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Christliche Verwirrungen

"Womit macht man sich mehr strafbar: Wenn man reingeht oder wenn man nicht reingeht?" O-Ton junge Kirchentagsbesucherin, gemeint sind die inzwischen salonfähig gewordenen weltweiten Interventionen in anderen Ländern (zB Afghanistan).
Die Aussage zeigt nicht nur mangelhafte Information und unlösbare Paradoxien an, sondern auch die Geläufigkeit des "Reingehens". Wer heute etwas vom Völkerrecht erzählen will, dem schlägt grenzübergreifende Eliminierungslust entgegen.

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Kommentare

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Hans Weichlein am :

Generell immer dann, wenn man reingeht, junge Soldatinnen und Soldaten in einem unsinnigen Krieg in einem Land opfert, in dem es schon Alexander der Große, die Engländer und die Sowjets versucht haben, alle ohne "Erfolg" - wobei sich die Frage stellt, was man unter "Erfolg" versteht.

Wenn sich nach dem Tod eines deutschen Soldaten dann auch noch die Kanzlerin hinstellt und sich "erschüttert" darüber zeigt, belegt das die Perversion derer, die unsere Soldaten in den Krieg schicken und sich dann über Tote wundern.

Im übrigen - ob deutsch oder international, jeder Kriegstote ist ein Toter zuviel.

MR am :

Fürgegen Krieg zu sein erscheint mir zu wenig. Es sollten mE die Eingriffsrechte bei Völkerrechtsverletzungen genauer bestimmt werden, damit "Supermächte" nicht beliebig Weltpolizei (im Sinne des "Westens" und anderer moralischer Schwämme und Schlämme) spielen können. (Dazu den Völkerstrafrechtler Claus Kreß; oder in wirklich ernsten Situationen nicht versagen können, vgl. UN und Srebreniza). Die Bibel ist in ihrem Friedensappell unüberlesbar; so lange die Menschen nicht pazifiziert sind, darf die Frage von Gewalt gegen Gewalt nicht derart verschwämmt werden. (zB Farbbeutel gegen das Ohr eines Außenministers...)

Richard Kallok am :

Ja, ja Srebnica, die ewig aktuell bleibende Begründung für den militärischen Interventionismus der Nato und dann dieser heldenhafte grüne Aussenminister, der Europa vor einem zweiten Ausschwitz im Kosovo bewahrt hat.
Srebnica war ein schlimmes Kriegsverbrechen, aber es gab auch andere, von denen die grosse Mehrheit der Bevölkerung hierzulande nie etwas gehört hat. Der Flucht der albanischen Kosovaren während der durch Völkerrechtsverletzungen beider Seiten gekennzeichneten Kampfhandlungen im Kosovo, die der Nato als Begründung für die Bombardierung serbischer Städte und Dörfer diente, ging die systematische Vertreibung der Serben aus der Krajina voraus, - von der Nato gebilligt und von grünen Menschenrechts-Helden milde gerügt.
Nachdem ich mich etwas intensiver, auch vor Ort, mit den Hintergründen des Jugoslawien-Krieges befassen konnte, komme ich leider an dem Urteil nicht vorbei: Der Jugoslawien-Krieg ist der erste Fall systematischer Desinformation seitens der Mainstream-Medien in der Bundesrepublik Deutschland.

MR am :

Die "Desinformation" ist mir vor den Leichen wurscht! Überhaupt die ganze Verschiebung von Hartefakten auf Artefakten, also von Mord auf Rhetorik (Rettung des Vaterlandes Serbien) und "Medien". (Was war denn in Srebrenica noch zu sehen?) Und von Attentätern auf Symbolfiguren. (Wie mir von einem im Nahkampf ausgebildeten Serben versichert wird, ist der Herr General gar kein kriegsrechtlich Verantwortlicher, sondern eine metaphorische Figur für einen Bandenhäuptling, etwa so wie in Afghanistan.)

Richard Kallok am :

Nicht ich bediene mich irgendeines Relativismus und irgendwelcher Doppel-Standards in Menschenrechtsfragen. Im Gegenteil: Gerade dagegen wende ich mich.
Wenn das hiesige Lokalblättchen z. B. den Fall Mladic und die Verbrechen der serbischen Milizen zu einer Fortsetzungsstory ausarbeitet, über die grausigen Verbrechen der albanischen Seite und ihres von Deutschland stets geförderten Führers Thaci, incl. der "Organ-Ausschlachtung" getöteter Serben, aber eine weitgehende Informationssperre verhängt, dann halte ich das schlicht für skandalös.
Bei der Darstellung des Jugoslawien-Krieges geht es dem hiesigen Mainstream natürlich vor allem um die Rechtfertigung des Nato-Luftkrieges gegen Serbien. Doch dieser Luftkrieg hatte, wie wir spätestens seit der Veröffentlichung der Protokolle von Ramboulliet wissen, mit Menschenrechten nichts und mit neo-imperialistischen Strategien sehr viel zu tun. - Aber o. k., um zu solchen Einschätzungen zu kommen, muss man hin und wieder kritische Bücher lesen und sich im Internet Quellen verfügbar machen, die nicht zum Mainstream gehören.

MR am :

Wiederholungsschleife letzter Teil: Mein erster Kommentar-Satz konzentriert sich auf die Verschiebung von Leichen auf Worte und ist unbeamtwortet geblieben. Das hysterische Starren auf die Veröffentlichungspraxis irgendwelcher Medien, seien sie auch lokal, hilft mir doch nicht dabei, das weiter gehende Morden, sprich die vorläufige Unzivilisierbarkeit des Menschen, zu verkraften. Mainstream, Nebenstream, kritischer Stream, was soll denn das? Läse ich 20 kritische Bücher/Artikel, ich wäre auch nicht schlauer, und, noch schlimmer, ich hätte keinen Millimeter persönliche Verkraftungsmöglichkeiten gewonnen. Lasst doch endlich die Medien ihr Spektakel weitermachen! So lange es jemand kauft... Die Probleme liegen jenseits dieses Spektakels.

Lüder Kriete am :

Ist da nun das "Christliche" verwirrt oder auch wieder mal nur die Gläubigen (oder "Glaubenden")?

MR am :

Das ist wahrhaftiglich schwer zu sagen. Die christliche Verwirrung obliegt ja per se dem Monotheismus, d.h. dem jeweiligen USP, sprich Alleinvertretungsanspruch. Die Juden haben das als auserwähltes Volk an und für sich ("mosaische Unterscheidung", Jan Assmann;)Protestanten haben das aufgegeben, Katholizismius und Muslimismus nicht.
Ich wollte die Aufmerksamkeit auf eine junge Gläubige richten, die ich als Thematisiererin des Verhältnisses von "Recht" und "Reingehen" wahrgenommen habe. Die Unterscheidung bzw. Umschärfe scheint seit George W. Bush immer unschärfer zu werden. Das stimmt mich noch unchristlicher als ich es eh schon bin.

Lueder Kriete am :

Ich bin mir zwar nicht sicher, ob ich gerade verstehe wer da was aufgegeben hat, aber in der Einschätzung der zunehmenden Unschärfe bin ich durchaus Deiner Meinung, Martin. Und das es auch hierzulande schon zum Guten Ton gehört diese Unschärfe (politisch) salonfähig zu machen ist mehr als bedenklich. Ob Du aber wahrhaft unchristlich bist, - - - auch dahinter setzte ich (m)ein Fragezeichen.

MR am :

Doch bin ich der bloggistischen Meinung, dass die Protestanten eher in der Diakonie angekommenn sind als im Gläubigsein. Während Sanktus Benediktus das wahre katholon wiederzubeatmen versucht. - Statt unchristlich schlüge ich dann "ungläubig" vor - wenn es nicht zu "un" wäre, dafür aber dem Islam_ismus_ identifizierbar. Bekanntlich mussten die Häretiker die Botschaft des Herrn immer schon besser verstehen als die Gläubigen selbst. Auch nachzuvollziehen bei Michel Serres, Die Legende der Engel)

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