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Hundemann, Putzeimer, Schnaps...

Wolkenfreier Himmel, schneebedeckte Landschaften: Gegen 17 Uhr ist der Hundemann an der Hessenschanze verabredet, um in die nahende Dämmerung und den anschließenden Abend zu wandern. Dörnberg ist das auserkorene Ziel dieses "Himmelfahrtskommandos".
Zwei Herren und ein Hund wandern also los, erstmal immer schön bergauf. Als die Dämmerung hereinbricht und es langsam immer dunkler wird, kommt der dreiviertelvolle Mond, der über dem Wald steht, zu voller Geltung und leuchtet den Männern ihren Weg. Die freuen sich schon auf ihren ersten "Boxenstopp" im Gasthaus am Silbersee, um ein kühles Blondes zu goutieren.
Das Gasthaus ist zwar noch beleuchtet, die Türen sind jedoch schon zu. "Ab 18 Uhr geschlossen", seht auf einem Schild.
Die Herren beschließen, was bleibt ihnen anders übrig, "nicht über Los zu gehen" und ein Gasthaus an ihrem Zielort anzusteuern.
Nach guten zwei Stunden Wanderung auf vom Mond beschienenen Wegen kehren sie in eine Lokalität an der Dörnberger Hauptstraße ein.

Zwei junge Männer sitzen an der Theke, im Fernseher läuft Bundesliga. Die Männer mit dem Hund setzen sich an einen Tisch. Der Wirt, ein älterer Herr, der nicht mehr so ganz gut beweglich scheint, deutet auf einen Heizstrahler mit Gasflasche, in der Nähe des Tisches. "Komm, ich mach's euch ein bisschen warm", sagt er zu seiner nicht eben üppig temperierten Kneipe.
Die Männer bestellen zwei Bier und fragen, ob es auch etwas zu Essen gibt. "Meine Frau ist gestorben. Seitdem mache ich kein Essen mehr", sagt der Wirt. Der Hundemann fragt, ob es vielleicht etwas zu knabbern gibt.
Der Wirt überlegt kurz. "Ich könnte Ihnen ein bisschen Brot mit Ahler Wurscht machen." Mit einer solchen Knabberei hatte nach dieser Aussage keiner gerechnet. "Wunderbar", sagt der Hundemann. "Wir nehmen dann auch noch zwei Bier."
Der aufmerksame Wirt bringt dann auch für den Hund einen Napf mit Wasser. "Dankeschön", sagt der Hundemann und nimmt dem Wirt den Napf ab, weil er gesehen hat, das der sich nicht mehr so gut bücken kann, und stellt den Napf dem Hund hin.

"Mit zwei künstlichen Hüften, komme ich nicht mehr so gut runter", sagt der Wirt. "Ist schon okay so", sagt der Hundemann. "Ich bin ja noch ein bisschen jünger." Der Wirt berichtet, er sei 75 und gerade dabei das Haus zu verkaufen.
Er geht in die Küche und kümmert sich um das Abendbrot des Hundemannes. Als er das an den Tisch bringt, guckt ihn der Hund erwartungsvoll an. "Ich hab' hinten noch ein Stückchen Blutwurst. Darf ich dem Kleinen was davon geben?" fragt der Wirt. "Ja, klar", sagt der Hundemann. Der Wirt kommt mit der Blutwurst und ein paar Hundeleckerlies, setzt sich zu den Männern an den Tisch und füttert den Hund.
Als der Hundemann seine von der Wanderung etwas müden Beine ausstreckt, kippt er aus Versehen den Wassernapf um. Das Nass verteilt sich auf dem Boden des kleinen Podests auf dem die Männer sitzen.
"Macht nichts, sagt der Wirt", als der Hundemann nach einem Lappen fragt.
Nach einer kleinen Weile bringt er einen Lappen, noch einen Moment später einen Eimer.
Der Hundemann wischt das Wasser auf, wringt den Lappen im Eimer aus, stellt den Eimer nach getaner Arbeit zur Seite uns vertieft sich wieder ins Gespräch.

Die Zeit rückt vor und die Männer wollen aufbrechen, damit der Hundemann noch seinen Bus nach Kassel kriegt. Er bezahlt bei der mittlerweile eingetroffenen Bedienung auf Zuruf vom Wirt, der gerade in der Küche weilt, den gemeinsamen Deckel.
Die Männer sind dabei sich zu verabschieden, als der Wirt mit einer Flasche Hochprozentigem aus der Küche kommt. Er bedeutet den Männern, sie mögen nochmals an die Theke kommen. Aus dem Schrank stellt er drei Schnapsgläser auf den Tresen und schüttet einen Kümmelschnaps ein. "Es soll ja keiner sagen, dass ich die Leute umsonst arbeiten lasse", sagt er mit einem Augenzwinkern zu den beiden Männern und meint damit die Putzaktion.
Kurz hört man beim Zuprosten die Schnapsgläser klirren. Zeitgleich stürzen die Drei ihren Schnaps runter. Die Männer bedanken sich herzlich, wünschen dem Wirt alles Gute und ziehen von dannen.






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