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Corona macht nicht gleich!

Quarantäne klingt so nach gleich, weil es ja alle trifft. Alle gleichermaßen. Das wird so auch den ganzen Tag über alle Kanäle verbreitet. Davon kann jedoch keine Rede sein. Das Gegenteil ist der Fall. Die eigentliche Frontlinie ist die einer sich weiter auftuenden sozialen Ungleichheit… Danach, so wird man ganz ohne prophetische Gabe schon jetzt verkünden können, wird sich die Schere zwischen arm und reich erneut weiten. Und die Armut wird sich neue Kreise erschließen, weil die Schutzschirme der Regierung nicht werden bewirken können, dass jeder „kleine Laden“, den die Krise trifft, mit Mann und Maus gerettet werden kann.

In einem Interview in der SZ vom 03.04.2020, sagt Thomas Ostermeier, künstlerischer Leiter der Berliner Schaubühne: „Arme leiden mehr unter der Corona-Krise als die Wohlhabenden. Ausgangsbeschränkungen bedeuten für eine Alleinerziehende in einer kleinen Sozialwohnung mit zwei kleinen Kindern und geringem Einkommen etwas anderes als für Gutverdienende mit Au-Pair-Mädchen, Haus und Garten“. Damit hat er recht.

Und wer am Ende die Zeche bezahlt, die Abermilliarden, die jetzt in die Wirtschaft gepumpt werden, damit das Schiff nicht sinkt oder zumindest nicht zu sehr leckschlägt, muss auch nicht gerätselt werden: Genau diejenigen, die in der Krise (mit) die Hauptlast zu tragen hatten, d.h. die Verkäuferinnen in den noch offenen Geschäften zur Lebensmittelversorgung, die Krankenschwestern und Altenpflegerinnen in Kliniken und Heimen, die im Internetversandhandel Schuftenden, die Warenausfahrer- und -austrägerinnen aller Art, oder anders: die kleinen Leute eben, der Mittelstand, das Handwerk, alle die prekär beschäftigt oder ganz arbeitslos sind. Aber letztere bekommen ja vielleicht nächstes Jahr wieder 5,50 Euro mehr im Monat bei Hartz IV?

Und natürlich wird nach der Corona-Krise nicht das Geld da sein, für das, wofür es in den Jahren vor der Krise auch nie gereicht hat: Für gute Bildung für alle, von den Kitas bis zu den Universitäten, für die Bekämpfung des Klimawandels und die Energiewende, für die Wende in der Mobilität, für den Umbau der Städte mit einer Offensive im sozialen Wohnungsbau und mit einer massiven (Nach-) Begrünung, damit sich die Städte für die nächsten Sommer-Hitzewellen wappnen können, für die Digitalisierung etc. Und es wird sicher außerdem am Geld dafür mangeln, den Gesundheitssektor von einer gigantischen Gewinnmaschine für wohlhabende Private, Fondgesellschaften aller Art, die Pharmaindustrie etc. umzuwandeln in ein sozialen Kriterien gehorchendes Gesundheitswesen, dem es bei der nächsten Krise nicht an Schutzmasken fehlt für die, die Kranke am Leben erhalten sollen.

In Italien, das die Krise härter getroffen hat als (bislang) Deutschland, soll – so sagen es jedenfalls viele Fachleute – die hohe Belastung mit Feinstaub aus Verkehr und Industrie einer der Faktoren gewesen sein, zumindest gilt das so für Norditalien, der sich zusätzlich negativ auf den Verlauf der Pandemie ausgewirkt hat. Angesichts dieser Tatsache, die natürlich auch in allen anderen Ländern der EU mehr oder weniger relevant gewesen sein dürfte, sollte jetzt jeder vernünftige Mensch annehmen, dass an den neuen Abgas Grenzwerten in der EU im Rahmen des „Green Deal“ festgehalten wird. Aber: Alle Organisationen, die zur Gang der Lobbyisten in diesem ultramächtigen Industriesektor gehören, laufen jetzt schon Sturm dagegen. Und der nichts kapierende Scheuer wuselt schon wieder vor und hinter den Kulissen herum, um seinen Freunden aus der Autoindustrie zu Willen zu sein: Mit den durch Corona verursachten Verlusten müssen die schärferen Vorgaben für die Autoindustrie unbedingt vom Tisch! Wen interessiert schon – jetzt und nach der Krise erst recht nicht - das Pariser Klimaabkommen und wen der Tatbestand, dass die stark abgasbelasteten europäischen Städte für Hundertausende von Corona Patientinnen durchaus eine Herausforderung dargestellt haben.


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Wolfgang am :

Aber alle sagen uns doch jetzt andauernd, dass nach der Krise alles anders wird und dass man daraus gelernt hat!

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