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Ich habe Malborough gesehen, er war so schön

Kurze begeisterte Kritik zu Malborough s'en va-t-en guerre
Mit „Also, Du liebst mich“ beginnt der Herzog von Malborough, und die Herzogin daraufhin knapp und unbewegt: „Ja.“ Der Herzog beweist ihr, dass sie nicht ihn, sondern seine Feldherrenherrlichkeit liebt und versucht sie nebenbei zu bewegen, Geld für eine noble Feldherrenuniform bei ihrem Vater zu erbetteln. Sie weigert sich strikt, er aber erpresst sie mit dem Pagen. Wie es nicht anders ein kann, ist der in die Herzogin verliebt, und der Herzog will ihn dafür rasch im Krieg gegen die Franzosen ins Jenseits befördern lassen, wenn sie nicht das Geld auftreibt. Die Herzogin wird weich, die Königin ebenfalls, der Herzog wird oberster Feldherr in fescher Uniform, der Krieg beginnt. Aber nicht der Page stirbt, sondern der Herzog. Auf der Flucht, mit einer Kugel im Rücken. Bis es dazu kommt und der Page der Witwe die Todesnachricht überbringt, werden köstliche Dialoge auf der Guckkastenbühne gehalten, im Chor und einzeln gesungen, begleitet vom Klavier, an dem Hellmuth Vivell sitzt. Manchmal aber schlägt er die Trommel, wenn drei Soldaten im Gleichschritt, aneinander geklebt, auf die Bühne marschieren. Köstlich auch der Dialog der zwei Deserteure, einer mit englischem, der andere mit französischem Akzent. Die zu glänzenden Schauspielern mutierten Studenten der Musik an der Universität Kassel spielen ganz vorzüglich eine Mischung zwischen nachgestelltem Puppentheater und lebendigstem Wort- und Minenspiel.

Ernst Krenek, der „Wiener Grantler und Brunnenvergifter“(Matthias Henke), der der schlampigen deutschen Übersetzung von „Malborough va-t-en guerrre“ ( Verfasser Marcel Achard) erst sprachlich den rechten Schliff und eine klug kommentierende musikalische Fassung gab, brachte das Stück zusammen mit dem Puppenspieler Magersuppe am 11. Mai 1927 in Kassel zur Uraufführung. Unter der Regie von Reinhard Karger ist eine kongeniale, sehr lustige und angenehm anzuschauende Wiederaufführung gelungen. Das Publikum klatschte fröhlich dazwischen, es wurde viel gelacht und schön gesungen, dass es ans Herz ging.

Heute Abend 20.00 gibt es noch einmal eine Vorstellung im Eulensaal der Murhard’schen Bibliothek. Dafür lohnt es sich auch, den Monatsetat von Hartz IV auf einen Schlag zu verpulvern. Gell, Martina.

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