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VCD kritisiert NVV: Neues Fahrplanjahr kein Ruhmesblatt für den Verbund

Der Kasseler Kreisverband des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) teilt die Kritik zahlreicher Kunden des Verkehrsverbundes an der Abschaffung des Multitickets im größten Teil des Verbundgebietes.
Das Multiticket sei bisher das Highlight im Tarifangebot gewesen, da zu einem moderaten Preis ein oder zwei erwachsene Personen sowie weitere Kinder für 24 Stunden mobil sein konnten.
Besonders attraktiv sei das Multiticket an Wochenenden gewesen, da dann die Gültigkeit über 24 Stunden hinaus bis Sonntagabend verlängert wurde.

Im neuen Tarifsystem sei das Multiticket außerhalb des Kasseler Großraums abgeschafft worden und als Alternative gebe es nur noch je eine Tageskarte für eine und für fünf Personen, die zudem nicht mehr flexibel 24 Stunden gültig seien, sondern auf den Betriebstag bis 24 Uhr beschränkt sei.

Wenn der Verbund es für nötig erachte, ein Angebot für Kleingruppen zu schaffen, so sei das zwar durchaus lobenswert. Dazu hätte man das bisherige Gruppenticket, das nur für eine Fahrtrichtung galt, allerdings durch die neue Gruppenkarte ersetzen können.

Die Verbesserung bei Kleingruppen rechtfertige aber nicht, für Familien und Paaren ein bestehendes Angebot zu streichen. Denn die Regel seien nun mal eher Familien oder zu zweit reisende Erwachsene als Gruppen von 5 Personen. Für Familien sei die Gruppentageskarte im Vergleich zum Multiticket schlicht zu teuer.

Um die finanzielle Grausamkeit des neuen Tarifsystems zu verdeutlichen, hat der VCD die Fahrpreise im alten und neuen Tarifsystem für eine Familie bzw. zwei Erwachsene verglichen. So betrage die Erhöhung bei einem Tagesausflug von Kassel nach Hessisch-Lichtenau 55 % (17 statt 11 €), das Ziel Edersee sei sogar um 62 % teurer geworden (23,50 statt 14,50 €). Noch gravierender stelle sich der Vergleich für einen Besuch mit Übernachtung dar. So müsste eine Kasseler Familie für einen Besuch der Großeltern in Hessisch-Lichtenau mit einer Wochenend-Übernachtung nun sage und schreibe 209 % mehr zahlen (34 € statt 11 €), ein Wochendausflug zum Edersee schlage mit einer Verteuerung von 224 % (47 statt 14,50 €) zu Buche.
Gleiches gelte für alle Besuche von zwei Erwachsenen mit Übernachtung bei Freunden, für die bisher das Multiticket als 24-Stunden-Karte für Hin- und Rückreise galt.

Der VCD lobt hingegen das Engagement der Kasseler Verkehrsgesellschaft. Nur durch deren Intervention konnte das erfolgreiche Multiticket wenigstens im Kasseler Tarifgebiet Plus erhalten werden.

Angesichts der von Bundes- und Landespolitikern vorgenommenen Kürzungen der Regionalisierungsmitteln, die für sich schon drastische Verschlechterungen im Angebot mit sich brächten und der damit begründeten deutlichen allgemeinen Tariferhöhung werde den Fahrgästen im laufenden Fahrplanjahr bereits ein hohes Maß an Leidensfähigkeit abverlangt.

Es sei für den VCD rätselhaft, warum angesichts dieser sich bereits seit Sommer abzeichnenden Verschlechterungen der Verbund zusätzlich noch eines der attraktivsten Angebote abgeschafft habe. Nach Auskunft des Verkehrsclubs erscheint dies ungeschickt und habe mit einer kundenfreundlichen Tarifpolitik wenig zu tun. Während landauf und landab über familienfreundlichere Rahmenbedingungen geredet werde, vollziehe der NVV eine gegenläufige Politik.

Ein bereits schon im alten Tarifsystem vorhandener Schwachpunkt sei durch die Preiserhöhungen noch verschärft worden: Insbesondere lange Strecken sind im NVV unverhältnismäßig teuer. Dies spürten Gelegenheitskunden bereits, seitdem der NVV die Gültigkeit der Bahncard abgeschafft habe. Bei den aktuellen Tarifen zeige dies vor allem ein Vergleich:

Die Tagesnetzkarte (Tarifstufe 10) für den NVV koste für zwei bis fünf Personen nun 29 €, genauso koste das Hessenticket, mit dem 5 Personen aber in ganz Hessen Züge, Trams und Busse benutzen können.

Der VCD befürchtet, dass das Ausmaß der Erhöhung dem NVV noch größere Probleme bereiten werde. So wisse man vom Prinzip der sogenannten Elastizität in der Betriebswirtschaft, das jede Preiserhöhung auch einen Nachfragerückgang nach sich zieht. Der könnte, so die Befürchtung des VCD, bei den derart stark angehobenen Preisen im NVV-Gebiet deutlich zu spüren sein.

Der VCD fordert Geschäftsführung und Aufsichtsrat des Nordhessischen Verkehrsverbunds auf, zumindestens baldmöglichst die Wiedereinführung des Multitickets umzusetzen. Was in Kassel funktioniert und auch erfolgreich ist, muss auch im übrigen NVV-Gebiet funktionieren: Ein paralleles Angebot von Gruppenticket und Multiticket.

Ein weiterer Fehler des NVV sei, dass man trotz der durch Ausschreibungen und Mittelkürzungen massiv veränderten Fahrpläne kein Fahrplanbuch herausgebe. Bei allen Problemen, die der Verbund schultern müsse, müsse doch die Kommunikation mit den Kunden erste Priorität haben. Und die Basis für die Kommunikation des Fahrplanangebotes sei nun einmal ein Fahrplanbuch, das auch in Zeiten von Call-Centern und Internet noch immer wichtig sei.

Allerdings verweist der VCD auch darauf, dass bei allen handwerklichen Fehlern, die beim neuen Tarifsystem und der Kommunikation seitens des NVV festzustellen seien, die Hauptschuld bei den politischen Parteien liege. Wenn CDU und SPD offenbar in Unkenntnis der Folgen vor Ort im Bund Mittelkürzungen beschließen würden, seien diese Parteien letztlich für dieses katastrophal schlechte Fahrplanjahr verantwortlich.

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