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Mein Röntgenblick auf Bettenhausen - 21 – Oberbürgermeister

Wir Bettenhausener waren beim Oberbürgermeister, weil wir nicht abgestochen werden wollen....
Wir Bettenhausener waren am 21. Mai beim Oberbürgermeister und das kam so: Anmerkung - mein Nachbar sagte, Peter Dilling von der HNA darf auf keine Fall was schreiben, damit sich der Oberbürgermeister nicht unter Druck gesetzt fühlt - wenn da was in der HNA steht - aber dass ich nichts schreiben darf hat er nicht gesagt.
Ich finde, der Nachbar hat Recht, man darf Hilgen nicht unter Druck setzten, schließlich war er sehr wohlwollend und die Schwester vom Bruder des Oberbürgermeisters ist mit der Cousine von der Schwester vom Bruder des Nachbarn und davon die Tante auf die selbe Grundschule gegangen, oder es war die Freundin von der Tante und davon der Onkel- ich habe das nicht verstanden, macht aber nichts.

Der Nachbar hat Recht, der Nachbar ist ein besonnener Mann und darum lassen wir ihn immer reden, wir Frauen sind immer gleich sehr emotional – Ich bin wirklich immer sehr emotional, deshalb habe ich den Nachbarn auch ständig unterbrochen, um dem Oberbürgermeister auch die drastischen Dinge zu erklären, dass klappte hervorragen, aber ich war total emotional.

Also, das kam so: Über den Dorfplatz lief eine Gruppe Kindergartenkinder mit zwei Erzieherinnen. Die Penner auf dem Dorfplatz haben im Sommer immer zehn bis zwölf Hunde freilaufen, also ein ganzes Rudel, das glaubt der Dorfplatz wäre ihr Revier. Es kam folgerichtig, was kommen musste: die Hunde sind als räudiges, stinkendes und kläffendes Rudel auf die Kinder zugestürmt und haben sie zähnefletschend eingekreist um sie zu vertreiben. Die Kinder sind vor lauter Angst zu Salzsäulen erstarrt, sagt der Nachbar. Die Erzieherinnen haben sich fast in die Hose gemacht sagt der Nachbar. Der Nachbar hat das Fenster aufgerissen und geschrieen, dass er jeden einzelnen Penner persönlich anzeigt. Daraufhin haben die Penner versucht ihre Hunde einzusammeln, die aber hören nicht. Die Kinder konnten trotzdem gehen, Passiert ist nichts weiter.
Die Penner sind sofort geflohen, eine Anzeige gab es deshalb nicht. Am nächsten Tag haben die Penner den ganzen Tag nur geflüstert und ihre Hunde festgehalten, weil sie plötzlich Respekt vor dem Nachbar hatten. Den Tag darauf war alles wie immer.

Der Nachbar von unten ist ein ganz Ruhiger, mit mittlerweile zwei kleinen Kinder und machte sich die Mühe zu den feiernden Alkoholikern auf den Dorfplatz zu gehen und diese mit seiner sanften Stimme ganz lieb um Ruhe zu bitte. Daraufhin sind die Penner mit einem Baseballschläger auf den Nachbarn drauf und der ist ins Haus gerannt um sich eine Eisenstange zu suchen, soft hin, soft her, weil er glauben musste die Penner machen ihn platt.

Der Oberbürgermeister hat sich das alles angehört und seine nette Sekretärin mit den Ponyfransen im Gesicht hat mitgeschrieben.
Ich habe erzählt, dass ich auch plattgemacht werden soll und die Frau vom Nachbarn oben, weil sich die Penner ihr „Gesicht gemerkt haben“, wie sie sagen.
Da müssen wir einen Platzverweis aussprechen, hat der Oberbürgermeister gesagt. Das ist jetzt schon jeden Tag so, habe ich ihn korrigiert, die Bullen dürfen nur für jeweils einen Tag einen Platzverweis aussprechen, das machen die manchmal wenn sie Lust dazu haben, manchmal auch nicht und erklären uns dann geduldig, wir wären schließlich noch nicht abgestochen worden und wenn nichts passiert könnten sie sowieso nichts machen.

Mein Nachbar von unten, seine Frau, das Baby, die Zweijährige, meine anderen Nachbarinnen, die Nachbarin von oben, der Nachbar und ich, wir wollen nicht abgestochen werden – auch deshalb waren wir beim Oberbürgermeister!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Wir sind ein freies Land für freie Menschen hat er gesagt, die Menschen dürfen draußen saufen, sie dürfen grölen und so weiter und so weiter und so weiter, alles legal, da kann man nichts machen.
Ob man den Platz, der ja Straße heißt, nicht zum Spielplatz umwidmen könne, damit das öffentliche Saufverbot und öffentliche Pissverbot herrscht habe ich Hilgen gefragt- Damit kenne er sich nicht aus, hat er geantwortet……
Abends hat ein sehr bürgerlicher, sehr sanfter und hochgebildeter Politiker einen Witz gemacht: man müsste mal mit schwarzen Kapuzen und Baseballschlägern….wir alle…zu zehnt…nur zur Drohung……..Wir haben alle gelacht. Wir Bettehäuser lachen über solche Witze. Wir Bettenhäuser haben gelernt solche Witze zu lieben.

Aber Hilgen habe ich ein Angebot gemacht: „Hilgen“, habe ich zu ihm gesagt, „Hilgen, kommen Sie und übernachten Sie in meinem Büro und bleiben sie einen Tag und setzten Sie sich an meinen Schreibtisch und sehen sich an, was ich jeden Tag sehe, hören sie, was ich höre und ich lege meine Hand dafür ins Feuer, Hilgen, Sie werden bedroht werden. Man wird zu ihnen sagen: wir stechen dich ab Hilgen – Wir stechen dich ab, Hilgen, wird man zu Ihnen sagen. Komme Sie, meine Einladung steht!“
Und darum habe ich diesen Artikel geschrieben. Nur darum: MEINE EINLADUNG STEHT IMMER NOCH – HILGEN KOMMEN SIE HIERHER – mein Schreibtisch ist Ihr Schreibtisch und ich koche Ihnen den ganzen Tag Espresso, kommen sie an einem sonnigen, trockenen Tag, bringen Sie ihre Frau mit und sagen Sie Ihr, sie soll sich in meinen Garten setzte und einen kleinen Spazierganz auf den Dorfplatz machen. LOS! Und dann reden wir weiter.

Mein diplomatischer Nachbar wird mich jetzt nicht mehr mögen, weil ich das geschrieben habe – Ich denke er hat Recht. Die HNA braucht das noch nicht zu wissen, damit Hilgen nicht unter Druck gesetzt wird – ich denke der Nachbar hat Recht, deshalb habe ich Peter Dilling von der HNA auch die Telefonnummer von meinem Nachbarn gegeben, obwohl Dilling mit mir reden wollte – Ich sage aber NICHTS! ICH SAGE NICHTS!!!!!!!!!!!!!!!! Und außerdem haben die Penner Recht: Ich bin ein Arschloch!

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Kommentare

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Sascha Kolberg am :

Vollkommen richtig, sich wenigstens darüer zu äußern, wie Herr Hilgen schon sagte, wir 'dürfen' schreien!

Aber ändern wird sich daran nix, weil was passiert, wenn sich Hr. Hilgen aufregt, sehen WIR, die Skater auch... Es gibt IMMER noch keinen neuen Hall-of-Fame-Skatepark, aber jede Menge schöner Dinge, die Geld kosten, sind schon geschehen und passieren dauernd, weil Hr. Hilgen sich für einsetzt!
Möchte man ihm doch hier hinterher sagen, das er sich nicht einsetzt, warum auch? ER hat keinen Schreibtisch, wo man ihn anpöbelt, und ER hat auch sicher keine Kinder, die Rampen zum Skaten oder BMXen brauchen! Und selbst hab ICH ihn nie auf nem BMX gesehen (hab aber nen Foto, wo Ex-Lewi auf meinem BMX saß, wenn auch nur als Foto-Gag...)!!! Also nochmal: Warum sicheren Dorfplatz, oder WARUM nen Skatepark? Das ist was für andere Städte, für die, die sich auch um ihr 'Volk' kümmern, nicht um 'Presse-Fame'... Also weiterhin immer schön ruhig bleiben, dann ist und bleibt alles ok! Der Rest ist Nebensache

Sabine Scheffer am :

Hallo Sascha Kolberg,

da gibt es nur eine Lösung: alle Penner täglich vor dem Rathaus abladen, damit sie da saufen, grölen und die Leute abtechen UND Skaten vor dem Rathaus!!! Egal wie: 100 Leute zusammenkriegen und gemeinsam täglich skaten bis der Arzt kommt.....
Mir hat neulich ein Bulle erklärt ich bräuchte wohl einen Psychiater (da muss ich noch eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen Herrn Koch schreiben (...)
ALSO: vor dem Rathaus skaten bis der Arzt kommt und in aller Ruhe abwarten bis Hilgen einen PSYCHIATER braucht....
TRAUT EUCH WAS !!!!

joe am :

Toller witziger Artikel über die gar nicht so witzige Realität und die Ohnmacht der Stadt.

Martin Reuter am :

ja, wieder schön & emotional! Ich bleibe aber dabei, dass eine Touristenführung vielleicht doch helfen könnte? So im Sinne einer Besichtigung der freien Bürger? (Ich meine frei auf der Straße; die anderen habens ja häufig aufgegeben...)

Sabine Scheffer am :

Hi, Hi, Hi, Martin Reuter - ich muss bald mal eine Geschichte über unsere Schilder schreiben: heute hat der softe Nachbar wieder eines in den Garten gehängt, in etwa wortwörtlich: Junkies, fixt woanders!!! Sonst Polizei (das schreibt unser Softie immer - aber diesmal steht da noch ODER GEBROCHENE ARME (Toll, Toll, Toll) Während der documenta waren Leute hier und haben unsere Schilder fotografiert - soviel zur Touristenführung...

Martin Reuter am :

Das hätte dann doch rechtzeitig ins doc-Programm gehört, so etwa Richtung Schlachthof (im doppelten Wortsinn)? Aber in Änst, ich finde die Idee ganz realistisch: Man geht zu den sog. "sozialen Brennpunkten" und sozialisiert sie. Wechselseitige Wutsteigerungen sind es doch wohl nicht?

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