Bartoszewski erhält "Kasseler Bürgerpreis"
Am kommenden Sonntag wird der ehemalige polnische Aussenminister Wladyslaw Bartoszewski mit dem "Kasseler Bürgerpreis", auch "Glas der Vernunft" genannt, ausgezeichnet. Preisträger und Umstände der Verleihung verdienen eine nähere Betrachtung.
Der 1922 geborene Bartoszewski hat seine politische Sozialisation während der deutschen Besatzung Polens erlebt. Frühzeitig im Widerstand aktiv, war er vom September 1940 bis April 1941 politischer Häftling im Konzentrationslager Ausschwitz I. Am Warschauer Aufstand 1944 nahm er als Meldegänger teil. In der stalinistischen Zeit der Volksrepublik war der katholisch-liberal orientierte Bartoszewski mehrere Jahre inhaftiert. Nach seiner Freilassung 1955 konnte er publizistisch tätig sein, u. a. für Radio Freies Europa und die katholische Wochenzeitung "Tygodnik Powszechny".
Trotz seiner schmerzvollen Erfahrung in der Besatzungszeit widmete sich Bartszowski in seiner publizistischen Arbeit vor allem der deutsch-polnischen Verständigung. In den 80er Jahren hielt er sich längere Zeit in Deutschland auf und hatte an verschiedenen bayerischen Universitäten eine Gastprofessur inne. 1995 wurde er kurzzeitig Aussenminister der postkommunistischen Regierung Oleksy. Heute fungiert er für die liberal-konservative Regierung Tusk als Sonderbeauftragter für die polnisch-deutschen und polnisch-jüdischen Beziehungen.
Zu Bartoszewskis Tragik gehört, dass seine Arbeit im heutigen Polen wenig Anerkennung findet. Das nationale und katholisch-konservative Lager wirft ihm zu grosse Nachgiebigkeit gegenüber deutschen Interessen vor. Vor allem die Annahme des Stresemannpreises 1996 war Wasser auf die Mühlen seiner Gegner, denn Stresemann gilt in Polen als eine Symbolfigur des deutschen Revanchismus nach 1918. Bei der diesjährigen Gedenkfeier anlässlich des Beginns des Warschauer Aufstands am 1. August, zu der Bartoszewski als Ehrengast geladen worden war, kam es zu einem in der polnischen Nachkriegsgeschichte einmaligen Eklat. Bartoszewski wurde bei der Nennung seines Namens von anderen greisen Aufstandsteilnehmern ausgebuht.
Die Preisverleihung an Wladyslaw Bartoszewski wirft auch wieder die Frage auf, wo und von wem über die Vergabe des "Kasseler Bürgerpreises" entschieden wird. Denn die Kasseler Auszeichnung ist Teil einer Serien-Ehrung. Bartoszewski hat in Deutschland in den letzten Monaten folgende Preise erhalten: Den "Preis für deutsche und europäische Verständigung", den "Europäischen Kulturpreis", den "Adam-Mickiewicz-Preis" des Weimarer Dreiecks und den "Bürgerrechtspreis der Sinti und Roma". Überhaupt gibt és kaum eine deutsche Auszeichung, die Bartoszewski noch nicht bekommen hat, Bundesverdienstkreuz und Friedenspreis des deutschen Buchhandels inklusive. Bereits 2006 war der Verdacht aufgekommen, dass über die Kasseler Preisverleihung auch Personen und Institutionen ausserhalb Kassels entscheiden. Damals war das "Glas der Vernunft" an Ayaan Hirsi Ali verliehen worden, eine Mitarbeiterin des neokonservativen American Enterprise Institutes, das auch regelmässig Folterungen der US-Army rechtfertigt. Ein Grossteil der Mitglieder des Vereins "Kasseler Bürgerpreis" war damals auf Distanz zu dieser Preisverleihung gegangen. Der Pressesprecher leitete Anfragen "zuständigkeitshalber" weiter. Bis heute ist aus der Satzung des Vereins "Kasseler Bürgerpreis" nicht eindeutig ersichtlich, auf welche Weise die Entscheidung über die Preisverleihung zustande kommt. Denn ausser über einen Vorstand verfügt der Verein mit 193 Mitgliedern, von denen nicht wenige auch im Rotary-Club organisiert sind, auch über ein Kuratorium. Aber vielleicht erhalten die Kasseler Bürger ja bald Aufklärung in dieser Frage, denn es ist ja der "Kasseler Bürgerpreis", der vergeben wird.
Trotz seiner schmerzvollen Erfahrung in der Besatzungszeit widmete sich Bartszowski in seiner publizistischen Arbeit vor allem der deutsch-polnischen Verständigung. In den 80er Jahren hielt er sich längere Zeit in Deutschland auf und hatte an verschiedenen bayerischen Universitäten eine Gastprofessur inne. 1995 wurde er kurzzeitig Aussenminister der postkommunistischen Regierung Oleksy. Heute fungiert er für die liberal-konservative Regierung Tusk als Sonderbeauftragter für die polnisch-deutschen und polnisch-jüdischen Beziehungen.
Zu Bartoszewskis Tragik gehört, dass seine Arbeit im heutigen Polen wenig Anerkennung findet. Das nationale und katholisch-konservative Lager wirft ihm zu grosse Nachgiebigkeit gegenüber deutschen Interessen vor. Vor allem die Annahme des Stresemannpreises 1996 war Wasser auf die Mühlen seiner Gegner, denn Stresemann gilt in Polen als eine Symbolfigur des deutschen Revanchismus nach 1918. Bei der diesjährigen Gedenkfeier anlässlich des Beginns des Warschauer Aufstands am 1. August, zu der Bartoszewski als Ehrengast geladen worden war, kam es zu einem in der polnischen Nachkriegsgeschichte einmaligen Eklat. Bartoszewski wurde bei der Nennung seines Namens von anderen greisen Aufstandsteilnehmern ausgebuht.
Die Preisverleihung an Wladyslaw Bartoszewski wirft auch wieder die Frage auf, wo und von wem über die Vergabe des "Kasseler Bürgerpreises" entschieden wird. Denn die Kasseler Auszeichnung ist Teil einer Serien-Ehrung. Bartoszewski hat in Deutschland in den letzten Monaten folgende Preise erhalten: Den "Preis für deutsche und europäische Verständigung", den "Europäischen Kulturpreis", den "Adam-Mickiewicz-Preis" des Weimarer Dreiecks und den "Bürgerrechtspreis der Sinti und Roma". Überhaupt gibt és kaum eine deutsche Auszeichung, die Bartoszewski noch nicht bekommen hat, Bundesverdienstkreuz und Friedenspreis des deutschen Buchhandels inklusive. Bereits 2006 war der Verdacht aufgekommen, dass über die Kasseler Preisverleihung auch Personen und Institutionen ausserhalb Kassels entscheiden. Damals war das "Glas der Vernunft" an Ayaan Hirsi Ali verliehen worden, eine Mitarbeiterin des neokonservativen American Enterprise Institutes, das auch regelmässig Folterungen der US-Army rechtfertigt. Ein Grossteil der Mitglieder des Vereins "Kasseler Bürgerpreis" war damals auf Distanz zu dieser Preisverleihung gegangen. Der Pressesprecher leitete Anfragen "zuständigkeitshalber" weiter. Bis heute ist aus der Satzung des Vereins "Kasseler Bürgerpreis" nicht eindeutig ersichtlich, auf welche Weise die Entscheidung über die Preisverleihung zustande kommt. Denn ausser über einen Vorstand verfügt der Verein mit 193 Mitgliedern, von denen nicht wenige auch im Rotary-Club organisiert sind, auch über ein Kuratorium. Aber vielleicht erhalten die Kasseler Bürger ja bald Aufklärung in dieser Frage, denn es ist ja der "Kasseler Bürgerpreis", der vergeben wird.
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