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Mein Röntgenblick auf Bettenhausen - Teil 4 -

Wie es ausging mit der Flut.

Wie ist es ausgegangen mit der Flut in Bettenhausen, fragt Martin Reuter.
Ich erzähle, also meine Geschichte zu Ende – um 13 Uhr ging es nämlich weiter:
Der Nachbar von unten hat in seinen alten Klamotten einen Damm gebaut, aus Folie und Erde und ist dabei völlig durchnässt worden. Ich habe die Feuerwehr angerufen. Die sagten: was denken Sie, natürlich kommen wir zu ihnen, aber wir sind völlig überlastet und in Kaufungen stehen die Keller unter Wasser, da schicken wir unsere Leute hin. Sie kämen noch, aber später, sagte der Feuerwehrmann. Solange müssten wir uns selber helfen!
Ich bin raus gelaufen, aber ohne Regenmantel und stand mit den Leuten von oben, der Bademeisterin von unten und der Frau von nebenan am Ufer im Regen. Wir haben das Wasser beobachtet. Mehr haben wir nicht gemacht. Als ich völlig durchnässt war bin ich wieder rein und habe mich umgezogen. Die anderen mussten sich auch umziehen. Dann sind wir zusammen in die Senke gelaufen zum Kinderarzt und haben geguckt was da los ist. Der Kinderarzt stand mit seiner Frau im Regen und bewachte seinen Damm. Er hatte nämlich Sandsäcke bekommen, weil er in der Senke wohnt und der Fluss da immer überläuft. Sie rufen immer bei der Stadt an, der Kinderarzt und seine Frau und wollen endlich eine Mauer. Sie kriegen aber keine. Nie. Dafür kriegen sie Sandsäcke und zwar immer als erste. Er hatte junge Leute zu Besuch weil Wochenende war und die haben einen langen, hohen, schönen Damm gebaut. Mit Sandsäcken und Folie! Nur Sand, um seinen Damm zu befestigen, hat der Kinderarzt nicht bekommen. Sie müssen sich selber helfen hat die Feuerwehr gesagt. Von uns kriegen sie nur die Sandsäcke. Das hat er dann gemacht, der Kinderarzt. Er hat sich selber geholfen. Nebenan ist nämlich ein Spielplatz mit einer von diesen modernen, riesengroßen Sandkisten. Und da ist der Kinderarzt mit den jungen Leuten hin und hat sich Sand geholt. Viel Sand. Es ging nicht anders. Er hat nämlich einen Gewölbekeller, weit unter dem Niveau der Straße und der wäre sonst voll gelaufen und der Kinderarzt, seine Frau und die jungen Leute wären abgesoffen. Klar, oder? Jetzt stand er also da, beobachtete seinen Damm und wartete darauf, dass der Regen aufhört und er den Sand wieder zurückbringen kann. Auch klar, oder?

Wir haben auch einen Gewölbekeller. Das könnte bei uns so sein, wie beim Ägypter am Friedrichsplatz, sagt meine Nachbarin immer. Ist es aber nicht. Der Keller ist vorne offen und liegt weit unter dem Niveau der Straße. Er hat kein Fenster zur Losse hin, alles kaputt, da ist also ein riesiges Loch. Wenn der voll läuft sagte mein Nachbar von oben, wenn der volläuft sind wir geliefert. Das stimmt. Der Nachbar, der eigentlich gar nicht hier wohnt, war nämlich neulich da und hat ein Loch in die Wand gestemmt zwischen unserem Hauskeller und dem alten Gewölbe. Das wollte keiner und das hat auch keinen Sinn, aber der Nachbar, der eigentlich gar nicht hier wohnt, fand es schön. Jetzt haben wir da also noch ein Loch. Wenn jetzt das Gewölbe voll läuft, dann ist es aus mit unserem Haus, sagte der Nachbar von oben. Durch den Durchbruch läuft uns der Keller voll und dann sind die Balken hinüber und wenn die verfaulen, dann brechen wir ein.
Wir standen also alle an der Losse bis die Feuerwehr kam und die sagte dann: was wollen sie denn von uns, das sind ja noch beinahe zwei Meter bis zu ihrem Keller, sie kriegen keinen Sand. Da hätten wir alle fast geweint.

Es hat nachmittags aufgehört zu regnen, aber das wissen Sie ja selbst. Heute ist der Pegelstand fast zwei Meter niedriger als gestern. Endlich!

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