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Eine Wahnsinns-Ausstellung

Thomas Zipp
Thomas Zipp hat heute in der Kasseler Kunsthalle Friedericianum seine Ausstellung "(White Reformation Co-Op) Mens Sana In Corpore Sano" eröffnet. In seiner Installation hat er das Museum in eine Anstalt umgewandelt.
Schon von außen ist die Transformation der Kunsthalle erkennbar. Statt der gewohnten Inschrift leuchten über dem Eingang des Friedericianums in goldenen Lettern die Worte "Mens Sana In Corpore Sano", ein Zitat des römischen Dichters Juvenal. Im Inneren empfängt die Besucher dann "eine Wahnsinnsausstellung", wie Rein Wolfs, der Leiter der Kunsthalle, sie bei der Eröffnung titulierte.
Das Friedericianum in Kassel Thomas Zipp in eine "psychiatrische Anstalt" verwandelt
Auf einem surrealistischen Parcours auf zwei Ebenen begegnet der Besucher bekannten Persönlichkeiten. Der Künstler verbindet damit Fragen nach der Bedeutung deren Wirkens für die Menschheit heute. Zeichnungen, großformatige Bilder, Skulpturen kennzeichnen den Weg vorbei an Waschräumen, Anschnallliegen, Schlafräumen, Küchen, einer Kapelle oder Behandlungsräumen.

Beim Gang durch die Installation stellt sich ein bedrückendes Gefühl ein. "Diese Klinik hat ein besonderes Talent dafür, alles so unpersönlich zu gestalten, wie es nur irgend möglich ist", zitierte Ernst Klee 1978 in seinem "Psychatrie-Report" einen Patienten. Unterdrückung, Macht, Wahnsinn sind Themen, mit denen Zipp konfrontiert. "Die Geschichte der Psychatrie ist die Geschichte der Folter." (Klee) Beim Gang durch den Waschraum stellt sich die Frage, ob der zusammengerollte Schlauch auf dem Bogen nur zum Reinigen der Fliesen benutzt wird oder ob er dazu dient, "Verrückte" mit kaltem Wasser abzuschrecken. In der Küche stehen Töpfe und Geschirr, aber es sind nirgends Lebensmittel zu sehen. Die Betten sind zerwühlt, als seien die Patienten erst vor einigen Minuten aufgestanden; man ist verleitet, nachzufühlen, ob sie noch warm sind. "Man hat keine Möglichkeit auszubrechen." (Klee). Die Besucher sind bei ihrem Gang durch die Ausstellung gehalten,die markierten Gänge und Räume nicht zu verlassen. Welche Strafe droht, wenn man die Regel verletzt? Bevor am Ende des Ganges das mit Teppichboden und dunklen Möbeln ausgestattete Chefarztzimmer (?) Seriosität vorspielt, wartet die Gummizelle mit massiver Tür. Dort einige Minuten zu verbringen, dürfte ein traumatisches Erlebnis bedeuten - trotz des Wissens, dass die Tür nicht geschlossen bleibt.

Wer die eindrucksvolle Ausstellung, die Thomas Zipp in Kassel umgesetzt hat, besucht, sollte sich Zeit dafür nehmen, sollte sich darauf einlassen. Bis zum 13. Juni besteht dazu von Mittwoch bis Sonntag zwischen 11 und 18 Uhr Gelegenheit.

Fotos von der Ausstellungseröffnung auch unter Thomas Zipp in Kassel

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Anonym am :

Ludwig Noll reicht schon!

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