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Textreparatur

Nun gestern waren wir im Reparatur-Café. Ich hatte diesmal ein ordentliches Schild gebastelt bzw. ausgedruckt. Große Lettern usw. Was mir aber auffällt ist, welchen verbalen Aufwand es braucht, um überhaupt die Idee zu erklären. Das lässt sich in die geniale Frage meiner Enkelin Mila gießen: "Wasdenndasdenn"? Dass man eine Kaffemaschine repariert, leuchtet allen Menschen sofort ein. Man sieht also Techno-Freaks stundenlang an Maschinen rumbasteln, während die Frauen wohlgefällig zuschauen. (Gender?) Apropos: Nebenan hat eine geduldige Frau eine Textur-Reparatur durchgeführt, d.h. einen Riss in meinem Hemd ausgebessert. Auch das leuchtet sofort ein. (Ebenfalls gender!)
Jeder Diplomand an der Uni kennt das aus seinem Abgabe-Stress. Aber es braucht einen ungeheuren Verbalaufwand um zu erklären, dass auch ganz gewöhnliche Texte (Briefe, Behördenschreiben oder was immer) flächendeckend eine Wartung benötigen. Ich hab den Test in der Kneipe gemacht und mein Schild "Textreparatur" auf den Tisch gestellt. Sofort kam "Wasdennndasdenn"? Und nach anschließender Erklärung ein aha, achso. Das ist eine der gesellschaftsbildenden Maßnahmen.
Wir werden tapfer dranbleiben. Verschenkungen werden vielleicht einmal in das sowieso Einleuchtende hinübergehen. Dann ist die Revolution perfekt. Wenn ausgebildete Theologinnen im Reparatur-Café bereits die Messer zu wetzen beginnen, womit Haarschöpfe oder friedliches Gemüse bearbeitet werden können...

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Kommentare

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Klaus Baum am :

Ich habe scon manchen auf die textlichen Sprünge geholfen. Schon am Hessenkolleg einem Freund, der auf heute noch, nach über 50 Jahren Probleme mit dem Formulieren hat. In der Studentenzeit musste ich einem Kunststudenten Worten zu Sätzen zusammenfügen, die sich als Examensarbeit verstanden.
Und später war ich zwei Iranern, unabhängig voneinander, der eine war Oberarzt, der andere Ingenieur, behilflich.

Klaus Baum am :

Korrektur: richtig muss es heißen: ... der auch heute noch ...

Marlis Cavallaro am :

Womit ja denne geklärt wäre, dass der auch schon textreparierend tätig gewesene Herr Dr. Baum selbstredend Herrn Dr.Reuters Angebot, Texte zu verbessern, für sein verbales Inderweltsein nicht benötigt.
Nicht aber geklärt ist, ob und wie die fehlende Nachfrage anzuschieben wäre. Wohl eher nicht, indem die am
Reparatur-Nachmittag gewetzten Messer zur scharf-nachdrücklichen Einladung, vulgo zum Herantreiben von (unverschämterweise noch nicht)Nachfragenden genutzt würden. "Der Köder muss dem Fisch schmecken - nicht dem Angler", lautet ein weiser Spruch aus dem Marketing-Erfahrungswissen. Eventuell würde die Textreparatur jenen am besten schmecken, denen es leichter fällt, ohne Scham das Bedürfnis nach ihr zuzugeben: jenen, deren Muttersprache nicht Deutsch war (sondern Kasselänerisch , Bayrisch, Türkisch, Arabisch, Englisch, Syrisch, Italienisch, Südhessisch, Sächsisch usw usw usw)? Einen Riss in Klamotten, einen defekten Mixer bringt der Mensch gerne zum Reparieren, da schämt sich kaum wer, das Instandsetzen nicht selber zu können. Jedoch geben vielleicht nicht alle Deutschsprachigen voll begeistert ob Dr.Reuters Angebot gerne zu, einem Text nicht selber den guten Schliff geben zu können. Es könnte ja den Ruch der Bildungsferne haben, darauf angewiesen zu sein...mag manchem / mancher möglicherweise schwanen.
Idee: Einladung dazu in mehreren Sprachen?

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