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Neulich beim Krämer...

... Nackig vorm Oberkrämerchef
Als anständiger, deutscher Kunde verfüge ich natürlich über eine ebenso anständige, deutsche Kundenkarte. Also das, was man früher als Kind mühselig in irgendwelche beschissenen Rabattheftchen einklebte und fast kotzte, weil man die Marken auf der Rückseite anlecken musste, auf digital...
... Damit man hin und wieder das Gefühl bekommt, von den überteuerten Produkten, die man so ersteht, auch etwas zurückbekommt. Denn: Zurückbekommen wird immer gern genommen.
Also schafft man sich eine Kundenkarte an, die man bei jedem Einkauf brav der Verkäuferin seines Vertrauens herzeigt und von dieser über ein wahrscheinlich anständiges, japanisches Lesegerät gezogen wird.
Natürlich weiss kein Aas, was das Teil so alles liest. Aber im Prinzip mache ich mich bei jedem Krämer-Besuch so was von nackig, nackiger geht's kaum noch. Denn wer auch immer weiss nun, was der Meister alles so einzulaufen pflegt. "Sag mir, was du einkaufst und ich sage dir, wer du bist", könnte der Slogan für diese Aktion auch heißen.
Im Grunde genommen ist es so, dass die Geschäftsinhaber zur Familie gehören. Sie wissen einfach Bescheid.
Kaufe ich Kondome, könnte eine neue Liebe in Zeiten der Cholera oder der Vogelgrippe oder wahlweise ein erhöhter Promiskuitätsgrad assoziiert werden. Aber wenn es einer genauer weiss, dann die Krämer-Chefs. Denn wenn ich dann noch leckere Bio-Häppchen einpacke, möglicherweise noch einen guten Roten und Teelichte oder sogar Kerzen und Massageöl oder andere Geschmeidigmacher kaufe, ist ja wohl klar, dass ein gepflegtes Romantik-Programm angezeigt ist. Auch die Häufigkeit des selbigen lässt sich eindeutig zuordnen.
Werden hingegen des Öfteren Verhütungsmittel ohne (Be-)Gleitprogramm erstanden könnte das einen Hinweis in andere Richtungen, beispielsweise "Homefucking is killing prostitution", liefern, wie ich mal auf einem T-Shirt lesen durfte.
Naja, und wenn ich öfters mal Alkohol oder andere fiese Sachen kaufe, um mich an und in meiner deprimierenden Existenz zu berauschen, was sollen die Datensammler dann von mir denken?
Dabei imaginiere ich dann einen gutmütigen, weisen, alten, weißhaarigen Oberchef-Krämer, wie er sagt: "Schaake, das mit Ihrem Lebenswandel geht so nicht weiter. Sie essen zu fett und saufen zu viel. Wir machen uns Sorgen." Und das möglicherweise nicht nur aus reinem Gutmenschentum, sondern weil sie einfach Schiss haben, dass es mich einfach viel zu früh dahinrafft und ich eben keine 100er-Packungen Pariser oder Bio-Häppchen mit Kerzen und Massageöl mehr bei Ihnen kaufen kann.
Manchmal wünschte ich, dass der Ober-Krämer-Chef in väterlicher Manier intervenierte, wenn ich mal wieder zu doll über die Stränge schlage: um mich wieder einzunorden.
Aber die Krämer-Seelenpfleger nehmen ihre Verantwortung einfach nicht wahr, obwohl sie all diese Daten von mir sammeln und damit quasi zur Familie gehören.
Sie belassen es dabei, mir ab und an mal mitzuteilen, dass sie mal wieder großzügigerweise fünf Euronen haben rüberwachsen lassen, weil mein digitales Rabattheftchen voll ist. Und ab und an kriege ich mal Post aus der Krämerseelen-Zentrale, adressiert an Frau Klaus Schaake.
Sollten die Zentral-Krämer der Meinung sein, ich steckte im falschen Körper?
Nicht dass ich darüber noch nicht nachgedacht hätte, aber wenn Mutti das von seinen Quasi-Therapeuten gespiegelt bekommt, wird sie schon nachdenklich.
Wenn die Ober-Krämer-Chefs sich nicht bald persönlich bei mir melden, könnte es noch ein böses Ende nehmen...







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