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Kasseler Bürgerpreis "DAS GLAS DER VERNUNFT" an Umweltaktivisten Saúl Luciano Lliuya verliehen

(Dokumentation Pressemeldung) Für seinen Mut, die globale Dimension individueller, politischer und ökonomischer Handlungsweisen mit den Mitteln des Rechts und der Verantwortung auszuhandeln, ist der peruanischen Landwirt Saúl Luciano Lliuya am Sonntag, 23. September, im Kasseler Staatstheater mit dem Kasseler Bürgerpreis "Glas der Vernunft" ausgezeichnet worden. Seine Heimatstadt Huaraz am Palcacocha See liegt auf 3000 Metern in dem Gebiet der "Cordillera Blanca", der weißen Gebirge, deren Schnee und Eis als Folge der Klimaerwärmung verstärkt schmelzen, so dass es zu einer Flutkatastrophe kommen könnte.
Lliuya verlangt durch eine zivilrechtliche Klage von einem deutschen Energiekonzern eine Beteiligung an den Kosten von Schutzmaßnahmen, um seinen Besitz vor der drohenden Überflutung durch den Gletschersee zu sichern. Damit will er deutlich machen, dass lokale Handlungen weltweit Klimaveränderungen verursachen. Der Ausstoß aus den Kraftwerken, so seine Argumentation, trage zur Erwärmung der Erdatmosphäre und damit zum Schmelzen des "ewigen Eises" der Anden und zum Anstieg des Wasserspiegels bei.
Lliuya, der aus dem peruanischen Hochland mit seiner Ehefrau und seinem Vater zur Preisverleihung angereist war, zeigte sich tief geehrt: "Ich widme den Preis den Familien, die in den Bergen leben. Sie alle verdienen den Preis", sagte er.
Globale Verantwortung für globales Handeln eingefordert
"Mit dieser Initiative stellt Lliuya mit demokratischen Mitteln einen Zusammenhang her zwischen klimarelevanten Produktionsweisen in Industrienationen und deren Auswirkungen auf Tausende von Kilometern entfernt liegende Regionen. So appelliert er nicht nur für sich, sondern für 50.000 in seiner Heimatstadt Huaraz in den peruanischen Hochanden ebenfalls bedrohte Menschen an ein weltweit orientiertes Verantwortungsbewusstsein", heißt es in der Begründung zur Vergabe des Bürgerpreises. Damit stelle er die Folgen des Klimawandels in individuelle Verantwortung.

Ein Signal für eine Welt, die nachhaltig wirtschaftet
"Ein Bergführer aus den peruanischen Anden erklimmt als allererster Mensch einen juristischen Gipfel, der bislang als unbezwingbar galt", würdigte in ihrer Laudatio Claudia Kempfert, die Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr und Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung und Professorin für Energieökonomie und Nachhaltigkeit an der Hertie School of Governance in Berlin, den Preisträger. "Sie sind ein David, der den Mut hat, gegen Goliath anzutreten; sie übernehmen Verantwortung nicht nur für ihr individuelles Leben, sondern auch Verantwortung für ihr Heimat-Dorf, für ihre Heimatstadt Huaraz, für ihre Heimat-Region, die peruanischen Anden, und – ja, kleiner geht’s nicht – für den ganzen Planeten." Der Prozess, den Saúl Luciano Lliuya in Deutschland angestoßen habe, sei möglicherweise der Tropfen, der das fossile Fass zum Überlaufen bringt – "und zwar hoffentlich noch bevor der Gletscher-Abbruch in ihren See stürzt! Er ist ein Signal der Hoffnung für eine Welt, in der nachhaltiges Wirtschaften zum Erfolgsmodell wird." Schon jetzt habe Lliuya damit ein Stück Rechtsgeschichte geschrieben.
In seiner Festrede hatte zuvor Professor Dr. Hans Joachim Schellnhuber, ein Experte für Klimafolgenforschung und Erdsystemanalyse, in eindringlicher Form die Folgen des Klimawandels dargestellt. Anhand von Daten zur Erderwärmung und CO2-Entwicklung erläuterte er das Modell der Kipp-Prozesse, durch das möglicherweise nicht mehr umkehrbare Prozesse globaler Umweltzerstörung dargestellt werden können. Professor Schellnhuber plädierte für einen schnellen Ausstieg aus den fossilen Brennstoffen, allen voran der Braunkohle. Es sei notwendig, den CO2 Ausstoß in jedem Jahrzehnt zu halbieren.
"Es ist an der Zeit, dass sich nicht nur die Forschung und die Politik, sondern auch die Zivilgesellschaft dieser globalen Probleme, die die Schöpfung bedrohen, annimmt. Saúl Luciano Lliuya hat uns dazu von außen Entwicklungshilfe geleistet", dankte Professor Schellnhuber dem Preisträger des "Glases der Vernunft".
Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung von dem in Kassel lebenden argentinischen Gitarristen Diego Jascalevich.

Kasseler Bürgerpreis "DAS GLAS DER VERNUNFT" – Hintergrund
Kasseler Bürgerinnen und Bürger haben im Jahr 1990 den Kasseler Bürgerpreis "DAS GLAS DER VERNUNFT" gestiftet.
Anlass war die Wiedervereinigung Deutschlands am 3. Oktober 1990 und die damit verbundene Zusammenführung der geschichtlich und kulturell verbundenen Regionen Nordhessen und West-Thüringen.
Die Auszeichnung wird seither jährlich an Personen oder Institutionen vergeben, die sich in besonderer Weise um die Überwindung ideologischer Schranken, Vernunft und Toleranz gegenüber Andersdenkenden verdient machen.
Das Glas der Vernunft ist mit 10.000 Euro dotiert und wird ausschließlich durch private Spenden finanziert. Zum Preisgeld erhält der Preisträger eine von dem Kasseler Kunstprofessor Karl Oskar Blase gestaltete Skulptur.

Weitere Informationen zu dem Kasseler Bürgerpreis "Das Glas der Vernunft " und zu den bisherigen Preisträgerinnen und Preisträgern unter www.glas-der-vernunft.de

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