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„Zug der Erinnerung“ mit der Ausstellung im Kulturbahnhof

Der „Zug der Erinnerung“ mit der Ausstellung zu den deportierten Kindern kommt am 17.12.07 und 18.12.07 in den Kulturbahnhof Kassel. Montag, 17. Dezember, 10.00 Uhr.
Um 19.00 Uhr gibt es im Kasseler Architekturzentrum im Hauptbahnhof eine Begleitveranstaltung mit Monica Kingreen vom Fritz-Bauer-Institut Frankfurt über die gewaltsamen Verschleppungen der Juden aus Kassel 1941/1942.
Organisiert wird die Ausstellung vom Verein Zug der Erinnerung, ein Projekt deutscher Bürgerinitiativen, Kontakt: Hans-Rüdiger Minow, Tel. 02297-1649 Fax: 02297-7248, info@zugde.eu.
Das Organisations-Team in Kassel ist die Gruppe „8.Mai“ und der Verein Politische Bildung, Kontakt: politischebildung@gmx.de.

„Zug der Erinnerung“ kommt 17.12. – 18.12. 07 nach Kassel

Zum Gedenken an die deportierten Kinder und Jugendlichen der NS-Zeit wird Montag der 17.
Dezember um 10.00 Uhr der „Zug der Erinnerung“ auf dem Kasseler Hauptbahnhof einlaufen.
Der „Zug der Erinnerung“ besteht aus einer Dampflok und mehreren Ausstellungswagen, in denen Fotos und Briefe der Deportierten gezeigt werden. Ziel des Zuges ist die Gedenkstätte Auschwitz, wo die bundesweite Fahrt im Mai kommenden Jahres enden soll. Initiatoren sind Bürgerinitiativen aus ganz Deutschland, die damit einen Beitrag gegen Antisemitismus, Fremdenhass und nationalen Größenwahn leisten wollen. Die Kosten der 3000 Kilometer langen
Zugfahrt werden durch Spenden aufgebracht.
Obwohl der Zug seit kaum 4 Wochen unterwegs ist, zählen die Initiatoren bereits mehrere Zehntausend Besucher, insbesondere Schüler und Jugendliche.
Ausstellungsorte sind die Bahnhöfe der einstigen Deportationsstädte. Kassel war zentraler Umschlagplatz für Deportationen aus Nordhessen. Einer dieser Bahntransporte, in die über 1000 Menschen gepfercht wurden, verließ Kassel am 09. Dezember 1941. Ziel war das Ghetto Riga. Nach Riga kam auch Günter Siegfried Sternberg aus dem heutigen Landkreis Waldeck-Frankenberg in Nordhessen. Er kehrte nicht zurück. Dem ermordeten Jungen wird im „Zug der Erinnerung“ gedacht.
Zugankunft: Montag 17. Dezember, 10.00 Uhr. Die Ausstellungseröffnung findet mit einer Rede der Zeitzeugin Margot Kleinberger statt. Margot Kleinberger ging in Hannover zur Schule und wurde als 11-Jährige 1941 mit ihrer Familie nach Theresienstadt deportiert. In Theresienstadt war sie Opfer medizinischer Experimente. Nur drei von ihren jüdischen Klassenkameraden überlebten die NS-Zeit. Die Ausstellung hat bis 19.00 Uhr geöffnet. Am Dienstag, 18. Dezember, kann die Ausstellung von 09.00 bis 19.00 Uhr besichtigt werden.
Wie in anderen Städten besteht in Kassel die Möglichkeit mit Schulklassen und anderen Gruppen an einem Rundgang durch die Ausstellung teilzunehmen. Ebenfalls steht Frau Kleinberger zu einem ZeitzeugInnengespräch Montag tagsüber zur Verfügung.
Gruppen und Schulklassen, die sich dazu anmelden wollen, bitte Email an:
politischebildung@gmx.de.
Begleitveranstaltung zur Ausstellung:
Montag 17.12.07, 19.00 Uhr KAZ im Hauptbahnhof
Die gewaltsamen Verschleppungen der Juden aus Kassel 1941/1942
Vortrag von Monica Kingreen
In drei Massendeportationen verschleppte die Gestapo Kassel in nur neun Monaten 1941/42 aus fast einhundert Dörfern und Städten des Regierungsbezirkes Kassel insgesamt 2.380 jüdische Menschen in Ghettos und Vernichtungslager. Zentraler Deportationsort war Kassel, wo die Gestapo Kassel zu allen drei Massendeportationen in der Nähe des Hauptbahnhofes ein Sammellager einrichtete.
Monica Kingreen hat intensiv über die Deportationen aus Hessen geforscht. Sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin des Fritz Bauer Instituts, Studien- und Dokumentationszentrum zur Geschichte und Wirkung des Holocaust, in Frankfurt am Main.

Hintergrund:
Im November beginnt die Reise eines ganz besonderen Zuges: Der „Zug der Erinnerung“ fährt mehrere Monate lang auf einer Strecke von 3000 Kilometern quer durch Deutschland und endet schließlich an der Gedenkstätte des NS-Vernichtungslagers Auschwitz. Der Zug steuert Orte an, an denen Kinder und Jugendliche lebten, die im nationalsozialistischen Deutschland verschleppt und ermordet wurden – vor allem Kinder jüdischer Eltern, aber auch von Sinti und Roma oder von Nazi-Gegnern. Eine mobile Ausstellung, die das Deportationsschicksal in mehreren Waggons darstellt, will insbesondere Jugendliche zur Spurensuche nach örtlichen Lebenszeugnissen der mehreren zehntausend deportierten Kinder anregen.
Auf seiner Fahrt kommt der „Zug der Erinnerung“ auch nach Nordhessen: Am 17. und 18. Dezember macht er in Kassel Station. Juden aus dem (damaligen) Regierungsbezirk Kassel (Kassel und Umland) wurden vom Kasseler Hauptbahnhof deportiert. Es gab drei große Deportationszüge, die jeweils ca. 1000 Juden umfassten. Der erste mit 463 Juden aus Kassel ging am 9. Dezember 1941 in das Ghetto Riga. Dort kamen viele durch Erschießungsaktionen und Unterernährung ums Leben. Die meisten der Übrigen wurden in den Vernichtungslagern umgebracht. Der zweite Transport mit 99 Juden aus Kassel folgte am 1. Juli 1942 nach Majdanek. Diesen Transport überlebte keiner. Der letzte Deportationszug mit 322 Juden aus Kassel ging nach Theresienstadt. Auch von dort aus wurden die meisten dann in Vernichtungslager gebracht. Unter den deportierten Juden aus Kassel befanden sich 108 Kinder. Gerson Heinemann, das jüngste Opfer der antisemitischen Verfolgung, war noch nicht einmal drei Jahre alt.
Im Jahr 1940 wurden die in einem bewachten Lager an der Wartekuppe internierten Sinti und Roma zunächst wahrscheinlich nach Buchenwald abtransportiert und von dort in die Vernichtungslager gebracht.
Aus dem bei Kassel gelegenen Sammellager Breitenau (Guxhagen) wurden immer wieder kleinere Gruppen von Menschen in die Vernichtungslager transportiert. Vor allem waren dies Zwangsarbeiter. Unter ihnen auch zwei jugendliche sowjetische Zwangsarbeiter, aber auch einige politisch und aus Glaubensgründen Verfolgte.
Am Mord gerade an Kindern wird der erbarmungslose Vernichtungswillen des deutschen Nationalsozialismus deutlich. Der „Zug der Erinnerung“ versucht aber nicht nur, den ermordeten Kindern und Jugendlichen ein Gesicht und einen Namen zu geben, sondern es geht auch um das reibungslose bürokratische System, das die Deportationen erst möglich machte, hier um die Rolle der Reichsbahn. Es ist wichtig, an die Orten der Deportationen zu erinnern: Mitten in Kassel der Hauptbahnhof.
Die Notwendigkeit, sich der eigenen Geschichte und Verantwortung zu stellen, wird von der Deutschen Bahn allem Anschein nach jedoch nicht geteilt. Die Bahn möchte der Millionen Menschen, die durch ihr Vorgängerunternehmen meist in den sicheren Tod transportiert wurden, lieber nicht öffentlich gedenken. Für die Ausstellung „Elftausend Kinder“, die an das Deportationsschicksal der jüdischen Kinder und Jugendlichen erinnerte, wollte das Unternehmen seine Bahnhöfe deshalb nicht öffnen. Trotz heftiger Proteste ist die Deutsche Bahn bis heute bei ihrer hartnäckigen Weigerung geblieben.
Es kann nicht angehen, dass deutsche Unternehmen es von ihrem Gutdünken abhängig machen, ob und wenn ja, wo und wie der Opfer des Nationalsozialismus gedacht wird. Deswegen fordern wir: Freie Information und offene Erinnerung an die verschleppten Menschen – dort, wo sie ihre letzte Fahrt antreten mussten: auf den Bahnhöfen der Deportationsstrecken.
Über das Schicksal der Opfer des Nationalsozialismus aus Kassel können Sie sich unter folgenden Adressen näher informieren: Gedenkstätte Breitenau www.gedenkstaette-breitenau.de ; Stadtmuseum Kassel www.stadtmuseum-kassel.de; Stadtarchiv Kassel www.kassel.de/cms01/verwaltung/aemter/stadtarchiv/ ; Informationsstelle Nationalsozialismus Uni Kassel www.uni-kassel.de/fb1/infonsnh/ .

Hintergrundinfos und Kontakt:
Pressekontakt:
02297-1649
(Herr Minow)
Kontakt zur Kasseler Koordinierung, Anmeldung zum Rundgang und zum ZeitzeugInnengespräch:
politischebildung@gmx.de
flyer_zug_erinnerung.PDF

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