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Superfrische

So gegen 9 Uhr (morgens). Der Bringdienst für die ältere Dame, auf dessen Auto "frisch menü" steht, bringt das Angekreuzte.
Was soll der Bringdienst machen? Er kann sich schließlich nicht "alt menü" oder "abgestanden menü" oder "industrielles Abfütterungs-Menü" nennen, und er kann auch nicht bei den vielzuvielen (Nietzsche) alten Damen gleichzeitig um 5 vor 12 erscheinen. Jedenfalls ein weiteres Beispiel für die Metaphorisierung der Welt: Es ist bestimmt nicht drin, was drauf steht, und kommt bestimmt nicht dann, wenns sein müsste.
Was mag die Dame gewählt haben? Den "Deftigen Erbseneintopf mit Schinkenbockwürstchen [incl. Inhaltsstoffe 2+6], Speck [Inhaltsstoff 3] und Zwiebeln"? Oder "Rinderfrikadelle mit Sauce, dazu Brokkoligemüse und Salzkartoffeln [Inhaltsstoff 6]"? Oder "Königsberger Klopse in Kaperntunke [Inhaltsstoff 9], dazu Kartoffeln [6] und Rote Beete [4+3]"? (Historisch interessant der Begriff "Tunke" als Revoltebegriff der Berliner gegen die französische Küche...) Es wäre gesondert zu klären, was bei der weiterhin angebotenen Rinderrroulade (kurz vor der Frikadellisierung) "hausgemacht" sein soll.
Zur gesonderten Aufklärung gehört natürlich die Liste der genannten Inhaltsstoffe, deren Nennung im Kleingedruckten dem Lieferanten wahrscheinlich in einem aufwendigen EU-Verfahren aufgepresst worden ist, incl. Zähneknirschen: 1) mit Farbstoff, 2) mit Konservierungsstoff, 3) mit Nitritpökelsalz, 4) mit Süßungsmittel, 5) mit kann Gräten enthalten, 6) mit Antioxidationsmittel, 7) mit Phosphat, 8) gewachst, 9) gebunden mit Guarkernmehl ["pflanzlicher Schleimstoff"] und Xanthan.
Im Rahmen des "Prinzips Hoffnung" (Bloch) könnte man nun spekulieren, was "ganz anders" (Adorno) sein könnte: Sämtliche Kochsendungs- und Küchenschlachten-Teams werden an die Altenfront versetzt. Jedem sein frisch gekochtes Lecker-Menü ohne Zusatzstoffe. Motto der Kampagne (in Anlehnung an die Nestlé-Studie "So is(s)t Schule. Chancen für das lernende Esszimmer"): "So essen die Lamentierenden, sich selbst Isolierenden und Abgeschobenen in ihrem Hinterzimmer ihr postmodernes frisch menü!"... Das würde ich mal eine echte Revolution nennen. Das bringt ins Leben zurück - wo man es doch gerade hatte abgeben wollen...

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