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Vergewaltigungs-Story entpuppt sich als Kriegsgreuel-Propaganda


Als Top-Meldung offerierten die deutschen Medien eine grauenvolle Nachricht aus Libyen. Der dortige Machthaber Gaddafi habe seine Soldaten zur systematischen Vergewaltigung von Rebellen-Frauen angeleitet, ja, zu diesem Zweck sogar Viagra verteilen lassen.
Eine Beauftragte von Human Rights Watch und zwei Mitarbeiterinnen von Amnesty International ermittelten nun auf beiden Seiten der Kriegsfront. Durch ihre Ermittlungsergebnisse wird insbesondere der Internationale Gerichtshof in Den Haag belastet, der die Vorwürfe gegen Gaddafi leichtfertig übernommen hatte.
Die Haager Richter, denen seit langem von unabhängigen Juristen, Journalisten und Politikern vorgeworfen wird, allzu dienstbeflissen gegenüber Ansprüchen der Nato zu sein, hatten ihre Vorwürfe gegen Gaddafi in dieser Angelegenheit auf einer Liste von 250 "geschändeten" und namentlich genannten Frauen basiert.

Donatella Rovera, die für Amnesty in Libyen unterwegs war, berichtet gegenüber der britischen Zeitung Indepentent, "weder Beweise noch ein einziges Vergewaltigungsopfer, noch einen Arzt gefunden zu haben, der von einer Person wusste, die vergewaltigt worden ist". Ihrer Kollegin Diana Eltahawy war es sogar gelungen, mit der libyschen Psychologin in Kontakt zu treten, die die Liste mit den vermeintlichen Vergewaltungs-Opfern erstellt hatte. Diese musste ihr aber überraschend erklären, dass sie jeglichen Kontakt zu diesen Frauen verloren habe. Ob es die Frauen überhaupt gibt, konnte Eltahawy nicht ermitteln. (mehr hierzu bei telepolis.de.

Unabhängig von der Frage der Vergewaltigungen scheint allerdings festzustehen, dass im jetzigen Libyen-Krieg alle drei beteiligten Seiten sich schwerer Kriegsverbrechen schuldig machen. Lt. Genfer Konvention ist z. B. auch die Bombardierung eines ungeschützten zivilen Objekts ein Kriegsverbrechen, das unabhängige Ermittlungen hervorrufen müsste.

Die Zweifel an der Unabhängigkeit der Haager Richter allerdings werden durch die libysche Vergewaltigungs-Story neue Nahrung bekommen. Die schnelle Anklage gegen Gaddafi steht in krassem Gegensatz zum Verhalten der Richter im Falle des albanisch-kosovarischen Anführers Thaci. Hier hat der Schweizer Staatsanwalt Dick Marty Den Haag eine umfangreiche Dokumentation von Zeugenaussagen vorgelegt, aus denen hervorgeht, dass der Nato-Schützling Thaci nicht nur Abtrünnige in den eigenen Reihen und Serben ermorden liess, sondern am Handel mit deren Organen mitverdiente. Aber ein Prozess gegen Thaci würde sicherlich dazu führen, dass weiten Teilen der europäischen Öffentlichkeit vom Kosovo-Krieg und den Nato-Motiven für die Bombardierung Jugoslawiens ein völlig neues Bild vermittelt wird.

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Kommentare

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Sven am :

Inzwischen scheinen die deutschen Medien ja die Berichterstattung über den Krieg in Libyen ganz eingestellt zu haben. Oder täusche ich mich da?

MR am :

Sie beteiligen sich wohl eher an der Hatz auf einen der letzten stellvertretenden Schurken, die noch außerhalb des "Weltinnenraums des Kapitals" stehen. Diese Mischung aus Reklamationen von Menschenrechten und Konventionen und des genau gegenteiligen Handelns (Genfer Konvention? Völkerrecht?) Ist das wirklich Besorgnis-, eher Ekelerregende. Monotheismus: Außerhalb meines Glaubens darf es keinen anderen geben. - Bedauerlicherweise haben die autoritären Regimes ihrerseits kein Interesse an Vermittlungen. Ich frage mich, ob "der Westen" nach dem Versiegen der Ölquellen nicht auch an die Ausradierung der autoritären Wahabiten gehen wird. Aber die haben sich dann schon sicher gut eingerichtet in der Schweiz und an der Wall Street.

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