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Bitte Abstand halten

Ein gut gemeinter Rat in schweren Zeiten, gewiss. Zuhause bleiben! Noch so ein Rat, der im Grunde genommen für jeden, der nachdenkt, keiner weiteren Diskussion bedarf.

Nun sollen diese Ratschläge zwar von der Gesamtbevölkerung beherzigt werden, aber das Verständnis der Zusammenhänge, das Wissen um die Gründe für diese Maßnahmen, und auch der Wille, sich überhaupt an solche Empfehlungen zu halten, sind sehr unterschiedlich ausgeprägt.

Abstand halten. Leicht gesagt, wenn Dutzende schon vor dem Supermarkt Schlange stehen und sich die gleiche Prozedur an der Kasse wiederholt. Schon rein gewohnheitsmäßig rückt man dem Vordermann auf die Pelle. Und was nützt das überhaupt, wenn man sich in den engen Gängen des Supermarkts ohnehin nicht ausweichen kann?

Das ist das sozusagen räumliche Problem.
Ganz ähnlich ist es beim geselligen Zusammensein im Freien oder beim Konzert, in der Kneipe. Solange diese Orte noch geöffnet waren, saßen die Leute wie eh und je zusammen. Warum zuhause bleiben? Mir geht`s gut, ich bin nicht in der Risikogruppe, also was soll’s?

An diesem Punkt kommen wir zu dem mathematischen Problem. Bei Infektionskrankheiten, die von Mensch zu Mensch übertragen werden, steigt die Infektionsrate exponentiell. Das heißt, nicht nur die Zahl der Infizierten steigt, sondern die Geschwindigkeit, mit der sich die Krankheit ausbreitet, wird ständig größer. Zahlenbeispiele dafür lesen wir täglich in allen Medien. Der Mechanismus wird von den meisten nicht verstanden und öffnet den bequemen Weg zum egoistischen Verhalten. „Kann gar nicht sein, die da oben wollen uns manipulieren.“ Man sieht, es ist ein kurzer Weg zu den Verschwörungstheorien. Chemtrails und Umvolkung lassen grüßen.

Ein „schönes“ Beispiel für exponentielles Wachstum in diesem Zusammenhang ist die unsägliche Welle von mehr oder minder anbiedernden Lobhudeleien für die Ärzte, Schwestern, Helfer, Feuerwehr, Polizei etc. Jeder, der einen Social Media Account hat, weiß das: Diese Posts kommen lawinenartig über einen, oft genug dieselben, jetzt aber weitergeleitet von einem anderen Freund.... (Dass alle diese gelobten Menschen höchste Anerkennung verdienen – klar. Aber von der fünfmillionsten Kopie eines frommen Spruchs, die den Server verstopft, haben sie genau nichts!)
Die Leute, die jetzt im Park in Grüppchen zusammenstehen, haben zweierlei nicht begriffen: Den Ausbreitungsmechanismus – siehe oben – und die Inkubationszeit. Es muss nur einer infiziert und noch ohne Symptome sein, schon setzt er die Lawine in Gang. Es ist überhaupt nicht zu vermeiden, dass man sich doch mal zu nahe kommt, oder dass der Wind den Nieser zum Nachbarn trägt.
Wie dämlich muss man sein, wenn bei der liebenswerten Initiative, dass um 20 Uhr alle von ihrem Balkon (also zuhause!) ein Lied singen, dann unten die Straße von Zuschauern verstopft ist?
Zwei Erkenntnisse lassen sich schon hieraus ableiten: Das elementare Wissen um mathematische Funktionen und um grundlegende physikalische und biologische Zusammenhänge fehlt. Bio? Chemie? In der Mittelstufe abgewählt. Mit Semantik und Rhetorik läst sich das Virus nicht beeindrucken!

Fazit: Das Bildungswesen der letzten 30 Jahre hat massiv versagt. Flachgebildete Niedriglöhner und kritiklos Konsumgesteuerte prägen eine Gesellschaft, die Wenigen viel gebracht hat. Einige Wenige haben ihr Schäfchen im Trockenen, die Masse hat das Virus! Der Kollaps droht. Aber auch daran wird verdient.

Themenwechsel: Häusliche Gewalt. Nachdem alles medial Verwertbare über das Virus als solches mehrfach über sämtliche Kanäle ging, macht man sich jetzt über die Sekundäreffekte her. Wurde bisher eher die vom Internet verursachte Vereinsamung des Menschen thematisiert, ist nun das Gegenteil der Fall. Jetzt, wo wir bitte alle zuhause bleiben sollen, droht massives Ungemach: Der Lagerkoller bricht aus. Menschen, die ihr Leben lang in ihren vier Wänden friedfertig oder einfach so nebeneinander her gelebt haben, könnten nun zu Gewalttätern mutieren. Psychologen, Paarberater und sonstige Fachleute aller couleur beschwören die Gefahr der häuslichen Gewalt herauf, ausgelöst durch die erzwungene Gemeinsamkeit.

Dass es häusliche Gewalt gibt und dass sie für die Betroffenen und die Gesellschaft ein massives Problem ist, bedarf keiner weiteren Erörterung. Aber dass sie durch ein tägliches Trommelfeuer von Ratschlägen und psychologisierenden Medienbeiträgen auch noch dem letzten Eingesperrten als beinahe zwangsläufig plausibel gemacht wird, das grenzt an – mindestens – grobe Fahrlässigkeit. Liebe Medien, hier solltet ihr einen Gang zurück schalten.

Die nächste Sau, die durchs Dorf getrieben wird, ist die drohende Wirtschaftskrise. Eine Gefahr, die nicht weg zu diskutieren ist, ok. Und schon kommen die Meldungen vom globalen Kollaps und vor allem die guten Ratschläge für die kleinen Leute: Wie rette ich mein Erspartes? Gold, Aktien, Bares unterm Kopfkissen? Man stelle sich bitte die Frage, wer davon profitiert!

Oder: Die Versorgung bricht zusammen, Mehl, Nudeln und Klopapier als Ersatzwährung, Dosenravioli ausverkauft, zurück zur Tauschwirtschaft. Die ersten Schlägereien ums Hygienepapier gab’s schon, es wird Zeit, sich eine Waffe zu kaufen – ist gerade der Trend in den USA. Auch hier haben die Medien ihren erheblichen Beitrag geleistet. Liebe Redakteure macht euch mal klar, dass auch ihr zu den Losern gehören werdet. Denn die Nutznießer der von euch angezettelten Massenhysterien seid nicht ihr!

In Zeiten des Populismus und der einfachen Lösungen ist es deprimierend, wenn man nach einer solchen Zustandsanalyse kein Hau-Ruck-Patentrezept präsentieren kann. Aber die Lösung ist nun mal so, in Abwandlung eines alten Sprichwortes: Jeder bleibe hinter seiner eigenen Tür.

Falls sich ein Leser aus dem Tal der Ahnungslosen hier her verirrt hat: Die Rede war von der Corona-Pandemie. Ich habe das Wort bisher vermieden, weil es hängt mit zum Halse heraus. Mehr Info: Jeden Abend in den Endlosschleifen der ARD- und ZDF-Extras.

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