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Dieser Bolschewismus hat uns gerade noch gefehlt

Der direkt unter meinem Beitrag angekündigte Vortrag über das Verhältnis von Steiner zum Bolschewiken. Was da auf einen zukommen mag, ist wohl thematisch bereits nachzulesen. Titel: "Freiheit oder Fremdbestimmung - Dreigliederung oder Bolschewismus". Angekündigt wird hier im Rahmen von "Materialien zur Zeitgeschichte" Folgendes: "Die Herausgeber [Martin Bacher, Fritz Spielberger] knüpfen mit ihrem Buchtitel an ein Zitat von Rudolf Steiner an: Zwischen Dreigliederung (Synonym für freiheitliche Ordnung) und Bolschewismus (Synonym für einen sozialistischen Zentralismus) muss sich der Kampf abspielen. Das Herrschaftssystem des real existierenden Bolschewismus bestand bis zum Zerfall der UdSSR 1991." Das ist natürlich glatter Nicht-Sinn und historisch eine falsche Nahelegung, beides zusammen Propaganda für eine bestimmte Art von Geistes-Wissenschaft.
Das ist Hintergrund, und der angekündigte Vortragende Gerald Häfner ist damit nun nicht identisch, setzt sich grün für die "Basisdemokratie" ein. Warum wählt er dann aber diesen obszönen Kurzschluss-Titel?
Es reicht die Lektüre des Wikipedia-Artikels, um sich sachkundig zu machen: "Zunächst konkret von der radikalen Fraktion der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Russlands (SDAPR), den Bolschewiki, als Eigenbezeichnung benutzt, wurde in der Folge der Russischen Revolutionen von 1905 und 1922 das Bild vom 'Bolschewismus' vornehmlich von erklärten 'Antibolschewisten' geprägt und als Kampfbegriff gegen sämtliche Kommunistische Parteien in Europa verwendet." (Das nur nebenbei: "In Deutschland hefteten insbesondere die Nationalsozialisten dem Begriff ein antisemitisches Vorzeichen an, so dass in der Folge die Begriffe 'Bolschewist' und 'Jude' propagandistisch nahezu synonym verwendet wurden.") Nun einen Steiner-Artikel von 1924 bis nach 1991 zu verlängern, ist schon absurd. Damals stand nämlich schon einmal "die ganze Erdentwicklung der Menschheit“ (Steiner) auf dem Spiel. Aber es passt in das Unbewusste der Deutschen: Nichts hat wohl die deutsche Ausgabe der US-amerikanischen antikommunistischen Krankheit (von McCarthy über Vietnam und Putin-Mobbing bis zu Atomraketen auf Nordkorea) derartig beflügelt und in unsere Herzen gesenkt wie das Wort "Bolschewik".
Es zählt zur Zeiterscheinung, dass (angeblich urplötzlich auftauchende) Rechte (die ja eigentlich zum demokratischen Spektrum gehörten und vom Bundeswahlleiter wohl als Partei anerkannt sind?) uns wieder Hitler ante portas sehen lassen; ebenso wie die Steiner-Gruppe uns Stalin, jedenfalls bis 1991, wiederauferstehen lässt.
Das ist alles Politainment und anthroposophisches Windschattensegeln in der gegenwärtigen uninformierten Aufregung. Etwas nutzbares Kulturelles, Politisches gibt es da nicht, das ist die Nulllinie. Lest lieber Gripari, "Der Vampir vom Roten Platz"!

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