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K+S reagiert genervt: Willecke muss ran

Den Beirat freut‘s, den Pressesprecher von K+S, Herrn Willecke von K+S, nervt’s. Und um was geht es genau?

Zum Jahresende hat der Naturschutzbeirat des Landkreises an dieser Stelle

http://kassel-zeitung.de/cms1/index.php?/archives/18037-Das-Gegenteil-von-einem-launigen-Rueckblick-auf-die-Arbeit-des-Naturschutzbeirates-des-Landkreises-Kassel.html

ausführlich über seine Arbeit im vergangenen Jahr berichtet. Da wir den Bericht zusätzlich an einen Presseverteiler geschickt haben, hat auch die HNA Anfang des neuen Jahres in verschiedenen ihrer Land-Ausgaben über unsere Arbeit berichtet. Auch wenn wir vermuten, dass Herr Willecke ab und an die Kassel-Zeitung checkt, so haben ihn die Veröffentlichungen in der HNA natürlich deutlich mehr gejuckt. Denn da kommen schon jeweils einige Zig-Tausend Leserinnen und Leser zusammen. Und da ihm unsere Kritik an K+S im Bericht nicht gemundet hat, reagierte Herr Willecke entsprechend empfindsam – ebenfalls über die HNA.

Seine Reaktion hatte zwei Ebenen: Zum einen erfährt die interessierte Leser/In, dass die begründete Kritik des Beirats an den gravierenden Versäumnissen des Konzerns im Hinblick auf seine Umweltpolitik haltlos sei: Der Beirat habe in seinen Augen einfach keine Ahnung, denn die raue Wirklichkeit der Kaliproduktion sei rückstandsfrei eben nicht zu haben. Zum anderen darf die geneigte Leserschaft zur Kenntnis nehmen, dass die verantwortlichen Landkreispolitiker indirekt dazu aufgefordert werden, dem Beirat endlich einen Maulkorb zu verpassen. Nicht mehr und nicht weniger ist gemeint, wenn Willecke davon spricht, dass wir gefälligst „rein naturschutzfachlich“ zu argumentieren hätten, also im Sinne von: Schuster, bleib bei deinen Leisten! Weil wir es wagten, einen politisch äußerst bedeutsamen Sachverhalt – ein Konzern verschmutzt jahrzehntelang Werra und Weser, das Grundwasser und den Untergrund mit unvorstellbaren Mengen an Salzabfällen bzw. Salzabwasser unter eindeutiger Verletzung europäischer Gesetze in Form einer rechtskräftigen Wasserrahmenrichtlinie aus dem Jahr 2000 – soll uns der Mund verboten, politische Äußerungen untersagt werden. Das als dreist zu bezeichnen wäre noch diplomatisch!

Wie die verantwortlichen Kommunalpolitiker des Landkreises auf die unverhohlene Aufforderung von Herrn Willecke reagieren, uns einen Maulkorb umzuhängen, wissen wir nicht. In Anbetracht der Tatsache jedoch, dass wir in Bezug auf die lange Liste der Umweltsünden der K+S AG und auch hinsichtlich der ins Auge gefassten überflüssigen Leitung an einem Strang ziehen, also 100%ig gleiche Auffassungen haben, gehen wir davon aus, dass wir weiterhin Kritik an K+S, seinen Unterlassungen und Versäumnissen in punkto Umwelt, üben können.

Zu den inhaltlichen Kritikpunkten sieht es wie folgt aus: Ob uns Herr Willecke für ausreichend kompetent hält, ist nicht wichtig für uns. Wichtig für uns ist vielmehr, dass sich unsere Verlautbarungen am aktuellen Stand von Wissenschaft und Technik orientieren und dass sie sich decken mit den Kompetenzen z.B. der Weser-Werra-Anrainerkonferenz und der der großen Umweltverbände. Wichtig ist für uns außerdem, dass andernorts in Europa durchaus positive Erfahrungen beim Salzabfallmanagement gemacht werden.

Die wesentlichen Aspekte der aktuellen Debatte sind die geplante Abwasserleitung bis zur Weser, die propagierte Haldenbegrünung kombiniert mit einer erweiterten Aufhaldung von Salzabfällen und die Frage nach zukunftsfähiger Technik zum Abbau ebendieser Halden unter Verwertung der in ihnen enthaltenen Rohstoffe. Natürlich gibt es noch viele andere offene und mehr oder weniger komplizierte Fragestellungen in Zusammenhang mit der hiesigen Salzproduktion. Aber diese drei Problemfelder stellen die Kernfragen dar. Sie entscheiden über die Zukunft der Salzindustrie in unserer Region und die Möglichkeit, die Arbeitsplätze langfristig zu erhalten und endlich zu einer Produktion überzuleiten, die im Einklang mit der Natur und der EU-Gesetzgebung steht.

An die Sinnhaftigkeit und an die Durchsetzbarkeit der teuren Abwasserleitung glauben die Herrschaften von K+S inzwischen selbst nicht mehr. Auch wenn, nach dem Plan von K+S, vielleicht der eine oder andere Kurzarbeitstag in den nächsten heißen und trockenen Sommerphasen durch diese Leitung vermieden werden könnte: Eine millionenschwere Leitung, die politisch und rechtlich kaum bzw. nur gegen allergrößte Widerstände durchgesetzt werden kann und die dann nur eine Verlagerung der Probleme bringt, wird am Ende selbst K+S nicht bauen wollen. Der Bau der Leitung und die gigantischen Absetzbecken sind ökologisch in jedem Fall unverantwortlich.

Und dass es gelingen sollte, die gigantischen Haldenflanken zu begrünen, was bislang noch nirgends in der Welt länger als für ein paar Jahre geklappt hat: Auch daran glaubt vermutlich auch bei K+S niemand mehr. Die eigenen Versuchsflächen sind, wir haben sie Ende 2017 selbst besichtigt, ein Witz! Sie sind entweder horizontal oder nur schwach geneigt und haben mit den realen Anforderungen der riesigen Haldenhänge mit bis zu 45° Hangneigung nichts zu tun. Die Vision, sie tatsächlich begrünen und damit relevante Regenwassermengen zurückhalten zu können, ist wissenschaftlich-ingenieurtechnischer Unsinn. Bislang hat K+S mit entsprechenden Versuchen in der Realität nur Schiffbruch erlitten. Das glorreich in die Hose gegangene Beispiel in Bokeloh lässt grüßen. Das Material rutschte ab und musste von der Straße wieder abgekratzt werden. Trotz dieses Desasters schwadroniert K+S weiter davon, mit dieser nicht funktionierenden Technik in den folgenden 60 Jahren 90% Haldenlaugenreduzierung erreichen zu wollen. Ein vollkommen unmögliches Unterfangen, zumal ja die bestehenden Halden permanent weiter ausgebaut werden sollen: Um sage und schreibe 50 bis 100 Prozent!

Wer mit unserer Skepsis gegenüber K+S und der von dort lauthals propagierten Haldenbegrünungsstrategie möglicherweise nicht einverstanden ist, wer vielleicht nicht glauben will, dass auch mit dieser Kampagne wieder nur Zeit gewonnen werden soll, der kann sich ja die folgende Internetseite von der K+S AG zu Gemüte führen:

http://www.k-plus-s.com/de/news/presseinformationen/2018/presse-180920.html

Wenn es nicht so traurig wäre, wär’s zum Lachen. Auf dieser Seite darf die geneigte Leser/in zur Kenntnis nehmen, dass die K+S AG nun, im September 2018, einen weltweiten Crowdsourcing-Wettbewerb zur Haldenabdeckung ausgeschrieben hat. Während man landauf landab, auch gegenüber den drei mit dem Salzthema befassten Ministerien, verkündet, was für eine geniale Idee das Abdecken der Halden doch sei, während man alle Kritiker und Experten, die von solchen Begrünungsmaßnahmen etwas verstehen, versucht, der Lächerlichkeit preiszugeben, muss K+S nun vor einem weltweiten Publikum eingestehen, dass sie bei diesem wichtigen Thema außer Nebelkerzen nichts im Köcher hat. Auf der Seite wimmelt es dann wieder von Versprechungen, die alle nichts kosten und in Anbetracht der realen Politik von K+S wie ein Lügengebilde anmuten. „Das Wissen vieler nutzen – für Innovation und Nachhaltigkeit“…, „K+S hat sich ambitionierte Nachhaltigkeitsziele gesetzt“…, K+S „sucht nach neuen Ansätzen, Konzepten und Impulsen, um die Salzabwässer der Rückstandshalden deutlich zu reduzieren“. Diese Suche nach neuen Konzepten könnte, so gewollt, deutlich abgekürzt werden, weil sie längst vorliegen, diese „Konzepte“…

Während das Salzbergwerk in Katalonien bei Barcelona nach dem von der EU-Kommission ausgeübten Druck 2016 eine moderne Salzaufbereitungsanlage gebaut hat, ist nun, nachdem die EU-Kommission im Januar 2018 erneut mit einer Klage vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) gedroht hat, eine weitere Anlage in Bau. Näheres kann im Salz-Blog der Weser-Werra-Anrainerkommission (www.wasser-in-Not.de) nachgelesen werden. Solche Schritte sind in den Plänen von K+S, die in Abstimmung mit 3 Länderministerien geschmiedet werden, immer noch nicht vorgesehen. Es bleibt festzustellen, dass die von K+S Anfang 2018 in Betrieb gegangene KKF Anlage weit hinter den Erwartungen zurück bleibt und dass außerdem die erneuten Betriebsstillegungen von Sommer und Herbst 2018 damit nicht verhindert werden konnten.

Wir stellen abschließend fest: Die überfälligen Investitionen in die Zukunft der Salzproduktion in unserer Region stehen noch aus. Dass sie möglich wären, weiß auch die K+S AG und ihr Pressesprecher, Herr Willecke. Dazu müssen keine Naturgesetze geändert und es muss auch nicht permanent verlautbart werden, dass es eine abstoßfreie Salzproduktion nie geben könne: Vielmehr muss klug, rasch und konsequent in vorhandene Technik investiert werden. Seit 2012 liegen solche Konzepte der Ingenieurgesellschaft K-Utec vor. Sie wurden übrigens auf Anregung der Weser-Werra-Anrainerkonferenz erarbeitet und inzwischen sogar mehrfach aktualisiert. Die technische Qualität und wirtschaftliche Umsetzbarkeit dieser Konzepte sind von Prof. Dr. Quicker (RWTH Aachen) und vom Umweltbundesamt längst bestätigt. Und wäre ein weiterer Beweis nötig: Im Jahre 2014 lehnt K+S das Angebot der Stadtwerkeunion Nordhessen (SUN) und der Anlagenbauer General Electric (GE) ab, über einen Dienstleistungsvertrag aus den Abwässern von K+S Wertstoffe zurück zu gewinnen und die dann noch verbleibenden Reststoffe für einen gefahrlosen untertätigen Versatz, sprich Einbau in die Stollen, vorzubereiten. Der Plan seitens SUN bestand darin, aus Energieüberschüssen bei der regenerativen Stromgewinnung die notwendigen Energiemengen abzuzweigen, um das oben beschriebene Verfahren wirtschaftlich zu betreiben. Die neue Fabrik hätte 300 sichere Arbeitsplätze gebracht und wäre ein Schritt in die richtige Richtung gewesen. Genau solche Schritte müssen jetzt eingeleitet werden, Herr Willecke!

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