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„Jetzt sprechen wir!“ - Geflüchtete und Nicht-Geflüchtete gehen im Freien Radio Kassel on air

Die erste Radiosendung von Geflüchteten und Nicht-Geflüchteten ist am Dienstag, den 4. Juli 2017, 18-19 Uhr live im Freien Radio Kassel zu hören (105,8 MHz, Kabel 97,8 MHz oder Webstream -> freies-radio.org). Einer der Beiträge thematisiert die kürzlich abgeschlossene Aktionswoche „20 Jahre Kein Mensch ist illegal“ in Kassel. Ein live ausgetragener „Zungenbrecher-Wettbewerb“ bringt die Zuhörer zum Lachen. Die Sendung wird als Podcast auf diekopiloten.de online verfügbar sein.
Das Radioprojekt „'We are here, we speak up!' - Geflüchtete und Studierende machen Radio“ macht die Livesendung möglich. Statt über Geflüchtete zu sprechen, spricht hier eine Gruppe von zwölf Geflüchteten und Nicht-Geflüchteten selbst. Der Kasseler Verein Die Kopiloten e.V. realisiert damit seit April 2017 ein Modellprojekt der Bundeszentrale für politische Bildung.
Das Besondere ist: das Projekt versteht sich nicht als Integrationsprojekt. „Integration ist der falsche Begriff,“ so Bianca Arnold, Bildungsreferentin im Projekt. „Das würde voraussetzen, dass es ein „Wir“ und „Die Anderen“ gibt.“ „Die Anderen“ erschienen dabei allzu oft von vornherein als problembehaftet, führt Arnold weiter aus. Sie merkt an, dass es nicht die eine Kultur gäbe, die Gruppen unterscheide, sondern diese immer ganz vielfältig zusammengesetzt seien. „Es gibt Verkäufer und Akademiker, Menschen, die Fußball mögen oder gerne kochen, Personen, die finanziell gut abgesichert oder weniger gut abgesichert sind – es gibt nicht den einen Faktor, der uns trennt“, so die Bildungsreferentin. Das Projekt rege dazu an, Bilder im Kopf zu hinterfragen. Damit werde ein rassismuskritischer Ansatz verfolgt.
Oliver Emde, stellvertretender Vorsitzender von Die Kopiloten e.V., ist sehr erfreut über die Umsetzung dieses Modellprojekts: „Wir erreichen mit dem Projekt, dass Geflüchtete selbst bestimmen, beispielsweise über Themen, die sie bearbeiten. Wir möchten Menschen mit Fluchterfahrung darin stärken, ihre eigenen Interessen und Anliegen wahrzunehmen und zu artikulieren.“
Sarah Gumz, Referentin für Medienkompetenz und Medienwirtschaft, begrüßt die Verbindung aus politischer Bildung und Medienbildung. Zur Kofinanzierung des Projekts durch die Landesanstalt erklärt sie: „Wer Medien selbst gestaltet, lernt, bewusst und kritisch mit Medien umzugehen. Hier setzt das Projekt an und zeigt, dass Bürgermedien zum Mitmachen anregen und Teilhabe ermöglichen. Das Vorhaben bietet eine konkrete Möglichkeit, Geflüchtete für medienpädagogische Angebote zu begeistern.“
Die neue Redaktion sendet als Sondersendung des Campusradio Kassel. Ab Anfang September arbeitet die Gruppe an einer zweiten Livesendung im Oktober. Als Projektabschluss präsentieren die Teilnehmenden ihre Audiobeiträge in einer Ausstellung, die in den ersten zwei Dezemberwochen zu besuchen ist. Das Projekt ist noch offen für neue Teilnehmende ab September, insbesondere auch Nicht-Geflüchtete. Wer Interesse hat, meldet sich unter arnold(-at-)diekopiloten.de oder 0176-43633634.

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