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Neulich beim Krämer...

... Die Statik der Milchtüte
Heute musste ich mal wieder Überlebensmittel jagen, weil der Milchkonsum meines genetischen Vermächtnisses aus welchen unerfindlichen Gründen auch immer ein nicht so ganz niedriger ist, wie ich immer wieder mal feststellen darf, wenn für den Meister der ökologisch korrekt erzeugte Kaffee-Weißer fehlt. Da renne ich dann mit meinem frisch gebrühten Post-Kolonial-Getränk zum Kühlschrank,...
... um mir, zur "Krönung der schönen Stunde", die Milch einzuschütten. Und dann? Stehe ich blöd da und fühle mich wie in besten WG-Zeiten, als sich der Kühlschrank für den einen oder die andere, die nie ihren Arsch hochkriegten, um das Überleben des Kollektivs sicherzustellen, scheinbar immer wieder wie von magischer Hand füllte.
Wie ich das hasse! Aber egal. Ich wollte ja Milch kaufen gehen.
Ich also rein zu meinem kleinen, sympathischen, anständigen deutschen Rundumversorger, drei Tüten veredelte Kuhprodukte aus dem Upland in die Einkaufstüte gepackt und - ohne über Los zu gehen (aber doch schön bezahlt, nicht dass Sie denken ich hätte die Milch auch noch geklaut) - wieder raus. Mann hat es ja eilig.

Zuhause angekommen packe ich die Tüten auf die Küchenarbeitsplatte, um sie anschließend fachgerecht in den FCKW-freien, seinerzeit noch in Ostdeutschland produzierten Clean Cooler zu packen. Und was sehe ich da?
Wer jetzt glaubt, die Überschrift wäre reine Verarsche, dem sei an dieser Stelle gesagt, dass er überhaupt keine Ahnung vom Überleben hat. Die beschissene Milchtüte ist unten an einer der Ecken ganz leicht, kaum wahrnehmbar ziehharmonikamäßig eingeknickt und offenbar ebenso leicht perforiert. Langsam aber sicher suppt die weiße Brühe auf meine Eins-a-Arbeitsplatte und ich stelle mir die dritte der Buergel-Frage: Was tun?

Ich bewältige diese zivilisatorische Herausforderung, indem ich ein Stück Zellstoff beischaffe, von dem ich ausnahmsweise mal nicht weiß, ob selbigem mehrere Quadratmeter Urwald zum Opfer fielen oder nicht, und wickele den unteren Teil meiner statisch unzureichend ausgebildeten Milchtüte damit zu und fixiere das widerspenstige, klebeunwillige Zellstoff-Konglomerat mit Paketband am oberen, noch freien Teil der Milchtüte. Auf dass ich das so verarztete TetraPak endlich ordnungsgemäß einlagern kann, auch wenn es ob seiner Umschlingung kaum noch in die dafür vorgesehene Kühlschranktür passt.

Jetzt ist natürlich mein Forschergeist erwacht und ich suche das Drama wissenschaftlich zu ergründen. Ich rekonstruiere den kompletten Kaufvorgang und habe gerade die Milchtheke vor meinem inneren Auge. Und wo stand die Dreckstüte, die ich gekauft habe? Richtig, ganz unten. Also quasi direkt bei Herrn Wallraff. Nur nicht so investigativ. Und auf "ganz unten" passen auf die zu etwa zwölf TetraPaks zu einem plasteverpackten Gebinde für Transport und Lagerung zusammengefassten Einheiten so ziemlich exakt noch zwei weitere obendrauf, wenn die entsprechende Einlagerfachkraft, also die Billiglöhner, die wie die Hauselfen bei Harry Potter immer ganz früh morgens beim Einräumen zu sehen sind, einigermaßen Augenmaß besitzt.
Und genau das scheint bei meinem Überlebensmittel-Vollversorger der Fall zu sein.
Was war passiert? Na klar, die zwei Pakete obendrauf wirken also mit ihrer Eigenlast beschleunigt um die 9,81 Meter pro Sekunde Quadrat (Gravitation und so...) mit sagen wir zwei mal zwölf Paketen à 1 Kilogramm also mindestens 24 kg oder korrekter gesprochen knapp 240 Newton auf meine kleine süße Milchtüte. Und die kann dem Druck des Systems eine gewisse Zeit standhalten, aber dann knickt sie ein. Erstmal nur ein ganz' bisschen. Und dann? Dieser Vorgang kommt einem ja irgendwie auch aus der Politik nicht gänzlich unbekannt vor...
Entlastung bekommt meine Tüte ausschließlich dadurch, dass mir die anderen Jäger, die früher auf der Pirsch sind wie ich, nach und nach die beiden oberen, statisch deutlich weniger belasteten Gebinde wegkaufen und für den im Schutz der Dämmerung agierenden Beutesucher nur noch "ganz unten" über bleibt.

Ich kehre zurück an den Ort des Geschehens, um meine Fallstudien fortzuführen. Was sehe ich da? In der Plasteverpackung, die immer in der Theke liegen bleibt bis die Hauselfen sie wieder fachgerecht entsorgen, schwimmen Spuren von milchigem Etwas herum. Das muss mein restlicher Kaffee-Weißer sein und ergo die Verpackung meiner Tüte. Ich bin großzügig und überlasse den Hauselfen den Job.

Und die Moral von der Geschicht: Sei schlau, bleib im Überbau!
















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Kommentare

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Hans am :

Ja, der alltägliche Überlebenskampf ist ein harter! Vor allem, wenn überall Öko draufstehen muss!

Stefan am :

Da lob ich mir doch meine Milchflasche.

Anne am :

Weiß jemand, dass der Krämer Haarspray an der Kasse verschenkt? So geschehen gestern gegen 18 Uhr. Wo sonst die braunen Bananen gegen Feierabend warten - im silberfarbenen Band-End-Bereich - stand eine grüne Kiste mit schwarzen Spraydosen. ???

Klaus am :

Und, haste zugegriffen? Habe auch schon früh des Morgens das Modell "braune Banane" auf dem Silbertablett stehen sehen. Ist aber nur was für Überlebensmitteljäger, die früh auf Beutezug sind. So wie Vati beim Brötchenholen...

Anne am :

Sieh an, und ich dachte, Braune-Bananen-Jagd ist immer nur ab 18 Uhr. So kann man sich täuschen.
Ja, ökologisch unsinnig (oder egal), familientechnisch oder vielmehr jugendbeglückungsmäßig aber war das ein BURNER - und nun weiß ich auch, wie das Zeug riecht, nach der doppelten Portion durch, - wie sagt der Meister immer? - das genetische Vermächtnis im Pubertariat?!

klaus am :

Pubertariat finde ich allerliebst. Sehr schöne Kreation.

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