert an der Arbeit

In die Klinik für Rehabilitation kommen Menschen, die mit chronischen Krankheiten kämpfen oder gerade aus dem Krankenhaus entlassen wurden. Eine Zeit lang konnten wir fast keine Patienten aufnehmen, stattdessen wurde kurzgearbeitet. Meine Kolleginnen und ich waren davon angetan, die Firmenleitung wohl eher nicht. Jetzt sind die Patienten wieder da und alle tragen Masken - Personal und Patienten. Auf den Fluren, in den Gruppen, bei der Therapie und in den Beratungen. Und darin sind wir uns alle einig: das ist richtig, richtig anstrengend. "Maskiert an der Arbeit" vollständig lesen

Warten, warten, warten

Der Innenminister Seehofer hat die Einreise-Regeln für unverheiratete Paare gelockert, ab Montag können Partner und Partnerinnen auch aus nicht EU-Ländern einreisen. Große Freude bei uns. Wir warten schon seit seit 5 Monaten auf K., die kurz vor Corona rasch in ihr afrikanisches Heimatland reiste, um ein einjähriges Sprachvisum zu beantragen. Das Visum hat sie bekommen, den Sprachkurs auch. Nur nach Deutschland einreisen durfte sie nicht mehr. Die Grenzen waren dicht. "Warten, warten, warten" vollständig lesen

Und wieder auf

Im Stadthallengarten standen gestern alle Türen auf, die kleinen und die großen. Eine Stadtgärtnerin und ein Stadtgärtner sind zugange. "Oh, wunderbar, der Stadthallengarten ist wieder auf. Den habe ich richtig vermisst. Und wie bunt die Beete sind". Der Gärtner zieht mit dem Rechen über den Kieselsteinweg. "Ja, uns freut das auch. Aber das wars dann auch dieses Jahr mit der Bepflanzung". Dass viele Kollegen und Kolleginnen krank sind, daran liegt es nicht. Es liegt wohl eher daran, dass gespart werden muss. "Nächstes Jahr ist es wieder üppiger", meint der Gärtner und recht weiter. Die Gärtnerin wird von einer alten Dame in Begleitung von einer jüngeren angesprochen. "Sie haben eine schöne Tätigkeit, immer im Freien". Die Gärtnerin antwortet: " Abstand halten", und streckt den Arm aus. Bis in den Hochsommer blühen wenigstens noch die Stiefmütterchen.

Unterwegs im Norden: Eine Erinnerung, wie es vor 4 Wochen einmal war

Von der türkischen Bäckerei, der Ochshäuser Straße, dem Hochregal und im Forstfeld

Das Wetter ist instabil und soll hundsmiserabel werden. Aus unserer kleinen Genossenschaftswanderung wird wohl nichts. Jetzt aber scheint gerade die Sonne, also kommt Genosse G. mit dem Roller und berichtet, dass es doch kälter als auf dem Display seines Handys sei. Wir fahren zum Leipziger Platz, da will G. mich in seine türkische Lieblingsbäckerei einführen. Frühstück im "Instanbu". "Unterwegs im Norden: Eine Erinnerung, wie es vor 4 Wochen einmal war" vollständig lesen

16.000 im Klimastreik


Unbedingt richtig
Fridays for Future hat in Kassel 16.000 Menschen in Bewegung gebracht. Vom Kindergartenkind bis zur Hochbetagten, alle waren auf der Straße, zu Fuß oder auf Rädern. Besonders schön skandierten die 9jährigen: 1,2,3,4 Gegen Kohle sind wir hier 5,6,7,8 RWE wird platt gemacht, 9,10 Der Protest wird weiter gehen. (Aus dem Gedächtnis zitiert...). Ein kleiner Junge brüllte sich mit seiner Gang die Lunge aus dem Leib: "Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Zukunft raubt." Für eine Halbwegsbetagte hört es sich etwas komisch an, wenn man einem die limitierte Zukunft raubt, also habe ich den Satz altersgerecht angepasst: "... weil man Euch die Zukunft raubt." Viele alte Bekannte von früher trafen sich: " Ach, Dich habe ich ja schon lange nicht mehr gesehen," oder "Du schon wieder". Für Straßenbahnen wurde Platz gemacht, die Autofahrenden mussten warten. "16.000 im Klimastreik" vollständig lesen

Fridays for Future: Am Freitag Klimastreik um 12.00 vor dem Hauptbahnhof

_Fridays_for_Future.mp3Im Gespräch mit Marlene und Cornelius wurde immer wieder betont, dass an diesem Freitag (20.9.2019) kommen soll, wer gehen kann, getragen wird oder rollt. Der internationale Großdemonstrationstag für Klimaschutz und eine Zukunft, die atmen, essen und leben lässt, beginnt um 12.00 vor dem Hauptbahnhof. Hier ein Gespräch mit zwei vom Organisationsteam:

Als Modellprojekt anerkannt: Gemeinschaftsprojekt in Harleshausen

In Harleshausen entsteht ein Neubaugebiet am Feldlager. Dort werden auch etliche Gemeinschaftsprojekte entstehen. Die Genossenschaft "Kassel im Wandel" ist jetzt für ihr Wohnkonzept von der Landesregierung als Modellprojekt anerkannt worden. "Als Modellprojekt anerkannt: Gemeinschaftsprojekt in Harleshausen" vollständig lesen

Gehen Wirtschaft und Ethik zusammen? Christian Felber in Kassel

„Unser jetziges Wirtschaftssystem steht auf dem Kopf. Das Geld ist zum Selbst-Zweck geworden, statt ein Mittel zu sein für das, was wirklich zählt: ein gutes Leben für alle.“ (Zitat Christian Felber, Autor des Buches "Gemeinwohl-Ökonomie“, Mitinitiator der Gemeinwohl-Ökonomie-Bewegung)

Am 17. Mai 2019 spricht Christian Felber, Mitinitiator der Gemeinwohl-Ökonomie-Bewegung (GWÖ), an die Universität Kassel zum Thema Gemeinwohl-Ökonomie: Gehen Wirtschaft und Ethik zusammengehen? Die Veranstaltung ist der Auftakt der Frühjahrstagung der Ökumenischen Initiative eine Welt e. V. (ÖIEW) und findet in Kooperation mit UniKasselTransfer und der GWÖ-Regionalgruppe Kassel statt im Campus Center, Hörsaal 1, Moritzstr. 18, 34125 Kassel um 19.30 Uhr. Der Eintritt ist frei.


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Schwedischer Ordner

Das schwedische Objekt
Mein schwedischer Ordner hat schon einige Jahre auf dem Rücken. Als ich ihn in Schweden kaufte, wusste ich nicht, dass ich fast nichts mit ihm werde anfangen können. Er sieht nach wie vor einfach nur schön aus, ich kann aber nichts abheften. Also nagelte ich ihn erst einmal Jahre lang an die Wand, als Readymade. Dort konnte er schön aussehen und nutzlos sein. "Schwedischer Ordner" vollständig lesen

Eine Gänsehirtin, die nicht nur durch Gesang den Grafen bezaubert

Das Märchen der Gebrüder Grimm kennt meine Sitznachbarin nicht. Sie stammt aus Steinau, dort haben die Grimms ihre Jugend verbracht. Und dort ist sie als Kind jeden Samstag ins Grimmschen Marionettentheater gegangen, sie ist also "vorbelastet". Die Texte kennt sie in und auswendig, nur die Gänsehirtin eben nicht. Die Kinder aus Syrien, Iran und Irak kommen aus Rothenditmold. "Der wohnt im anderen Haus, nur gerade eine Straße ist zwischen uns", sagt ein schmaler Junge, der seit 9 Monaten in Deutschland lebt. Sie sprechen erstaunlich gut Deutsch. Wir führen eine kleine Debatte, wer mit wem welche Sprache sprechen kann und dass der Junge mit dem blauen Kapuzenpulli nervt. "Und wie findet Ihr das Stück?", frage ich in der Pause. "Toll," ist die Antwort. Das glaube ich ihnen, sie sitzen nämlich die eineinhalb Stunden erstaunlich still, nur beim unvermeidlichen Kuss am Ende werden sie unruhig und kichern. "Eine Gänsehirtin, die nicht nur durch Gesang den Grafen bezaubert" vollständig lesen

Was mir mein Flaschenabfüller erzählte

Über PET-Flaschen, Glasflaschen, Einwegflaschen und Schnüffelanlagen

Wikipedia behauptet, dass man PET-Flaschen 20 - 25 mal befüllen könne. Das sieht mein Flaschenabfüller aber ganz anders: Der sagt, dass PETs nach 6 Umläufen fertig sind. Und überhaupt sind sie viel empfindlicher als Glasflaschen. Sie können nur auf 58 Grad erhitzt werden, sonst schrumpeln sie zusammen. "Was mir mein Flaschenabfüller erzählte" vollständig lesen

Neulich in der Komödie

Manch ein Besuch einer kulturellen Einrichtung lohnt sich. Meine Cousine aus unserer Heimatstadt will gerne eine Komödie sehen. Sie spielt in einer Laientheatergruppe und da sollen jetzt Komödien präsentiert werden. In der Komödie wird "Steife Brise" gezeigt und ich warne meine sonst rechtgläubige Cousine vor allzuviel Untenrum, also unter der Gürtellinie oder eben so was. "Neulich in der Komödie" vollständig lesen

Nicht vergessen

Fleißige Frauenhände verzieren Boden, aber keine Wände
Durch die laue Julinacht spazieren, die fast gerundete Mondscheibe am gestirnten Himmel anschmachten und zu unseren Füßen daran gemahnt werden, dass wir politische Wesen und nicht alleine auf der Welt sind. So kann es sein, so war es auch. Mit Kindermalkreide haben zwei Frauen eine Nachricht auf die Bürgersteige geschrieben. Es können aber nicht nur zwei gewesen sein oder sie waren enorm fleißig. Überall kann man heute lesen, wohin man sich wiederum heute um 18.00 bewegen muss. Und übrigens, heute ist auch noch um 22.20 totale Mondfinsternis. Ganz nett was los, heute.

Neulich im Bürgerbüro

Unsere Mitbewohner heiraten im Juni in Aserbaidschan und da brauche ich einen neuen Pass, der alte ist seit dem 17.03.1998 abgelaufen. Ich werde also Abschied nehmen müssen von dem meinem abgewetzten Reisepass mit dem ochsenblutroten Stoffeinband und den DDR-Stempeln und einen neuen ochsenblutroten bekommen. Offiziell ist der Einband bordeauxrot, genauer ist er seit 1988 im RAL-Farbton 4004 Bordeauxviolett gehalten, das ist europaweit für alle Pässe so und soll die Zusammengehörigkeit der Europäer stärken. Ich kann bald in 176 Länder visafrei einreisen, aber nicht nach Aserbaidschan.
Es ist kalt draußen. Ich warte eine relative Erwärmung der Außentemperaturen durch die Sonne ab und bin um 13.15 im Bürgerbüro. Scheinbar sind alle auf die gleiche Idee gekommen, jedenfalls ist der Wartebereich des Bürgerbüros voller Menschen aus unterschiedlichen Regionen der Welt. Das Bürgerbüro ist auch nicht mehr dort, wo es da letzte Mal war. Es ist umgezogen. Es gibt keinen Automaten mehr, an dem man seine Nummer ziehen kann, um irgendwann aufgerufen zu werden; dafür stehe ich jetzt in einer langen Schlange, um mir eine Nummer am Eingangsschalter abzuholen. "Einen neuen Pass wollen Sie beantragen, das Foto haben Sie ja dabei:" Nein, ich habe auf den Automaten gehofft, den es immer im Bürgerbüro gab, aber der ist auch abgeschafft worden. Also stürze ich mit meiner Nummer 1707 nach draußen, in die nächste Drogerie und lasse mich ablichten. "Neulich im Bürgerbüro" vollständig lesen