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Mit dem Pubertist auf du und du…

Freitagmorgen, 7.15 Uhr und kein Stoff im Haus
Neulich bekomme ich von Dienstag auf Freitag eine recht spontane Einladung auf eine Geburtstagsfeier. Weil die Angehörigen der Bionade-Biedermeier-Fraktion eigentlich schon alles haben und nichts mehr wirklich brauchen, bietet die Mutti in mir an, den Gästen einen anständigen Rausch für die Sinne zu verpassen. Soweit ein guter Plan. Doch ich hatte nicht mit dem Pubertisten gerechnet, …
… der mir in einem heroischen Akt von Großzügigkeit am Donnerstagabend noch zwei Becher Schlagsahne beim Krämer unseres Vertrauens erstand, damit ich pünktlich am Freitagmorgen in aller Herrgottsfrühe noch vor der Arbeit in die Produktion eines anständigen deutschen Käsekuchens würde einsteigen können. Anderthalb Becher Magerquark und ein Ei für den manuell zu knetenden Teig hatte ich schon dem Nachbarn rausgeleiert, weil ich es - im wahrsten Sinne des Wortes - verschwitzt hatte, die nötigen frischen Zutaten termingerecht zu besorgen. Alles andere hatte ich am Start und ging nun beruhigt auf das donnerstagabendliche Fest, zu dem ich vor Beginn der geplanten freitagmorgendlichen Kuchenproduktion auch noch geladen war.
Als ich spät abends wieder nach Hause komme finde ich reichlich verdrecktes Küchenarbeitsgerät in der Spülhölle. Was mich zu einem kleinen Ausflug in die oberen Gemächer veranlasst. Ich klopfe an der Pubertistentür, es dringt mir ein schwaches "Ja" entgegen. Der Pubertist liegt mit der Herzdame in seinem Gemach. Ich: "Morgen früh gedenke ich Kuchen zu backen. Mach die Sachen sauber." "Ja, nachher", höre ich.

Als ich am Freitagmorgen - ich hatte mir extra einen Wecker gestellt, damit ich inklusive Backzeit nicht allzu spät des Morgens die Stechuhr des Imperiums würde betätigen müssen - runterkomme, sieht die Spülhölle exakt so aus, wie am Abend zuvor. Geahnt hatte ich es ja schon...
Also mache ich die wesentlichen, für meine Produktion nötigen Utensilien sauber und fange an, mir die Zutaten zusammenzusuchen und drapiere sie auf die Arbeitsplatte, damit ich einen Überblick bekomme. Die Tüte mit dem weißen Pulver, die ich neulich kaufte, als ich einen Pizzateig knetete und die sich 36 Stunden vor meiner Kuchenbackaktion noch ziemlich voll anfühlte, ist unauffindbar.
Statt ihrer finde ich einen Zettel auf der Arbeitsplatte. "Take a load @ the fridge. From me to you", entnehme ich der von meinem genetischen Vermächtnis in zartem Bleistift hingezirkelten Botschaft für seinen Erzeuger.
In der Kühlung finde ich, aufgetürmt auf einen Teller, eine Pfannkuchenbatterie, die in meiner Abwesenheit entstanden sein muss. Selbige beinhaltete, wie ich messerscharf schloss, exakt die restlichen 950 Gramm fein Gemahlenes aus der nahezu jungfräulichen Tüte, die ich kurz zuvor von meiner Pizzaproduktion übrig hatte und von der ich eine Dosis von exakt 150 Gramm verarbeiten wollte, um den Boden für meinen Geschenkkuchen zu machen.
Freitagmorgen, 7.15 Uhr und kein Stoff mehr im Haus!

Der Pubertist hatte mal wieder meine perfekten Tagesplanungen durchkreuzt: Während der Kuchen in der Röhre seiner Vollendung entgegen sehen sollte, wollte ich meinen Revueköper pflegen, das heimische Raubtier ausführen und die kleinen Dinge des Lebens erledigen, die halt so anfallen. Und dann zeitig auf Arbeit. Nicht Käsekuchen, Pustekuchen wurde an diesem morgen gereicht.
Und ein Zettel für den Pubertisen: "Danke für die Pfannkuchen. Könnte mich aber eher 'aufloaden': Geschirr dreckig, obwohl Ansage, dass ich backen will. Mehl alle, Pfannkuchen auf dem Balkon essen wollen: Asche auf dem Tisch. Das ist ekelhaft…"
Aber weil Vati so schön flexibel ist und es per Velo nur fünf Minuten zum nächsten Dealer, disponiere ich kurzerhand um. Ich brauche den Stoff.
7.45 Uhr, in einem Lebensmittelmarkt irgendwo in Kassel: Die Fachverkäuferin guckt mich ratlos an und fragt, was ich hier mache. "Einkaufen", sage ich. Sie, Mitarbeiterin in der Servicewüste Deutschland, zickig: "Das ist aber noch ein bisschen früh. Wir öffnen erst um acht." "Wer nicht will, der hat", denke ich und gehe. Das gibt's bei meinem Lieblingskrämer nicht. Da konnte ich auch schon immer um halb acht was einkaufen, auch wenn es offiziell erst um acht losging. Meine morgendliche Odyssee führt mich zu einem Großdealer, den ich offiziell selbstverständlich meide, dessen offizielle Öffnungszeiten aber schon um sieben beginnen. Ich hole mir gleich zwei Kilo Stoff und den restlichen Kram, den ich mir von den Nachbarn zusammengechnorrt hatte und schwitze schon wieder das erste mal, bevor ich den Backofen überhaupt ansatzweise angeheizt habe.

Mit einem Zeitverzug von 45 Minuten und einer kleinen Odyssee durch dem Mikrokosmos meines Quartiers kann ich in die Produktion einsteigen und es werden auf beim nachmittäglichen Geburtstagskaffee sogar von den anwesenden Damen der Schöpfung Höchstnoten für die Produktion erteilt. Sogar mein Rezept soll ich hergeben…
Drei Tage später, am Sonntag dann, fühlt sich auch der Pubertist bemüßigt, endlich seine Nachlassenschaften der Pfannkuchenproduktion in die Spülmaschine zu räumen.

Geduld und Gelassenheit scheinen keine unwesentlichen Zutaten, um die Brutaufzucht ohne allzu großes Nervenaufreiben zu überstehen…









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