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Kasseler Arbeitsmarkt: Jubelmeldungen und statistische Merkwürdigkeiten

Im Unterschied zu den den Arbeitsmarktberichten anderer Städte gibt der März-Bericht der Kasseler Arbeitsagentur keine Auskunft darüber, wieviel Menschen in Kassel und Umgebung in "Qualifizierungen" und "Arbeitsgelegenheiten mit Mehraufwandsentschädigung" (1-Euro-Jobs) untergebracht sind.
Bekanntlich sind diese "Massnahmen aktiver Arbeitsmarktpolitik" eines der wichtigsten Instrumente, um die Arbeitslosenstatistik zu schönen.

Der Kasseler Arbeitsmarktbericht weist aber noch eine andere Merkwürdigkeit auf. Während in Stadt und Altkreis Kassel die Zahl der statistisch-relevanten Arbeitslosen von Januar 08 bis März 08 von 16741 auf 16135, also immerhin um 3,6 %, zurückging, ist die Zahl der Arbeitssuchenden fast konstant geblieben (Januar 25664, März 25618). Wahrscheinlich hat hier ein geschicktes Statistik-Management dafür gesorgt, dass Arbeitslose in die Gruppe der Arbeitssuchenden verschoben wurden. Dies könnte zum Beispiel dadurch geschehen sein, dass man Arbeitslosen durch "geeignete Massnahmen" vermeintlich fehlende Verfügbarkeit nachgewiesen hat.

Statistisch positiv auf den Kasseler Arbeitsmarkt wirken sich sicher auch die 37 (!) Zeitarbeits- und Personalservice-Firmen aus, die allein im Stadtgebiet Kassel tätig sind. (Göttingen = 14). Sie "beschäftigen" Menschen, die eigentlich einen Vollzeit-Job suchen, vielfach mit deutlich reduzierter Vertrags-Arbeitszeit und an Einsatzorten ausserhalb der Region.

Unbestreitbar ist aber, dass die Auftragslage einiger Kasseler Branchen im Zuge der globalen Hochkonjunktur z. Zt. noch recht gut ist. 2008 wird das Produktivitätswachstum jedoch wieder höher sein wie das Wirtschaftswachstum. Dennoch werden wir auch im anstehenden Konjunkturabschwung als Ergebnis gewisser "statistischer Verfeinerungen" weiter mit Jubelmeldungen vom Arbeitsmarkt versorgt werden. Man will uns eben die (Kauf-)Laune nicht verderben.

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Kommentare

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Martin Reuter am :

kann man "Auftragslage einiger Kasseler Branchen" etwas genauer haben? Was bedeutet "gloabale Hochkonjunktur"?

Richard Kallok am :

Wer Fahrzeugteile oder Industrieausrüstungen herstellt, profitiert natürlich schon davon, dass z. Zt. viele, wie man es früher nannte, unterentwickelte Länder in einem Riesentempo den Anschluss an das Industriezeitalter suchen und finden. Baubranche, kleinflächiger Einzelhandel und grosse Teile des Handwerks Nordhessens befinden sich hingegen in einer tiefen Strukturkrise. Und die Industriearbeitsplätze in Nordhessen sind natürlich mittelfristig nicht nur von einer Rezession bedroht, sondern aktuell auch weiterhin von Auslagerungen in die EU-Billiglohn- und Niedrigsteuer-Länder.

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