Skip to content

Kasseler Komponist Michael Töpel erhält Klaus-Martin-Ziegler-Preis

Der Komponist Michael Töpel. Foto: Archiv Merseburger Verlag
Der Kasseler Komponist Michael Töpel erhielt für seine Motette „Alle, welche dich suchen, versuchen dich“ den Klaus-Martin-Ziegler-Preis. Das Werk wurde am 22.10.2011 in der Martinskirche von der Kasseler St. Martins-Kantorei unter der Leitung von Eckhard Manz uraufgeführt. Die Motette ist eine Auftragskomposition für den alljährlich in der Kasseler Martinskirche stattfindenden Gedenkgottesdienst, in dem an die Opfer und die Zerstörung der Stadt Kassel am 22. Oktober 1943 durch Fliegerbomben erinnert wird.
Töpel verwendet in seiner Motette für gemischten Chor und Horn eine eindringliche musikalische Sprache, die die Menschen erreicht. Insbesondere auf dem Gebiet der Kirchenmusik gelingt es ihm immer wieder, komplexe theologische Fragen auf sinnlich erfahrbare Weise zugänglich zu machen. Charakteristisch ist dabei sein ökumenisches Anliegen. Bei einer Komposition zum Gedenken an die Zerstörung Kassels wäre es ein Leichtes gewesen, plakativ Schrecken zu verbreiten, ein lärmendes Stück, eine schreiende Anklage zu verfassen. Schon die Besetzung zeigt indes, dass Töpel Anderes im Sinn hat, differenzierter denkt – neben dem Chor ist lediglich ein einziges Horn besetzt. Das setzt sich auch in der Musik selbst fort: sie beginnt eben nicht lärmend, sondern wächst mit einem einzigen Ton aus der Stille heraus. Dieser einzelne Ton wird somit zum Träger all der Assoziationen und Stimmungen, die sich mit diesem Tag verbinden. Gleichzeitig führt er mitten ins thematische Zentrum der Komposition, geht es doch in den von Töpel zusammengestellten Texten Rainer Maria Rilkes um ähnliche Vorgänge: darum, wie die Menschen versuchen, das Unbegreifbare – den Schöpfer – begreifbar zu machen. Daneben hat der Anfangston – das tiefe G – aber auch noch eine weitere Funktion: er greift den Ton der großen Osanna-Glocke der Martinskirche auf, die nur zu wenigen besonderen Anlässen, wie dem Gedenken an den 22. Oktober 1943, geläutet wird. Der Ton G dient als eine Konstante der Komposition, steht an ihrem Anfang, in ihrer Mitte und an ihrem Ende und ist so vielleicht wie eben angedeutet selbst auch eine Chiffre für Gott. Daneben symbolisiert der Ton G aber auch die Hoffnung, die ein weiteres zentrales Thema der Komposition ist.
Die Motette erscheint im Kasseler Merseburger Verlag. Töpel begann die Komposition während eines Gastaufenthaltes im Februar 2011 in der Villa Massimo in Rom und beendete die Arbeit während des sich anschließenden Gastaufenthaltes in der Casa Baldi, der Dependance der Deutschen Akademie Rom, in Olevano Romano.

Trackbacks

Keine Trackbacks

Kommentare

Ansicht der Kommentare: Linear | Verschachtelt

Noch keine Kommentare

Kommentar schreiben

Umschließende Sterne heben ein Wort hervor (*wort*), per _wort_ kann ein Wort unterstrichen werden.
Die angegebene E-Mail-Adresse wird nicht dargestellt, sondern nur für eventuelle Benachrichtigungen verwendet.

Um maschinelle und automatische Übertragung von Spamkommentaren zu verhindern, bitte die Zeichenfolge im dargestellten Bild in der Eingabemaske eintragen. Nur wenn die Zeichenfolge richtig eingegeben wurde, kann der Kommentar angenommen werden. Bitte beachten Sie, dass Ihr Browser Cookies unterstützen muss, um dieses Verfahren anzuwenden.
CAPTCHA

BBCode-Formatierung erlaubt
Formular-Optionen