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Märchenstunde – 'Unerhörtes' aus dem Kasseler Rathaus

"Seit wann mit der Chlorierung des Kasseler Trinkwassers begonnen wurde, lässt sich nicht mehr feststellen".
"Der technische Zustand des Kasseler Trinkwassernetzes ist sehr gut!"
Solcherlei Antworten auf eine schriftliche Anfrage, ließ der Vorstand der Städtischen Werke dem Umweltausschuss des Stadtparlaments in der Sitzung vom 15. September, auf einem Zettel notiert, ausrichten.

In eigener Person wollte oder konnte kein Vertreter der Städtischen Werke Rede und Antwort stehen zu Ursache und eventueller Abhilfe der großflächigen Chlorierung des Kasseler Trinkwassers und zum technischen Zustand des Leitungsnetzes. Auch der zuständige Dezernent des Magistrats entzog sich durch Abwesenheit einer sachkundigen Aufklärung, ebenfalls der Vorsitzende des Aufsichtsrates der Städtischen Werke Aktiengesellschaft, Oberbürgermeister Hilgen – sozusagen ein Kartell des Verschweigens.

Nachfragen waren also nicht drin; keine Antwort auf die Frage, wie sich die Chlorierung des Trinkwassers in den letzten Jahren entwickelt hat, oder gar, ob es Pläne gäbe, sie zu beenden. [Dabei erlaubt die neue Fassung der Trinkwasserverordnung keine so genannte Schutzchlorierung "aus allgemeinen Besorgnisgrundsätzen", sondern nur aus konkretem Anlass.]

Märchenstunde angesagt

"Der technische Zustand des Kasseler Trinkwassernetzes ist sehr gut!" musste das ehrenamtliche Magistratsmitglied im Auftrag der Städtischen Werke vortragen.

Solch allgemeine Aussagen können nur als rosaroter Märchenkitsch gelten und sind dem ernsthaften Problem einer sicheren und langfristigen Trinkwasserversorgung – ohne Zwang zu dauerhafter und großflächgier Chlorierung! – schlicht unangemessen.
Denn das rund 1000 km lange Trinkwasserleitungsnetz Kassels ist ein Flickenteppich aus Rohrabschnitten unterschiedlichster Qualität aus den vergangenen Jahrzehnten (Vorkriegszeit, Kriegszeit, Nachkriegszeit, Sechziger Jahre, Siebziger Jahre usw.), an denen naturgemäß und unwiderlegbar mehr oder weniger der Zahn der Zeit nagt.

Was gibt es zu verbergen?

Würden die Städtischen Werke nachvollziehbar darlegen (können), dass sie zum Beispiel im Jahr 2001, 2002, 2003 usw. jeweils soundsoviele Millionen in konkret benannte Maßnahmen in konkret angegebene Rohrleitungsabschnitte investiert hätten, könnten sie die Befürchtung aus der Welt schaffen, dass sie – unter dem Druck der Forderungen nach ständig höherer Gewinnabführung an das Rathaus – das Leitungsnetz verrotten lassen.

Und die Öffentlichkeit dürfte von einem so großen und "so kompetenten " Unternehmen wie den Städtischen Werken auch erwarten dürfen, dass es vorzeigbare Pläne zur Instandhaltung und Erneuerung des Leitungsnetzes gibt, gilt dies doch schon bei viel kleineren technischen Einheiten wie einem Pkw mit regelmäßigen Wartungen und Inspektionen als Selbstverständlichkeit.
Auch für die Sanierung und Instandhaltung der städtischen Schulen gibt es Pläne – aber diese liegen ja auch über der Erde und ihr Zustand ist für jeden sichtbar.

Kassel-Tattoos, kostenlose Abziehbilder und auch sonst viel Geld für großflächige bunte Werbe-Anzeigen, aber

Bloß kein Einblick, keine Transparenz gegenüber der Öffentlichkeit!

Vorrecht von privatrechtlich organisierten Unternehmen im Vergleich zu öffentlichen Unternehmen ist es, über ihre Geschäftsmethoden keine Auskunft erteilen und keine Rechenschaft ablegen zu müssen, auch wenn sie mehrheitlich in städtischem Eigentum sind.

Daher sind die Städtischen Werke Aktiengesellschaft gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern nicht rechenschaftspflichtig und müssen keine Auskunft darüber erteilen, was so im Untergrund vor sich hin rostet und suppt, und eine großflächige dauerhafte Chlorierung des Trinkwassers erfordert, solange die gesetzlich vorgeschriebenen Wasserproben nicht über den Grenzwerten liegen. Beweis für einen "sehr guten Zustand" des Leitungsnetzes ist das keineswegs; es hat bloß noch nicht geknallt. Vorsorge sieht anders aus – gerade bei einem Lebensmittel, auf das wir täglich angewiesen sind.

Und dieser Zustand, dass nichts nach außen dringt und alles schön unter der Straßendecke bleibt, scheint den Verantwortlichen im Rathaus, allen voran dem Vorsitzenden des Aufsichtsrats der Städtischen Werke, Oberbürgermeister Hilgen, ganz recht zu sein.

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Kommentare

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knock knock am :

wake up, neo

Martin Reuter am :

Wie bekommt man also nun Informationen, die man nicht bekommt?

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