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Einkaufen für das (letzte) Abendmahl

Liebe Christen in Hessen! Ich respektiere „euer“ Ostern als höchste christliche Feiertage und obwohl sich an diesem Wochenende traditionell viele Exilanten in ihre Heimat begeben um Freunde und Verwandte zu besuchen, kann ich mich auch mit dem komplizierten Tanzverbot an Ostern arrangieren. Aber wessen religiöse Gefühle verletze ich am Gründonnerstag – für Werktätige ein ganz normaler Arbeitstag (mit Gleitzeit oder Spätschicht) – wenn ich noch nach 20 Uhr für mein „Abendmahl“ einkaufen möchte?

Der Legende (Bibel) nach soll Jesus am Gründonnerstag sein letztes Abendmahl zu sich genommen haben, bevor ihn die Römer am Karfreitag ans Kreuz genagelt haben. Deshalb gibt es bei euch das Trauerfasten von Aschermittwoch bis Gründonnerstag, anschließend das so genannte „Osterfasten“ (je nach Ausprägung und Religionszugehörigkeit). Wenn ich also am ganz normalen Arbeitstag Gründonnerstag zu lange arbeite (labora), bleibt mir am Karfreitag nichts Anderes übrig als Fasten – auch über „die neunte Stunde“ (15 Uhr) hinaus – und „beten“ (ora), dass der Hunger nicht zu groß wird. Wie wäre es mit einem Kompromiss, liebe Christen, liebe Werktätige in Hessen: Damit wir alle Gründonnerstag Abend unser Abendmahl zu uns nehmen können (Jesus saß möglicherweise ab 20 Uhr zu Tisch), wird der Tag ein halber Arbeitstag wie Heiligabend oder Silvester. Dann fasten wir auch bis Karfreitag 15 Uhr.

Und nächstes Jahr diskutieren wir mal darüber, warum am Samstag nach Karfreitag grenzenlos geshoppt und gesoffen, aber nicht getanzt werden darf, OK?

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Kommentare

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Helmut am :

Religionen brauchen Regeln als Distinktionsmerkmal. Die andere Religion, von den Doofen da hinter dem Berg, die hat andere, ganz falsche Regeln. Nur unsere Regeln sind die richtigen, guten, gottgefälligen Regeln.

MR am :

Lieber Robert, danke für die geniale Beleuchtung der Verfilzung von Religion, Recht und Staat. Auch Einführung in die Kuriosität gewisser Gemeindeordnungen etc. Allerdings würde ich den Respekt "vor" den christlichen Gebräuchen mal weglassen. Als "Ungläubige" haben wir genug damit zu tun, Übergriffe in die religiöse Wertneutralität wie etwa beim Hineinschreiben von "christlich-abandländischen Werten" in Verfassungen abzuwehren, wie sie christliche Demokraten (sic!) so gerne haben...

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