Skip to content

Die wahren Gründe der Besorgten

Kein Geld für’s Schützenhaus, gerade jetzt, wo Vaterlandsverteidigung bitter nötig wäre!

Von taz über Spiegel bis BILD erstrecken sich die Erklärungsversuche der AfD-Wählerversteher, warum diese Menschen denn nun in Wahrheit ihr Kreuzchen bei jener Partei gemacht haben. Einigermaßen klar scheint der Befund insoweit, als dass Fremdenhass und Nationalismus in erster Linie vorgeschobene Kategorien sind.

Besonders auch deshalb, weil Begriffe und Behauptungen vorgetragen werden, die zu der Lebenswirklichkeit der meisten AfD-Wähler überhaupt keinen Bezug haben. Eine Burka haben sie noch nie gesehen, schwarze Menschen auch kaum, Minarette: Fehlanzeige, Ausländerkriminalität: niedriger als die allgemeine Kriminalitätsrate im Lande.
Fazit bis hierher: Es hat wohl eine äußert effiziente Meinungsmache stattgefunden.

Aber die braucht natürlich einen fruchtbaren Boden, um sich dort epidemisch fortzupflanzen und ein Eigenleben zu entwickeln. An diesem Punkt kommt der AfD-Wählerversteher zum Zuge. Er meint: Die „besorgten Bürger“ wollen mit ihrem Verhalten und ihren Parolen eigentlich nur darauf hinweisen, dass sie sich selbst als die Abgehängten, die Perspektivlosen sehen und befürchten, dass sich dieser Zustand weiter verschlimmert; dass die Politik sich nicht um ihre Belange kümmert und den Flüchtlingen alles das hinten rein schiebt, was eigentlich nur sie selbst verdient haben. Ergänzend dazu wird gern das eine oder andere regionale Infrastrukturprojekt erwähnt, dass nun wegen der Flüchtlinge gestrichen werden könne.

Alle diese gut gemeinten, freundlichen Deutungsversuche kaschieren den wahren Sachverhalt:

Es geht dem AfD-Wähler – von Unterschicht bis Oberschicht - nur um eines: die Verteidigung des eigenen Besitzstandes. Es ist ein ekelhafter, kleinlicher und peinlicher Egoismus, der primitive Neid und die Missgunst dem Anderen gegenüber. Dieser widerwärtige Instinkt ist bisher von der unausgesprochenen Erkenntnis unterdrückt worden, dass man in seinen Kreisen so etwas keinesfalls zugeben darf. Gottseidank hat man jetzt die Flüchtlinge. Die stehen in der archaischen Hackordnung ganz, ganz unten, und deshalb kann man ungestraft draufhauen. Die vermeintliche Wut dieser Bürger ist nichts anderes als die ersehnte Erleichterung darüber, dass man seinen kleinkarierten Egoismus endlich mal ausleben darf, ohne Sanktionen fürchten zu müssen.

Auch wird deutlich, dass der AfD-Wähler ein Duckmäuser ist, der nur dann das Maul aufmacht, wenn er sich in einer sicheren Horde befindet. So werden aus Nichtwählern, die ansonsten ihr dumpfes Leben im Bierrausch auf dem Sofa verschnarcht haben, plötzlich Leute, die sich für Politik interessieren! Da kommt der berühmte „Denkzettel“, der mangels konkreter Argumente als Joker gezogen wird. Da kann man sich rasch und mühelos anschließen. Eine tiefere Auseinandersetzung mit egal welchem Thema erübrigt sich. Das Feindbild ist klar definiert. Andere Standpunkte und Informationen sind von der Lügenpresse lanciert. Ein rundes Weltbild, wasserdicht und einfach zu verstehen.

Und noch einmal: Das ist kein Unterschicht-Phänomen! Vielmehr lässt es erkennen, in welchem Ausmaß unsere demokratische und soziale Grundordnung zugunsten eines darwinistischen Wirtschaftsliberalismus demontiert wird. Das sollte den anderen 80 Prozent zu denken geben! Denn die haben zu verlieren.

Trackbacks

Keine Trackbacks

Kommentare

Ansicht der Kommentare: Linear | Verschachtelt

Noch keine Kommentare

Kommentar schreiben

Umschließende Sterne heben ein Wort hervor (*wort*), per _wort_ kann ein Wort unterstrichen werden.
Die angegebene E-Mail-Adresse wird nicht dargestellt, sondern nur für eventuelle Benachrichtigungen verwendet.

Um maschinelle und automatische Übertragung von Spamkommentaren zu verhindern, bitte die Zeichenfolge im dargestellten Bild in der Eingabemaske eintragen. Nur wenn die Zeichenfolge richtig eingegeben wurde, kann der Kommentar angenommen werden. Bitte beachten Sie, dass Ihr Browser Cookies unterstützen muss, um dieses Verfahren anzuwenden.
CAPTCHA

BBCode-Formatierung erlaubt
Formular-Optionen