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Neulich beim Krämer...

... Mit dem Sprinter zum Nagelstudio
Nein, diesmal ausnahmsweise nicht in den octogonalen Hallen meines kleinen sympathischen Rundumversorgers im ehemaligen militärischen Sperrgebiet, sondern ma ganz anners: nämlich beim Möbelkauf.
Das genetische Vermächnis verspürte einen gewissen drang, sein Zimmer in der Buena Vista Social Wohnung aufzuhübschen. Wo man ansonsten als Elternteil...
... nur noch so was mega uncool rüberkommt, wird bei solchen Gelegenheiten dann doch immer wieder gern auf elterlichen Beistand zurückgegriffen. Und sei es nur als Chauffeur übermäßig dimensionierte Transportgelegenheiten in die schrecklichen blaugelben und andere Gewerbebauten vor den Toren der Stadt und um den ganzen Sondermüll zu finanzieren, den man dann nach Hause karren darf.
Aber egal. Schließlich hat man mit seiner Brut lebenslänglich gebucht und kann sich nicht einfach entziehen.

Wir also um die (Möbel-)Häuser gezogen und geschaut, was es denn so sein könnte. Nicht nur in Waldau, auch in Niederzwehren wird man fündig. Natürlich sind die Sachen nicht direkt im Möbelhaus vorrätig, sondern im Lager abzuholen. In einer anderen ehemaligen militärischen Sperrzone der Stadt. Großzügig bietet uns der Verkäufer an: "Sie können von uns einen Sprinter bekommen. Sie zahlen nur den Sprit und fahren selber Ihre Möbel nach Hause." "Kein Schmutz, der Plan" denke ich, nachdem der Möbelfachmann mich über die Kosten von fünfunddreißig Euronen für die Hauslieferung aufklärte und ich zu geizig war, die auch noch auf fulminanten Möbeldeckel draufzupacken.

Der Sohnemann bucht ordnungsgemäß für Donnerstag, 15 Uhr, die Transportgelegenheit. Der Meister legt zeitig die Arbeit nieder, holt den Jungen von der Schule ab und dann cruisen wir gemeinsam zum Aussenlager. Alles läuft nach Plan. Als wir dort unsere anständigen deutschen Möbel auslösen wollen, kommt es, wie es kommen muss: Die Alte am Schalter zickt rum, weil ich keinen Führerschein dabei habe. "Dann können wir Ihnen das Auto nicht geben", heißt es lapidar. "Ich habe nie einen Führerschein dabei und wenn Sie hier schon auf Autovermietung machen, könnten Sie einem das wenigstens vorab telefonisch mitteilen, welche Unterlagen sie meinen zu brauchen", gifte ich rum und kriege einen tierischen Hals bei dieser beschissenen, mit astreinem osteuropäischen Akzent vorgetragenen Beamtenmentalität - nicht unbedingt förderlich für das Erreichen eine flexiblen, einvernehmlichen Lösung, wo sich die Alte noch toll fühlen kann und uns von sich aus großzügig einen Ausweg aus der vertrackten Situation anbietet. Trotz Lektüre des gleichnamigen Buches mal wieder exakt nullkommanull "Emotionale Intelligenz".

Türenschlagend verlasse ich das Aussenlager und fahre wieder nach Hause. Um den beschissenen Führerschein zu holen. Dauert natürlich ewig, weil Rushhour. Falls man von so was in der Fuldastadt sprechen kann. Nullkommafünfundsiebzig Stunden später bin ich von der einen Ex-Kaserne in die andere Ex-Kaserne und wieder zurück gefahren. Und habe nun einen Führerschein dabei. Und bekomme den Sprinter.
Für die zweikommafünf Kilometer Luftlinie soll ich die Karre dann auch noch wieder volltanken. Egal, ich will es nur noch hinter mich bringen.
Die Brocken also ins Auto geladen und los. Zuhause circa vier Mal hoch un runner, bis das Zeug in der Bude steht. Was ein Akt.
Den Sohnemann in dem ganzen Chaos zurücklassend, muss ich die Karre noch zurückbringen. Auf dem Weg an der Tanke vorbei, ich muss ja eine Tankquittung nachweisen. Brauche mindestens, wenn nicht noch länger, bis ich den Tankdeckel finde, der von cleveren Designern so integriert wurde, dass Technikunkundige eher dem Geruch nach suchen müssen.
Auch diese Hürde kann bewältigt werden und ich trete den Rest der Reise an.
Die Investition eines Fünfunddreißigers, um sich diesen ganzen Stress zu ersparen hätte sich absolut gelohnt.
Aber der Neuinterpretation eines anständigen, deutschen Begriffes wäre ich beim Nachdenken über die ganze Aktion verlustig gegangen.
Mein heimischer Testosteronbomber mit Migrationshintergrund hat nun unter anderem also ein anständiges einsvierzig breites Bett bekommen, wofür er das ganze vorige Wochenende seine Bude mehr als akkurat renoviert hat.
Was mir auf der Rückfahrt dazu in den Sinn kommt, entschädigt wenigstens ein bisschen für den ganzen Hassel: Ein tieferes Verständnis für "Nagelstudio".





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Kommentare

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Martin Reuter am :

Lange Rede kurzer Sinn: Einsvierzig sind zu wenig für fürderes Brutverhalten.

klaus am :

Das schaffen andere in der Besenkammer, wie wir aus der Regenbogenpresse wissen...

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