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Cantus-Chaos auf nordhessischen Bahnhöfen


GDL-Streik und Desorganisation beim Nordhessischen Verkehrsverbund NVV haben am Wochenende wieder einmal dazu geführt, dass zahlreiche Reisende ungewollt auf nordhessischen Bahnhöfen strandeten. Wer in Kassel-Wilhelmshöhe, Kassel Hbf, Eichenberg, Bad Hersfeld oder Bebra mit einem DB-Zug ankam und mit einem Zug der Cantus GmbH weiterfahren wollte, stellte zumeist erst vor Ort fest, dass der gewünschte Cantus-Zug nicht fährt. "Zug fällt aus" lautete, wenn überhaupt, die dürre Ansage. Informationen über den GDL-Streik und den Notfahrplan waren nur schwer zu erhalten. Zu Hinweisplakaten auf den Bahnsteigen, mit denen auf beides hätte aufmerksam gemacht werden können, sah sich der NVV nicht in der Lage.
Zum grossen Ärgernis für viele Reisende geriet die Situation aber vor allem dadurch, dass die Reiseauskunft der Deutschen Bahn, sowohl die elektronische wie auch die persönliche in den Reisezentren ausserhalb des NVV-Gebietes, auch an diesem Wochenende weiterhin Reiseverbindungen offerierte, die auf dem regulären Cantus-Fahrplan beruhten. Selbst auf Nachfragen wurde Reisenden von DB-Mitarbeitern mitgeteilt, dass bei Cantus nicht mehr gestreikt werde. Über die streikbedingten Beeinträchtigungen bei dem zwischen Göttingen und Uelzen verkehrenden Metronom wurde von der Deutschen Bahn offenbar aber informiert.

Auch der Arbeitskampf selbst beruht auf einer kaum durchsichtigen Konflikt- und Interessenkonstellation. Die Cantus GmbH gehört zu 75 % der im Besitz des Landes Hessen befindlichen Hessischen Landesbahn. Deren übriger Zugverkehr wird allerdings nicht bestreikt, weil sie der Lokführergewerkschaft GDL Entgegenkommen bei der Angleichung der Löhne an das DB-Niveau signalisiert hat. 25 % der Cantus GmbH gehören über eine Schachtelbeteiligung dem schwedischen Atomkonzern Vattenfall. Möglicherweise liegen nun in den Schubladen von Wirtschaftsminister Posch bereits Pläne, auch die übrigen 75 % des Bahnunternehmens an einen Privatinvestor zu verhökern und aus diesem Grund die Löhne auf dem niedrigeren Niveau zu belassen. Kennern der Bahnszene ist seit längerem bewusst, dass die Fragmentierung des Eisenbahn-Regionalverkehrs nur eine Vorstufe zur Privatisierung ist.

Das Cantus-Chaos während des GDL-Streikts beschränkt sich momentan auf ein Fahrplan-Chaos. Schon deutet sich aber an, dass Fragmentierung und Privatisierung des Regionalverkehrs auch zu einem Fahrpreis-Chaos führen. Bahnen des französischen Konzerns Veolia z. B., die auf ostdeutschen Strecken bereits unterwegs sind, erkennen inzwischen vielfach von der DB ausgestellte Fahrscheine nicht an. - Die neoliberale Karawane der staatstragenden Parteien stört das nicht, - sie zieht weiter.

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