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Mein Röntgenblick auf Bettenhausen - Teil 2 -

Bettenhausen ist schräg, oder? Oder sind die Leute vielleicht einfach komisch?
In Bettenhausen geht man am besten zu Fuß, dann kommt man mit Leuten ins Gespräch mit denen man sonst niemals reden würde und sieht Dinge, die man vom Auto aus niemals entdecken könnte.
Nebenan steht ein Fachwerkhaus, das aussieht wie eine Ruine. Es ist eine Ruine. Ich stehe vor dem Hoftor und wundere mich, dass das Kopfsteinpflaster so grün überwuchert ist, als hätte jemand Rasen gesät. In den Gebäuden sind Löcher in den Wänden, im Dach und in den Fenstern. Auf so einem Hof wohnt niemand mehr, schade eigentlich, denke ich. Auf der Rückseite ist das Haus kaputt, Gefache sind raus gefallen und die Löcher hat jemand mit Steinen zugemauert. Das Dach hängt in der Mitte durch und hat viele verschiedenen Ziegeln die nicht zueinander passen und Lücken offenlassen. Die Haustür ist schön: weiß mit abgeblätterter Farbe und geschnitzt. Ich will die Tür fotografieren, als eine Frau aus der Ruine kommt und fragt, was ich denn wolle. Ich will die Tür fotografieren, das versteht sie nicht. Die Tür ist alt, die fotografiert man nicht. Dass ich das doch tue, das findet sie seltsam. Der Besitzer macht nichts an dem Haus, sagt sie, es regnet rein, die Fenster sind nicht dicht, die Tür ist kaputt, die Räume sind klamm und heizen kann man auch nicht immer. Zwei Millionen Euro würde es kosten dass Haus zu reparieren meint die Frau. Der Besitzer hat gar kein Geld. Die Frau ist froh, dass sie hier wohnen kann, nur die Miete ist zu hoch, findet sie. Die alte Frau ist sehr nett, sie trägt Schürze, sie trägt Rock, hat graue Haare, dicke Strümpfe, sie lädt mich ein in ihre Küche und ich bekomme Tee. In der Küche steht ein Ofen, hier kann man heizen. In den anderen Zimmern nicht. Sie heizt mit Kohle, aber da liegt auch Holz, mit dem Holz kann sie auch heizen, aber mit Kohle ist es einfacher. Die Wände im Flur sind kaputt, wenigstens sieht es so aus. Die Frau erzählt von den jungen Männern die sie besuchen und für sie einkaufen und intelligent sind und studiert haben und viele gute Ideen haben über das Leben und über seinen Sinn. Sie gibt den Männern Geld und die Männer bringen ihr Essen. Ich finde das gut, Nachbarschaftshilfe ist gut. Edel sind sie, die jungen Männer sagt die Alte. Es sind gute Menschen. Doch das müssen sie auch, edel sein. Schließlich gehören sie alle zu einer christlichen Sekte. Mitternachtschristen, da ist edel sein von Gott gewollt. Ich habe nicht ganz verstanden worum es der Sekte geht. Damit ich das verstehe gibt sie mir Bücher. Originalverschweißt. Ein dickes gelbes und fünf dünne. Ich soll die Frau wieder besuchen, ich will aber nicht. Die Bücher lege ich zuhause in meinen Kleiderschrank. Nach einem halben Jahr schmeiße ich sie ins Altpapier. Originalverschweißt.

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Kommentare

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wirsinds am :

Das ist schon mehr als eine tägliche Dosis und MKS in Textform und mehr davon scheint notwendig!

Martin Reuter am :

Was für ein Kommentargeprassel zur Folge 1!
1) Die erste Folge hat in der Tat mit Verkehr, Geruch und Mann/Frau zu tun und weniger mit Bettenhausen als Stadtteil. Ist aber trotzdem eine niedergeschriebene Beobachtung ("Sehen"). Dass jeder verschieden sieht, scheint mir klar zu sein, das sieht man zB auch an den Bildern von Frau von der Decken, die man gerne fraglos anschaut.
2) Deshalb ist mir unklar, warum Frau von der Decken so viele Fragen hat, die derart als Infragestellung daherkommen, dass Frau Scheffer meint, sie seien keine Fragen mehr.
3) Unklar ist mir bei Frau Scheffer, warum sie darauf meint eingehen zu müssen. Nörgeln ist ja in den Kommentaren, soviel ich weiß, auch erlaubt. Oder sollten hier gewisse Äußerungsgesetze durchbrochen worden sein?
4) Könnte man im Verhältnis zur Information, dass es in Bettenhausen Häuser gibt, in denen nur die Küche mittels Kohle/Holz geheizt wird, auch noch die Haustüre sehen?

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