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Schluss mit dem Fächenverbrauch im Landkreis Kassel

Im Frühjahr werden in Hessen die Kommunalparlamente neu gewählt. Wie in den letzten Jahren schon fleißig eingeübt, lädt der BUND im Vorfeld solcher Wahlen KandidatInnen aller Parteien ein, um mit ihnen wichtige ökologische Fragestellungen und die jeweiligen Positionen der verschiedenen Parteien zu diskutieren. So auch am vergangenen Donnerstag, den 29. Oktober 2020. Thema war: Der viel zu große Flächenverbrauch allüberall für Wohnhäuser, Verkehr und Gewerbe. Nach Calden haben wir eingeladen, weil gerade in dieser Gemeinde der Flächenverbrauch gerade zur unsinnigen Flächenvergeudung hochgeschraubt werden soll. Obwohl, das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen, Calden zwischen 2018 und 2035 ungefähr 18 Prozent an Einwohnern verlieren wird (Quelle: Hessen Agentur, Stand 31.10.2018), gibt es hochfahrende Pläne sowohl für den Bau eines neuen Sportplatzes und als auch für ein weiteres neues Baugebiet - natürlich am Rand und nicht im Ortsinneren!!

Damit ist die Gemeinde Calden ein Beispiel genau dafür, wie man es nicht machen sollte. Aber sie steht damit in gewisser Weise symbolisch für eine grundfalsche Entwicklung, die wir auch hier in der Region schnellstens überdenken sollten: Statt dauernd den Weg des vermeintlich geringsten Widerstandes zu gehen und dauernd und allüberall wertvolle, nicht vermehrbare landwirtschaftliche Flächen zu vergeuden, sollte endlich – was längst bekannt ist und von allen Dächern gepfiffen wird – Innenentwicklung betrieben, die Wende in der Mobilität ohne weiteren Straßenausbau angestrebt und die Gewerbeflächenentwicklung nur noch koordiniert, minimiert und ausschließlich in Kooperation aller Gemeinden des Landkreises zusammen mit der Stadt Kassel geplant und vorgenommen werden.

Dass das so sein soll(te), wissen nicht nur die Experten seit Langem, sondern natürlich auch die Politiker. Nur so lässt sich erklären, dass seit geraumer Zeit auf allen Ebenen davon gesprochen wird, dass der Flächenverbrauch rasch und drastisch nach unten gefahren werden muss:

• So will die Bundesregierung im Rahmen der sog. Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie bis 2030 den Flächenverbrauch auf unter 30 ha/Tag verringern,
• so hat sich auch die schwarz/grüne Landesregierung in ihrem Koalitionsvertrag vorgenommen, bis 2020 unter die 2,5 ha/Tag-Grenze zu kommen und
• auch der Zweckverband Raum Kassel (ZRK), der u.a. die Flächennutzungsplanung für die Stadt Kassel und die Umlandgemeinden im „Speckgürtel“ des Oberzentrums koordinieren soll, beschwört in allen seinen verbindlichen Planungsdokumenten und –grundlagen die Innenentwicklung.

Dass das Handeln aber auch beim ZRK trotz Vorhandensein guter Plangrundlagen oft und bedauerlicherweise in die falsche Richtung geht, hat im vergangenen Jahr die Stadt Vellmar vorexerziert, mit professioneller Schützenhilfe des ZRK: So werden jetzt am Ortsrand von Vellmar erneut 17 Hektar wertvoller Ackerflächen in Einfamilien- und Reihenhäuser verwandelt, obwohl drei innenliegende Areale mit ökologisch, verkehrlich und ökonomisch besser geeigneten Flächen vorhanden waren…

Um 2000 lag der Flächenverbrauch in der Bundesrepublik noch bei 129 ha/Tag, 2017 noch bei über 56 ha/Tag. Zur Verdeutlichung: 2010 haben wir damit den bis dahin meist landwirtschaftlich genutzten Boden mit 182 Sportplätzen, 2017 noch mit 78 Sportplätzen pro Tag (!!!) zugepflastert. Auch ohne Fachmann oder Fachfrau zu sein, erkennt man: Es besteht Handlungsbedarf!

Beim o.a. Treffen waren nun allerdings, vielleicht auch Corona-bedingt, nur TeilnehmerInnen von den Grünen und der Linkspartei anwesend. Erfreulicher Weise waren außerdem 3 Mitglieder einer in der Gemeinde Habichtswald aktiven Bürgerinitiative dabei, die sich gerade in einer Auseinandersetzung mit ihrer Gemeinde befinden, die ebenfalls – trotz mittelfristig sinkender Einwohnerzahlen – weitere Wohngebiete am Ortsrand in der Mache haben. So waren wir quasi unter uns und konnten einander versichern, dass wir mit unserem Ansinnen, als Planungsziel den NETTONULLFLÄCHENVERBRAUCH anzustreben, genau richtig liegen. Aber wenn es am 29. Oktober tatsächlich keine Gegenstimme dazu gab, so war uns dennoch klar, dass zukünftig noch große Felsbrocken den Berg hoch gewälzt werden müssen, um eben dahin zu gelangen. Und dass wir mit dem sperrigen Wort NETTONULLFLÄCHENVERBRAUCH keinen Preis gewinnen würden, wenn es im neuen Jahr um die Auslobung des schönsten Wortes geht, war uns auch klar.

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