Skip to content

Mit dem Pubertist auf du und du…

Pubertisten-Schmaus
Nächtliche Dosis - geruchsneutral
Neulich wurde mir von einem Mitschreiber dezent ans Herz gelegt, ich möge die allgemeine Menschenrechtskonvention auch im Bezug auf den Pubertisten zur Anwendung bringen. Ich dachte darüber nach.
Als ich aber heute morgen nach außerhäusiger Übernachtung Hause komme, muss ich schwer an mich halten. Es stinkt bestialisch in der gesamten Wohnung. Irgendwie nach angebrannt. Obwohl es draußen arschkalt ist, sorge ich erstmal für angemessene Querventilation auf sämtlichen Ebenen.
Und tatsächlich finde ich auf der Küchenarbeitsplatte den ein oder anderen Rest angeschwärztes Backpapier, das mir beim Anfassen auf der Stelle in der Hand zerbröstelt. Ein klarer Hinweis auf eine nächtliche Backaktion. Ich stöbere weiter und stoße auf einen leeren Pizzakarton. Fühlt sich aber bei näherer Betrachtung nicht leer an. Ich schüttele. Mir fällt ein rundes schwarzes Etwas in die Hände. Alle Indizien deuten darauf hin, dass das, hier vor mir liegt, in seinem Vorleben mal eine Aufbackpizza gewesen sein muss.

Der Pubertist ist schon wieder weg oder noch gar nicht wieder da und ruft am Nachmittag an. Wegen dringender Probleme. Für ihn jedenfalls. Er kann nicht mehr telefonieren. Und ich bin schuld an seinem Elend, weil ich die Rechnung nicht bezahlt habe. Sagt er. Ich habe ganz andere Probleme und frage mal dezent nach, was sich im olfaktorischen Bereich des nachts so abspielte. Der Pubertist druckst rum, will nicht so richtig mit der Sprache rausrücken. "Ich kann mir schon vorstellen, was gelaufen ist", sage ich. "Willst du meine Version mal hören?"
Ein knappes: "Ja." "Du hattest heute Nacht tierischen Schmacht und hast gedacht: Mach ich mir noch schnell eine Pizza. Dummerweise hast du die dann im Backofen vergessen." "Ja, scheiße, bin voll im Sessel eingeschlafen", bestätigt sich meine These.
Als ich heute Abend heimkomme, hat der Pubertist eine Spraydose Geruchsneutralisierer auf der Arbeitsplatte drapiert. Immerhin.

Trackbacks

Keine Trackbacks

Kommentare

Ansicht der Kommentare: Linear | Verschachtelt

:-) am :

Ehem, äh, ich hätt mal eine Frage. Ich bin etwas beunruhigt. In meiner Wohnung sieht es genauso aus und es riecht auch so, außerdem erkenn ich mich in einigen Eigenschaften des Pubertisten wieder. Ich bin aber schon 50 Jahre alt. Ist es möglich, dass man mit 50 erst in die Pubertät kommt?

Schreiber am :

Anderer Zusammenhang, aber am Ende kommt der Bezug...
"Niemandsland, das ist das Land, wo der Schorsch seine selbstgebastelte Rakete zündete und wo die Anne ihren ersten Kuss bekam. Niemandsland gibt es nicht, wenigstens nicht in einer anständig geplanten Stadt. (...)
Die Art und Weise, wie Städte begärtnert werden, steht immer noch unter dem Anspruch der dreißiger Jahre: Funktionalisierung und Hygienisierung. Und diese zweckgerichtete Begrünung nimmt nun gerade der Freifläche ihre Freiheit, letzter Auslauf zu sein, insbesondere für jene Altersstufe, die ohnehin mit dem Stigma des Undisziplinierten behaftet ist, für die Halbwüchsigen.
Und halbwüchsig sind wir bis in hohe Alter."
Niemandsland, Lucius Burckhardt, 1980

Martin Reuter am :

Die Probleme des alleinerziehenden Vaters rühren eindeutig vom Antiautoritarismus her. - Nr. 2: Für Pubertät istves nie zu spät! Ich persönlich bin sogar (zwar nicht immer -) kindisch - wie man das nennt.

Martin Reuter am :

Ein weiteres Beispiel für gesellschaftliche Fehlentwicklungen, die in Personen ihren Niederschlag ("fall out") finden, ist die aus dem Prospekt aufgelesene Vorstellung des jungen Menschen, man könnte einen starken Geruch durch einen noch stärkeren (Chemie-Keule) aus dem Innenfeld schlagen. Ich selbst habe einmal, aber nur einmal, den Geruch von Pferd im Innenraum eines Autos durch das zarte (von der Verkäuferin empfohlene) Gegengift des Zitronendufts zu entfernen verwucht: Beinahe wären meine Schleimhaut und das Daranhängende gestorben!

Caroline am :

......also das Foto mit der nachtschwarzen Pizza würde ich in die Kiste "Erinnerungen" tun - das wird eine Geschichte, die noch oft erzählt werden wird. Das Foto ist einfach klasse. Bei dem schwarzen Stück wundere ich mich, dass keine Feuerwehr da war...

Schreiber am :

Vielleicht schicke sich das Foto mal beim Hersteller ein und beschwere mich, dass die Pizza nach 12 Minuten so aussah...

Trees Wienk am :

Herr Schreiber, ich mache mir große Sorgen. Gerade finde ich als Illustration Ihrer Aufarbeitung vom 18.10.2009 ein Bild einer besonderen Arbeit. Wer ist der Künstler? Ihr Sohn? Es sind vier Jahre vergangen. Was ist aus ihm geworden? Sind Sie noch im Besitz der Arbeit? Nicht jedes Werk entsteht durch ein eindeutiges Motiv. Hoffentlich haben Sie es nicht entsorgt - wie es den zwei 22 Jahre alten Fritten in einer Kunstgalerie ergangen ist, die fatalerweise weggeworfen wurden und dem Künstler per Gerichtsurteil € 2.000 Schadensersatz (Marktwert) bescherten. Da kämen Sie bei der Arbeit Ihres Sohnes doch besser weg. Wann reden wir über den Preis?

Kommentar schreiben

Umschließende Sterne heben ein Wort hervor (*wort*), per _wort_ kann ein Wort unterstrichen werden.
Die angegebene E-Mail-Adresse wird nicht dargestellt, sondern nur für eventuelle Benachrichtigungen verwendet.

Um maschinelle und automatische Übertragung von Spamkommentaren zu verhindern, bitte die Zeichenfolge im dargestellten Bild in der Eingabemaske eintragen. Nur wenn die Zeichenfolge richtig eingegeben wurde, kann der Kommentar angenommen werden. Bitte beachten Sie, dass Ihr Browser Cookies unterstützen muss, um dieses Verfahren anzuwenden.
CAPTCHA

BBCode-Formatierung erlaubt
Formular-Optionen