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Der himmelblaue Montag

Diesen Montag wurde der Schreibende in einen Zustand der Verzückung versetzt. Was sich in der „Tenne“ (Pfeifferstraße 4) ein „Konzert“ nannte, war eigentlich eine tönende Improvisation „auf neuen und alten Instrumenten“.
Das war nicht nur der Hammer, sondern auch die Walgeige, diverse Blasmuscheln und Holzhörner, Trommeln, Klappern, schwingender Draht, ein Steinklavier und ein Flügel, diverse Geigen und ein Cello, Menschenstimmen singend und sprechend – wer nennt die Namen und Dinge! Sie kamen von hinten, tönten aber vorne und rundum und von oben bis unten.

Schreibender war bei dem ersten Stück des Ensemble Knut Rennert (Rennert plus Yoshiaki Kitazume, Carsten Taube) „Vom Kopf bis zum Fuße…“ derart jenseits von Kopf und Fuß geraten, dass er innerlich in Freudentränen ausbrach. Da Kommunikationswissenschaftler, kam ihm diese Tonschwebe wie die Einlösung seines Wunschbegriffs von „Kommunikation“ vor: RESONANZ. Etwas frei und kybernetisch übersetzt also verbal-nonverbale Körper-Ton-Kopplung. Das jeweilige Medium konnte straflos vergessen werden. Das Stück schwang so leise und zart aus, dass keiner der Zuhörer zu klatschen wagte.
Das Klatschen musste dann für das folgende Programm neu erfunden werden. MontaX ImproKs (Angela Dersee, Barbara Gabler, Rike Hamratz, Veronika Hilberath, Rike Kohlhepp, Thomas Reuter) entwirrte seine etwas künstliche Namenskonstruktion im Zusammenspiel von zwei Geigen, Weibes Konzertstimme, einer kleinen Hexe mit Wuschelhaar, Cello und Klavier, wobei Klaviermaestro Thomas Reuter einerseits sein starkes Plapperorgan, andererseits auch öfters den krachenden Klavierdeckel einsetzte. Schreibender fürchtete (beidseitig) um seine Finger.
Wer nun der Eurythmie zuneigte, der durfte die von Yoshiaki Kitazume im weißen Walle-Gewand getanzten Sternzeichen in sich aufnehmen; wer nicht, nicht.
Der folgende Helmut Kohlhepp sah, mit dem Schreibblock seitwärts platziert, zunächst aus wie der Rezensent der örtlichen Dominalzeitung; es stellte sich aber heraus, dass er mit „Wer allem zugehört“ die Improvisationen in Sprache übersetzt hatte, die er dann vortrug. Das Stück „Begegnung I“ und die „Ansprache“ von Rennert befeuerten die Gegenwart der Anwesenden (Präsenz) von Künstlerseite aus. „Begegnung II“ setzte die Sitzenden in Bewegung. Denn zum Schluss konnten Alle (freiwillig) ran. Man wurde von den Sitzen gehoben und flanierte zwischen den Instrumenten. Das klang auch gut.
Am Ausgang kein Eintritt, sondern die freiwillige Spende, hinterm Ausgang Verköstigung vom Eigenbau (wie wohl bei einigen Instrumenten).

Schreibender kann sich nicht erinnern, jemals beswingter aus einer Tonkunstveranstaltung gegangen zu sein.

(Eine Veranstaltung des Deutschen Instituts für Improvisation, Geschäftsstelle Kassel, www.improinstitut.de)

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