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Von Passagier-Gutachten, Bürgerinitiativen und Naturphilosophen

Umweltportal Kassel, Screenshot via umweltportal-kassel.de
Ein Kommentar zu Nordhessen und der Umwelt.
„Die griechischen Naturphilosophen hielten Luft für eines der vier Grundelemente, aus denen alles Sein besteht“ - so informiert das am gestrigen Tage eröffnete „Umweltportal Kassel“. Ziel der Website des Kassler Umwelt- und Gartenamtes sei es über die Umweltpolitik der Stadt Kassel zu informieren und „gleichzeitig wertvolle Hinweise und Tipps an die Bürgerinnen und Bürger“ weiterzugeben. Bisher finden sich zu verschiedenen Schlagworten wie „Flächen“, „Klima/Energie“ oder „Mobilität“ zahlreiche Links zu zuständigen Landes- und Bundesämtern sowie den zurückliegenden Stadtverordneten-Beschlüssen. Eine Suchfunktion zu bestimmten Stichworten gibt es jedoch leider nicht, sucht man z. B. die Beschlüsse zum Flughafen Calden, klickt man sich wüst durch die verschiedensten Themenfelder: Mobilität?- Kalt. Klima? - Kälter. Immisionen? - Wärmer. Luft? - Heiß, aber immernoch daneben. Lärm? - Bingo. Warum betreffende Beschlüsse jeweils nur bei einem Stichwort aufgelistet sind, ist nicht nachzuvollziehen. Aber zur Information der Bürger: „Pflanzen benötigen das in der Luft enthaltene Kohlenstoffdioxid zur Photosynthese.“ Wie die angekündigten „Umwelt- und Energiespartipps“ sich auf die Struktur der Seite auswirken werden, möchte man sich nicht ausmalen. Ob sich der informationsgierige Bürger neben den Philosophen noch an Jogurtdeckelzupfen, Sparspülung und Standby-Steckerleiste vorbeiklicken wird, bleibt abzuwarten.

Apropos Umweltpolitik und Flughafen: Wie bereits in der Presse berichtet, hat im laufenden Verfahren zum Ausbau der Flughafens Kassel/Calden sich der hessische Verwaltungsgerichtshof zu Wort gemeldet. In zwei Briefen (Wortlaut bei der Bürgerinitiative BIGA ) äußern sich die Richter skeptisch zu den von der Flughafen GmbH Kassel in Auftrag gegebenen Gutachten von Intraplan. Sie fordern nun z. B. Auskünfte über sonstige Flughafen-Gutachten des Intraplan-Büros und ob deren Prognose eingetroffen sei. "Reine Routine", wie die Flughafenplaner nun betonen. Was "reine Routine" bedeutet, kennt man ja aus den Krimis.

Die Befürworter des Flughafens scheinen unterdessen bei ihrer Lobbyarbeit zu fragwürdigen Methoden gegriffen haben – sofern man einer Pressemitteilung des Grüne-Kreistagsabgeordneten Wolfgang Ehle Glauben schenkt: Er wirft der Bürgerinitiative „Pro Flughafen Kassel e. V.“ vor, direkt von den am Flughafenausbau beteiligten Unternehmensberatern gegründet worden zu sein. Sollten die Vorwürfe stimmen, fragt man sich, was als nächstes kommt: Studentendemos für Studiengebühren oder Gewerkschaften gegen Mindestlöhne... ach, gabs ja schon. Fragt sich nur noch, wie die Aktivitäten der Bürgerinitiative aussehen: Protestcamps auf Konkurrenzflughäfen oder Spontanbetonierung von Naturschutzgebieten? Fernsehbilder von "We shall overcome"- singenden Aktivisten, die in Mallorca das Flugzeug verlassen?



Unterstützung bekommen die Flughafenbefürworter auch von der Imagekampagne „die Lage ist gut“. Die Kampagne wird vom „Regionalmanagement Nordhessen“ getragen, das von Wirtschaft, Kommunal- und Europa-Politik als Nordhessen-think-tank eingerichtet wurde. Als Motiv für den Landkreis wählte die Kampagne ein Flugzeug-Foto und den Slogan „Es gibt Regionen,die heben niemals ab. Und es gibt Nordhessen.“ Hier scheint die Entscheidung über den Ausbau schon gefallen zu sein, die beim Verwaltungsgericht noch aussteht. Immerhin, die Prognosen der Passagierzahlen scheinen dem VGH abgehoben genug zu sein.

Artikel zum Thema in der kassel-zeitung:
Umweltportal eröffnet, Lilia Minchenko
Grüne begrüßen VGH-Skepsis, Gernot Rönz

Gemeinschaftsblog des Autors: LH-Media.blogspot.com

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Kommentare

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Sebastian von Roos am :

Nur mal spontan angedacht.
Ich hab gerade die Idee, ob man im Web nicht eine Art Streickliste machen könnte.
Jeder in der Region lebende kann sich dort eintragen, einfach per Webformular, wie ich es auch hier gerade tue. Es gibt dann eine Namensliste und einen allgemeinen Erklärungstext.
"Im vollen Besitz meiner geistigen Kraft erkläre ich, dass ich in der Region Kassel seit ... Jahren lebe und dass ich vom geplanten Fluchhafen Calden niemals und für alle Zukunft freiwillig einen Flug antreten werde noch ihn irgendeiner anderen Form benutzen werde."
Man könnte es auch ausweiten, und sagen.
Ich verpflichte mich ferner, dort keine Arbeitsstelle anzutreten und auch den Fluchhafen nicht als Besucher aufzusuchen.
... oder so.
dann Name, Datum, etc. ...

Wenn viele Leute unterschreiben, könnte auch diese gerad in HNA diskutierte Benutzerzahlengutachten ein zusätzliches Problem kriegen.

Martin Reuter am :

Kompliment dem Herrn Jungjournalisten zu diesem Artikel!

Max Kater am :

Eine Umfrage zum Fluchhafen gibt es hier:

http://www.hannoversch-muenden.de/vote.htm

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