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Ein grüner Anstrich für Moskau

Ein Blick von oben auf den Skulpturenpark "Museon"- ein fließender Übergang in den Gorki Park, am "Moskwa"-Ufer
Die von Kassel 2162 Kilometer entfernte Hauptstadt Russlands überzeugt mit ihrem Facettenreichtum. Das moderne Moskau investiert in die Optimierung der Stadt und präsentiert sich unerwartet jung und grün.


Abseits von gemütlich-warmen Wohnungen, prominenten Straßen und Hinterhöfen von grauen, siebenstöckigen Plattenbauten, die sich wie ein Labyrinth durch die Stadt ziehen und stets mit einem Spielplatz mit „kalten“ Spielgeräten aus Metall ausgestattet sind, hat Moskau heutzutage auch etwas ganz anderes zu bieten. Die 12-Millionen Metropole macht einen grünen Wandel durch. 2013 startete das Städtebauprojekt „Moja Uliza“ („Meine Straße“). Bei dem – auf fünf Jahre angelegten Projekt – kooperierten die einheimischen Landschaftsarchitekten mit Teams aus dem Ausland, darunter auch mit „Topotek 1“ aus Deutschland, die das Know-How eines grünen Städteumbaus haben. 8000 neue Bäume wurden im Laufe des Projekts in Moskau gepflanzt. Zusätzlich wurde 2017, im Rahmen des Projekts, der neue Park „Sarjadje“ eröffnet. Der, nach einem ehemaligen Handelsviertel benannte, Landschaftspark im historischen Zentrum der Stadt wurde von dem interdisziplinären Design Studio „Diller Scofidio + Renfro“ aus den USA entworfen und kombiniert futuristische Architektur mit botanischem Garten. Mit diesen Projekten wurde dieses Jahr ein Höhepunkt des grünen Wandels in Moskau erreicht: Der europäische Baumpflegerat verlieh Moskau den Titel „European City Of the Trees (EOCT) 2019“.

Der neue Park "Sarjadje" verbindet futuristische Architektur mit botanischem Garten.



Grüne Rückzugsorte für jeden Geschmack



Tatsächlich ist Moskau fürs Auge des Betrachters grüner geworden. Das fällt vor allem im Sommer auf, welchen die Moskauer gerne draußen, in einem der 130 Parks der Stadt verbringen. Manche Parks, wie der beliebte Gorki Park, der nach dem russischen Schriftsteller Maxim Gorki benannt wurde, erinnern an Vergnügungsparks wie Disneyland. Auf einer Fläche, die halb so groß ist wie der Bergpark Wilhelmshöhe gibt es unzählige Popcorn- und Eisstände, Musik und Wasserspiele. Die Wege laden zum Fahrradfahren und Inlineskaten ein und auf einem der kleinen Seen gibt es einen Tret- und Paddelbootverleih. Darüber hinaus bieten die Moskauer Parks ein vielfältiges kulturelles Angebot wie Ausstellungen, Konzerte, Freiluftkino, Workshops und Tanzveranstaltungen. Einige Parkgebiete, wie zum Beispiel „Tsarytsino“ oder „Kolomenskoye“ sind nach den alten Herrenhäusern und Kirchen benannt, die auf dem Parkgebiet erhalten geblieben sind und können deshalb als Freilichtmuseen besucht werden. Selbstverständlich laden die Parks mit ihren Grünflächen auch zur Erholung ein. Unumstritten sind die Moskauer Parks ein Paradebeispiel für ganz Russland. Die fast schon zu gepflegten Bäume, Büsche und Blumenbeete machen einen ordentlichen Eindruck, wirken aber gleichzeitig naturfern. Außerdem überwiegen in manchen Parks, wie dem Ausstellungspark „Vystavka Dostizheniy Narodnogo Khozyaystva (VDNKh)“ („Ausstellung für Errungenschaften der Volkswirtschaft“), die versiegelten Flächen fast die Anteile der Grünflächen.
„Vystavka Dostizheniy Narodnogo Khozyaystva (VDNKh)“ („Ausstellung für Errungenschaften der Volkswirtschaft“)
Auch der neue Park „Sarjadje“ wirkt auf den Betrachter widersprüchlich: Einerseits ist der Park dicht bepflanzt, da er Pflanzen aus allen Vegetationszonen Russlands präsentiert. Andererseits ist der Park aber auch dicht bepflastert, sodass die Wege breit genug sind, um die vielen Touristen vom benachbarten Roten Platz aufzunehmen. Natürlich trifft das nicht auf alle Parks zu. Innerhalb Moskaus gibt es auch viele Parks und Wäldchen die naturbelassener sind. Dazu gehört der Nationalpark „Losiny Ostrov“ („Elch- Insel“), aber auch der botanische Garten oder die „Vorobjovi Gori“ (Sperlingsberge).



Moskau als umweltbewusste Stadt – Updates

Die Eichhörnchen in der Nähe vom Gorki-Park sind an Menschen gewöhnt.

Allerdings ist die Infrastruktur in Moskau für viele Autos ausgelegt. Die breiten, sechsspurigen Straßen, die die Fußgänger beim Überqueren herausfordern und die, vor allem im Sommer, schwüle, nach Autoabgasen riechende Luft, verweisen darauf. Dennoch ist das Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln in Moskau viel besser als es auf den ersten Blick aussieht. Unter der Erde verbindet ein großes, verzweigtes Metronetz, die Stadt so gut miteinander, dass praktisch alles mit der Metro erreichbar ist. Die Metro wurde 1935 eröffnet und ist für ihre schönen Metrostationen, wie die „Majakovskaja“ Station bekannt. Das Moskauer Metronetz ist mehr als doppelt so lang wie das U- Bahnnetz in Berlin und hat alle 90-Sekunden pünktlich abfahrende Züge. Da es auf den Straßen Moskaus oft zu Staus kommt, bietet die Moskauer Metro oft die schnellere Alternative, um Moskau zu durchqueren. Zusätzlich gibt es in der Stadt verteilt zahlreiche Standorte, an denen Fahrräder und Cityroller verliehen werden. Obwohl Moskau nur 210 Kilometer Fahrradwege hat – Berlin hat bei einer Einwohnerzahl von 3,6 Millionen 1377 Kilometer Radwege – sind die Moskauer, jung und alt, viel mit Fahrrädern, elektrischen Cityrollern oder Longboards unterwegs. Die Stadt wirkt dadurch jung und sportlich. Generell entwickeln die Moskauer, vor allem die jungen Generationen, ein starkes Umweltbewusstsein. Sie versuchen nachhaltig einzukaufen, stellen ihre Ernährung um und versuchen sich für die Umwelt einzusetzen. In russischen Supermärkten wird nicht an Plastiktüten- und Verpackungen gespart und die Kennzeichnung von ökologischen Lebensmitteln wird nicht streng kontrolliert. Deshalb bieten die viele Märkte und Marktplätze in Moskau, wie der „Danilovsky Rynok“ („Danilovsky Markt“), eine bessere Möglichkeit regional und saisonal einzukaufen. Für eine vegetarische Ernährung bieten die Moskauer Cafés und Restaurants eine große Auswahl an und auch Veganer würden in der Stadt nicht verhungern. Was den Einsatz für die Umwelt betrifft, ist die Situation in Moskau nicht einfach. Da die Stadt strenge Regelungen für Demonstrationen hat, können Klimademos wie „Fridays for Future“ nicht in der gleichen Form, wie zum Beispiel in Deutschland, stattfinden. Trotzdem gibt es russlandweit, vor allem in Städten mit weniger strengen Regelungen, wie Kaliningrad, vereinzelte Gruppen von Demonstranten. In Moskau ist vor allem der Einzeldemonstrant Arshak Makichyan bekannt, der seit über 26 Wochen allein den Schulstreik für das Klima repräsentiert. „Hier fängt alles, im Vergleich zu Westeuropa, gerade erst an sich zu entwickeln.“, so der Umweltaktivist aus Moskau – „ Aber wenn man Moskau mit anderen Städten Russlands vergleicht, sieht es bei uns gar nicht so schlecht aus“ –

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