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Neulich unterwegs im Park Schönfeld

meditierender Reiher
Von den schrägen Vögeln und der Joggerin

Im Weiher steht ein Graureiher unbeweglich auf dem Ast eines umgestürzten Baumes. Ich bleibe stehen und schaue ihn an. Lange schaue ich ihn an. Er bewegt nur einmal elegant eine Zehe. So sein können: unbeweglich, ziellos, wie für die Ewigkeit und trotzdem am Leben.
Irgendetwas wie eine Ente
Ein paar Schritte weiter sitzt schon wieder ein Tier auf einem Ast. Sieht aus wie eine Ente mit Wolle oder eine Dommel oder eher etwas, was ich noch nie gesehen habe. Einen Joggerin bleibt stehen und ruft mir zu: "Haben Sie den Vogel da vorne gesehen?" "Ja," rufe ich zurück, "aber schauen Sie mal den an." Wir stehen jetzt nebeneinander und wundern uns. "Das ist noch gar nichts, vor ein paar Tagen ist mir genau an dieser Stelle eine Schildkröte über den Weg gelaufen." Sagts und läuft weiter.

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Kommentare

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klaus baum am :

"Er bewegt nur einmal elegant eine Zehe."
Diese Beobachtung gefällt mir. Kein Zitat von Aristoteles, sondern eine eigene Beobachtung, wiedergegeben in eigenen Worten.

MR am :

Und diesmal nicht von Adorno, dem es so wertvoll war, dass "je leidenschaftllcher der Gedanke gegen sein Bedingtsein sich abdichtet um des Unbedingten willen", umso "bewußtloser und verhängnisvoller" er der "Welt zufällt". Der Gedanke, wohlgemerkt! Der Wortschöpfung einer raffiniert einfachen Frau des Volkes ist es anhand einer Vogelzehe, also einer schlichten, aber vorzüglich beobachteten Vorhandenheit, gelungen, einen Ausdruck zu schöpfen, der es möglich macht, sich zu fragen, ob die "Frage nach der Wirklichkeit oder Unwirklichkeit der Erlösung" [ergänze biblisch aus dem menschlichen "Jammertal"] "selber fast gleichgültig" wird. Hier fühlen wir unserem ganzen Zorn herausgefordert - und man bitte das von der Wut des Umsichschlagens abzusondern. Zorn ist ist Stolzverletzung und hat mit Selbstachtung zu tun, darauf hat Sloterdijk aufmerksam gemacht (vorher Seitter mit Thymotik). Wir müssen auch politisch in diesen Zeiten, wo Weltanzündler von debilen Wählern ans Werk gesetzt werden, dagegen etwas tun. Und auch in angeblich kleinen Konflikten! Die Zehe hilft! Ein kleiner Beitrag zu einer kleinen Beobachtung, sozusagen ein Wink aus dem Vogelleben.

klaus baum am :

you made my day

MR am :

Wenn man die große Kühnheit besäße zu behaupten, dass es in Kassel, dieser MKS, auch akademisch ausgebildete Menschen gibt, die mal was gelesen haben - da hätte man also eine Frau im Visier, die das sog "momentum" erwischt hat. Im Gewande von Walter Benjamin (mit Blick auf die documenta-DIskussion) also das vorbürgerliche auratische Vogelfuß-Kunstwerk: "Ein sonderbares Gespinst von Raum und Zeit: einmalige Erscheinung einer Ferne, so nah sie sein mag. An einem Sommermittag ruhend einem Gebirgszug am Horizont oder einem Zweig folgen, der seinen Schatten auf den Betrachter wirft, bis der Augenblick oder die Stunde Teil an ihrer Erscheinung hat - das heißt die Aura dieser Berge, dieses Zweiges atmen."

MR am :

Ich reagiere nochmal auf die Fremdheit und mich selbst - den ich nicht kenne: ich reagiere auf die berichtete Zehe eines Vogels und den Blick darauf und die Berührung, die ich durch die geduldige Anteilnahme einer Empathin selbst miterleben kann. Das könnte der empathetische Zugang zu sog. Kunstwerken sein, die im öfffentlichen Spektakel eigentlich versaufen. Wenn mir einmal jemand eins vorführen würde, so dass ich meine Aversion verlöre?

klaus baum am :

solche werke kann man niemanden vorführen, er muss ihnen spontan begegnen

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