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Zeitenwende im Kasseler Umland

Das Ende einer Epoche deutet sich an: Nach 60 Jahren ist in den Kasseler Umlandgemeinden der Bau von Einfamilienhäusern und die Zersiedlung der Landschaft weitgehend zum Stillstand gekommen.
Dabei gibt es in Fuldatal, Vellmar, Kaufungen usw. durchaus noch Äcker und Wiesen, deren Besitzer nichts sehnlicher wünschen, als dass diese sich in Bauland verwandeln. Doch es fehlt an Menschen, die sich auf das "Abenteuer Hausbau" einlassen möchten.

In Fuldatal-Ihringshausen sind im Baugebiet "Auf dem Hasenstock" gerade einmal 8 von 55 Grundstücken verkauft worden, obwohl die voll erschlossenen Grundstücke bereits ab 80 Euro pro Quadratmeter angeboten werden. Im Schauenburger Baugebiet "Elgershausen Mitte" haben nach langem Bemühen gerade einmal 16 von 53 Grundstücken einen Käufer bzw. eine Käuferin gefunden, obwohl auch hier die Quadratmeterpreise i. d. R. unter 100 Euro liegen. Im Kaufunger Baugebiet "Auf der Struth II" steht seit 3 Jahren ein einzelnes Haus. Es ist das Musterhaus des Bauträgers, der bislang nicht einen einzigen Interessenten finden konnte. Die Gemeinde Lohfelden, wohl treffender als "Siedlungsbrei Lohfelden" bezeichnet, hat in ihr neues Baugebiet "Am Lindenberg" speziell eine Buslinie der KVG verlegen lassen. Vergebens, - Lohfelden hat 2007 106 Einwohner verloren, nicht etwa neue gewonnen.

In den übrigen Kasseler Umlandgemeinden sieht es nicht anders aus. Bauen will kaum noch jemand, immer mehr Menschen sind von dem Wunsch getrieben, ihr Häuschen loszuwerden. Allein im Internetportal "Immobilienscout" werden aus den 9 an Kassel grenzenden Gemeinden 398 Häuser zum Verkauf angeboten. Ein Architekt aus dem nördlichen Kreis Kassel fasst die Entwicklung so zusammen:"Einfamilienhausbau findet praktisch nicht mehr statt. Vereinzelt bauen noch die sog. Russland-Deutschen. Die betreiben das als Mehrgenerationen-Projekt und können fast alles selber machen".

Die Flexibilisierung der Arbeitszeiten, gestiegene Fahrtkosten, die zunehmende Verlärmung der "Wohnorte im Grünen" durch Verkehrsprojekte, - dies treibt die Menschen wieder in die Stadt. Nach der nordhessischen Provinz bekommt dies nun auch das Kasseler Umland zu spüren. Hinzu kommt, dass die soziale Unsicherheit durch Arbeitslosigkeit, Zeitarbeitsverträge und häufige Versetzungen für viele ein Lebensprojekt, wie den Bau eines Hauses, obsolet machen. Natürlich spielen auch Einstellungsänderungen eine Rolle. Nur noch wenige junge Leute glauben, ihr Lebensglück hinter der hohen Hecke eines trauten Familienheimes zu finden. Und wer trotz allem noch in der Vorstellungswelt der Bausparkassenwerbung lebte, wurde spätestens durch den Wegfall der Eigenheimzulage therapiert.

Die Politik müsste reagieren, Entwicklungskonzepte abspecken, die öffentliche Investitionstätigkeit auf die neue Situation einstellen, um weitere Fehlinvestitionen zu vermeiden. Doch viel Hoffnung sollte man da nicht haben.

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Kommentare

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Martin Reuter am :

Was Gutes und Vernünftiges kann man - bei rechter Vorbereitung - doch immer tun, warum sollte man da keine Hoffnung haben? (Den "Proviant der Verzweifelten", Sloterdijk)

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