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Wie sicher sind öffentliche Verkehrsmittel wirklich?

Straßenbahn der Stadtwerke Bonn fährt trotz bekannter Mängel am Überwachungssystem weiter durch die Stadt.
Straßenbahn der Stadtwerke Bonn (c) by Christian Reichelt (www.picsearch.de)
Die Bahn fuhr an. Ein junger Mann, unter 20, offensichtlich gehbehindert, stand an der Tür. Er hielt seine Gehhilfe fest, die in der geschlossenen Flügeltür einer Straßenbahn der Linie 63 klemmte. Niemand der Fahrgäste reagierte. Er war gemeinsam mit seinem Begleiter am Hauptbahnhof zugestiegen. Am Hindenburgplatz wollten beide die Bahn verlassen. Der Begleiter stieg aus. Die Tür schloss sich zu schnell. Die Bahn fuhr an... Der junge Mann stand verunsichert an der Tür. Er bat eine Passantin die Sprechanlage zu betätigen. Es passierte nichts, die Tür blieb verschlossen, vom Fahrer war nichts zu hören und die Gehhilfe ragte seitlich gut 20 cm aus dem fahrenden Fahrzeug. Erst eine Haltestelle später endete die Fahrt...

Sprechanlage und Videoüberwachung waren außer Funktion. Die Sensoren und die Lichtschranken an der Tür reagierten nicht.
Wie kann das sein? Die Stadtwerke Bonn werben auf ihrer Homepage mit allerneuster Technik und besonderer Sicherheit des Fahrgastes durch Videoüberwachung.
„Eine Bahn gilt erst dann als verkehrsunsicher, wenn der Motor kaputt ist“, so der Fahrer auf Anfrage. Er habe vom gesamten Vorfall nichts bemerkt. Seiner Meinung nach, sei bei einem ähnlichen Fall ein älterer Mann fast zu Tode gekommen., als er mit dem Fuß in der Tür hängen blieb, weil diese sich zu schnell schloss. Er wurde durch die gesamte Haltestelle gezerrt. Am Sicherheitszustand der Bahnen hat sich seitdem wohl nichts geändert.

Die Stadtwerke Bonn äußerten sich auf Anfrage und mit einiger Verzögerung bestürzt. Sie bedauerten den Vorfall zutiefst. Das Unternehmen habe das Ziel, Dienstleistungen auf höchstem Qualitätsniveau zu bieten, besonders auch für die in ihrer Mobilität eingeschränkten Menschen. Grade in den letzten Jahren seien die Bahnfahrer speziell dafür geschult worden. Die Türschließung werde durch eine Automatik geregelt. Wenn ein Gegenstand zwischen den Türflügeln klemme, müsse sich die Tür wieder öffnen. Videoüberwachung und Sprechanlage seien leider außer Betrieb gewesen. Die Bahntür sei aufgrund des Vorfalls überprüft worden und sei voll funktionsfähig und verkehrssicher gewesen.

Bleibt die Frage, warum sich die Tür trotz eingeklemmter Gehhilfe nicht öffnete? Handelte es sich hierbei um einen Einzelfall? Wie ist der Sicherheitszustand der anderen Bahnen in Bonn? Entspricht der Sicherheitszustand der Bahnen in ganz Deutschland wirklich den gesetzlichen Vorschriften bzw. reichen diese aus, um die Gefahr von Unfällen wirkungsvoll zu reduzieren?

Der junge Mann kam mit dem Schrecken davon, was ist aber mit den Menschen, die tagtäglich das selbe Problem haben: Ältere, Behinderte und Kranke?

Erstveröffentlichung: „Leben & Weg“ / Ausgabe 3 / Juni 2007

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