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Alternativer Nobelpreisträger spricht in Wolfhagen zu „Agro-Gentechnik"

Percy Schmeiser, der für seinen Einsatz im Jahr 2007 zusammen mit seiner Frau Louise den Alternativen Nobelpreis verliehen bekam.
23.04.2010, Beginn: 20.00 Uhr, Einlass ab 19.00 Uhr, Stadthalle Wolfhagen, Eintritt frei.
Die Initiative Gentechnikfreie Region Wolfhagen, die Upländer Bauernmolkerei und die Stadt Wolfhagen laden alle Interessierten zu einer Informationsveranstaltung zum Thema „Agro-Gentechnik“ in die Wolfhager Stadthalle ein. Zu Gast ist Percy Schmeiser, ein kanadischer Farmer und Saatgutzüchter, der weltweit Aufmerksamkeit erregte in seiner Auseinandersetzung mit dem multinationalen Saatgut- und Biochemie-Konzern Monsanto.
Dokumentation der Presseinfos:
Im Jahr 2007 bekamen Percy und Louise Schmeiser den Alternativen Nobelpreis verliehen für ihren Einsatz für die Artenvielfalt, für die Rechte der Landwirte und gegen die derzeitige Auslegung der Patent-Gesetzgebung bezüglich der Umwelt und der Moral. Percy Schmeiser wird an diesem Abend über seine Erfahrungen berichten, anschließend stehen er und Vertreter der Initiative Gentechnikfreie Region Wolfhagen, der Upländer Bauernmolkerei und der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft noch für Fragen und zur Diskussion zur Verfügung. Den musikalischen Rahmen gestaltet das Wenigenhasunger Chörchen.

Hintergrundinfos zu Percy Schmeiser
Vita
Percy Schmeiser, geboren am 5.Januar 1931, lebt in Bruno, in der Provinz Saskatchewan in Kanada, und betreibt seit 60 Jahren Landwirtschaft auf der geerbten, 600 Hektar großen Farm. Er spezialisierte sich auf den Anbau und die Zucht von speziell an die regionalen Bedingungen angepassten Rapssorten. Seine Frau Louise (*1931), die er im Oktober 1952 heiratete unterstütze ihn dabei tatkräftig.
Schmeiser war von 1966 bis 1983 Bürgermeister seiner Stadt und auch Abgeordneter im Parlament der Provinz (1967-1971).
Für seinen Einsatz wurde Schmeiser im Oktober 2000 mit dem Mahatma Gandhi Award geehrt.
2007 bekam er zusammen mit seiner Frau den alternativen Nobelpreis verliehen.

Monsanto vs. Schmeiser
Der kanadische Landwirt und Saatgutzüchter Percy Schmeiser baute seit rund 40 Jahren konventionellen Raps an. Doch 1997/98 wurden mehr als 320 Hektar seiner Rapsfelder von dem genveränderten Raps Roundup Ready des US-amerikanischen Saatgut-Konzerns Monsanto kontaminiert.
Der Großkonzern nahm Stichproben von seinen Feldern, wies die patentierte Saat nach und bot einen außergerichtlichen Vergleich an, wie er es tausendfach mit Landwirten weltweit tat: Der Großkonzern würde auf Schadensersatzzahlungen verzichten, wenn der Landwirt in Zukunft seine Saat kaufen würde. Die Rechte über das Saatgut blieben per Knebelvertrag bei Monsanto: Das Saatgut dürfe nicht für zukünftige Zwecke aufbewahrt oder weitergegeben werden, sondern müsse jedes Jahr neu gekauft werden. Schmeiser, der nie Saatgut von Monsanto wissentlich genutzt hatte und stattdessen den unkontrollierbaren Pollenflug verantwortlich machte, lehnte ab und wurde wegen Patentverletzung auf eine Gesamtsumme von mehreren hunderttausend Dollar verklagt.

Das Urteil des Obersten Gerichtshofes
Anders als viele Farmer, die sich außergerichtlich dem Konzernriesen gebeugt hatten, kämpfte Schmeiser sich bis zum kanadischen Supreme Court. Doch dieser entschied 2004 gegen ihn. Alle Lebensformen, die die patentierten Gene von Monsanto enthielten, seien Eigentum des Konzerns und von diesem kontrolliert. Damit gingen die Pflanzen und die Arbeit jahrzehntelanger Saatgut-Zucht in den Besitz von Monsanto über. Die Lizenzgebühren an Monsanto wurden ihm erlassen -die Gerichtskosten von rund 250.000 Euro hatte er aber zu tragen.

Schmeiser vs. Monsanto
Nachdem die Rapsfelder der Schmeisers abermals mit Monsanto Gen-Raps verunreinigt wurden ging Schmeiser im Januar 2008 in die Offensive und verklagte den Konzern seinerseits für die Schäden, die ihm durch das genmanipulierte Saatgut entstanden sind und dies war erfolgreich: Der Konzern musste Schadensersatz zahlen.
"Wer eine Lebensform besitzt und kontrolliert", so Schmeiser, "ist auch für die Schäden verantwortlich, wenn er diese freisetzt. Wir wollten, dass Monsanto dafür die volle Haftung übernimmt"

Weltweiter Appell für eine Landwirtschaft ohne Gentechnik
Percy Schmeiser, inzwischen 78 Jahre alt, kämpft weiter und setzt sich nach wie vor unermüdlich für eine gentechnikfreie Landwirtschaft ein. Dazu nimmt er weltweit Einladungen wahr und hält Vorträge, um über die aggressiven Methoden Monsantos und die Gefahren der Gentechnik in der Landwirtschaft aufzuklären. Er ist zum Symbol für den Widerstand gegen den Saatgutmulti Monsanto und den Kampf gegen die Agro-Gentechnik geworden.

Unkalkulierbare Risiken für die Umwelt
Die anfänglichen Versprechungen von hocheffizienten Genpflanzen entwickeln sich indes für viele Landwirte zum Albtraum. Die Erträge und der Nährstoffgehalt sinken, während der Pestizideinsatz zwangsweise zunimmt, vor allem weil die Mittel immer giftiger werden.
Ein verlässlicher Schutz gegen Auskreuzungen und andere ökologische Risiken kann auch durch Monitoring-Verfahren o. ä. nicht gewährleistet werden. Die Koexistenz von Gentechnik und gentechnikfreier Landwirtschaft erweist sich als unmöglich. Konventionelle Landwirtschaft ohne Gentechnik und biologischer Anbau werden so verdrängt.

Text: Bernward Geier

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