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„Von unten die Welt verändern!“

Foto:Reimund Lill, www.fotografie-reimund-lill.de
„Vom Guten Leben“ lautete das Motto im Gießhaus der Universität Kassel am 3. Dezember. Gemeinsam mit Alberto Acosta, einem führenden Intellektuellen Lateinamerikas, diskutierten Bürger an diesem Nachmittag die Notwendigkeit nachhaltiger Lebensweisen.

„Das ist die Welt, in der wir leben!“, fasste Alberto Acosta seinen Vortrag zusammen. Der ehemalige Energie- und Bergbauminister sowie der Präsident der Verfassungsgebenden Versammlung Ecuadors im Jahr 2008 und Autor des Buches „Buen Vivir.Vom Recht auf ein gutes Leben“
Foto: Reimund Lill
sprach am 3. Dezember vor ca. 80 Zuschauern im Gießhaus der Universität Kassel über die Probleme der heutigen Weltbevölkerung: Umweltverschmutzung, Klimawandel, große Kluft zwischen Arm und Reich sowie Unzufriedenheit und stetig wachsende Suche nach Alternativen in unterschiedlichen Kulturen. „Die Lösung ist nicht das Wirtschaftswachstum“, betont Alberto Acosta. „Wirtschaftswachstum bedeutet nicht Entwicklung und führt nicht zu einer höheren Lebenszufriedenheit.“ Das Konzept des „Buen Vivir“ sucht die Lösung stattdessen in den Lebensanschauungen und Weltsichten der indigenen Völker Südamerikas und hat mit seinen tiefgehenden Vorstellungen von Menschen- und Naturrechten Eingang in die ecuadorianische Verfassung gefunden. „Dahinter stehen Philosophien, obwohl keine Philosophen am Werk waren, und Praktika, für die keine Theorien existieren“, versucht sich Acosta an einer Definition. „Das gute Leben des Menschen ist ein Leben in Harmonie mit sich selbst mit anderen Menschen, der Gemeinschaften untereinander und der Weltgemeinschaft in Harmonie mit der Natur.“ Unter der Fragestellung, wie die Industriegesellschaft in den Zeiten des Klimawandels und ungebremsten Wirtschaftswachstums leben und handeln soll, erhält das Konzept des „Buen Vivir“ weltweit eine wachsende Aufmerksamkeit.

„Kraft der Kooperation“
Einer der Workshops
Auch in Kassel gibt es Initiativen, die sich spannenden Ansätzen im Bereich dieser Thematik widmen: Transition Town, Karibu Welt- und Regioladen, Fachbereich Postkoloniale Studien der Universität Kassel und Die Kopiloten. Sie alle haben sich mit dem KulturNetz Kassel, dem StadtZeit Kassel Magazin und der Katholischen Kirche (Dekanat Kassel-Hofgeismar) zusammengetan, um am 3. Dezember die Begegnung mit Alberto Acosta sowie eine gut organisierte Bürgerdiskussion möglich zu machen. „Bei unserem Projekt ,Kraft der Kooperation‘ geht es darum, möglichst viele bürgerliche Initiativen zusammenzubringen und Netzwerke zu knüpfen. Die heutige Veranstaltung ist ein gutes Beispiel, wie das funktionieren kann“, berichtet Karsten Winnemuth von Transition Town. Unter dem Motto „Buen Vivir. Vom Guten Leben. Über die Notwendigkeit nachhaltiger Lebensweisen“ kamen in den Räumen der Universität Kassel zahlreiche Interessierte aller Altersklassen zusammen. Nach einer kurzen Begrüßung und dem Vortrag von Alberto Acosta ging es schließlich an die Diskussion. In fünf Workshops konnten die Teilnehmenden ihre Ideen austauschen und mehr zu Themen wie fairer Handel, Stadtgestalt und Konsum, Entwicklungsdiskurse und Post-Development Kritik sowie über die Räume für ein gutes Leben oder Presse- und Öffentlichkeitsarbeit erfahren.

„Große Leistungen erbringen“
Diskussion im Gießhaus der Uni Kassel
Die Präsentation der Ergebnisse sowie die Diskussion im Plenum rundeten die Veranstaltung ab. Dabei traten besonders die Wünsche nach einer Erweiterung und Verbesserung der nachhaltigen Fortbewegungsmöglichkeiten sowie der Schaffung von unkommerziellen Wohlfühlorten in Stadt und Region zum Vorschein. Auch die Frage nach der Vernetzung der Initiativen und einer Weiterführung der innerhalb des Nachmittags begonnen Arbeit bildete ein wesentliches Thema der Plenum-Diskussion. Darüber hinaus sprachen die Teilnehmenden über die Zeitautonomie sowie die Förderung von Gemeinschaft und Nachbarschaft. Natürlich lassen sich in fünf Stunden kaum echte Alternativen zu dem heute als selbstverständlich geltenden Gedankengut der Konsumgesellschaft finden. Doch die Leidenschaft, Begeisterung und Tatendrang der Teilnehmenden und Initiatoren machen Lust auf mehr „Buen Vivir“ in Kassel. „Wir müssen große Leistungen erbringen, um die Welt zu verbessern“, wendet sich Alberto Acosta an die Teilnehmenden. „Wir dürfen jedoch nicht warten, bis die Regierung die Welt verändert hat. Wir müssen von unten die Welt verändern und können heute damit beginnen.“
Organsatoren und Förderer des Tages zum Guten Leben, Foto: Reimund Lill


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