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Mein Röntgenblick auf Bettenhausen - Teil 12 -

Schön ist es hier auch, doch das erfahren Sie nur, wenn Sie bis zum Schluss der Geschichte durchhalten! Aber: Es lohnt sich!
Mein Röntgenblick auf Bettenhausen – Teil 12 -

Heute hat wieder einer meiner Nerven zerschrieen. Das geht so: Morgens um acht setzt sich einer auf die Mauer die Dorfplatz und Losse voneinander trennt und fängt an zu schreien. Jetzt ist es 15.15 Uhr und er schreit immer noch. Das sind tiefe, tierähliche Laute die niemand verstehen kann, aber das ist wohl nicht nötig. Dem Mann geht es darum zu schreien, nicht darum verstanden zu werden. Zwei oder drei stehen daneben und saufen, einer sitzt da und schreit. Ein anderer pinkelt vor mein Fenster. Ich weiß wir es endet, der eine, der schreit von morgens acht bis abends acht und hört erst auf wenn er umkippt. Das ist einmal, zwei, dreimal im Monat so, er schreit immer zwölf Stunden lang. Fragen sie meine Nachbarn.
Dem Ordnungsamt ist das egal, es gäbe keine rechtlichen Möglichkeiten sagen die freundlichen Damen dort.
Draußen prügeln sich die Männer aber wieder, das ist hier Alltag. Sie prügeln sich, sie schubsen sich, einer fällt hin, einer schlägt zu, einer hat vielleicht ein Messer, das kann ich von meinem Fenster aus nicht sehen. Ich rufe das Ordnungsamt an, weil sie sich wieder prügeln, ich muss da nachher noch raus und einkaufen. Die Dame ist freundlich, immer noch, wir kommen gerne zu ihnen in ihre Wohnung und reden mit ihnen, sagt sie. Sie verstehen mich nicht, sage ich, was wollen sie denn mit MIR reden. Ich bin doch nicht das Problem. Sie sind doch die Frau mit dem Homeoffice, sagt die Frau vom Ordnungsamt. Ja, sage ich, die bin ich, leider.
Die Kollegen sind in der Goetheanlage sagt die freundliche Dame, dann der Verkehr und durch die Stadt, das dauert, aber sie kommen, machen sie sich keine Sorgen. Sie kommen zu ihnen und sie legt auf. Es klingelt dann tatsächlich und ich werfe eine letzten Blick aus dem Fenster. Da draußen schlagen sie sich jetzt gegenseitig die Köppe ein. Das ist super, denke ich, dann sehen die vom Ordnungsamt endlich, wie es hier so ist…..
Ich treffe die beiden Menschen vom Ordnungsamt auf der Treppe im Hausflur, die Nachbarin hat ihre Gießkanne in der Hand und ist total verblüfft. Was kommen sie denn hier rein, fragt sie, da draußen, da geht es ab, warum gehen sie denn da nicht hin. Ich werde innerlich sauer, die Nachbarin spricht aus, was ich denke. Ich werde sauer…..und…..biete Kaffee an. Wollen sie zu mir in die Küche kommen und Kaffe trinken, frage ich und denke, da können sie aus dem Fenster sehen und sehen was ich immer sehe und dann wird alles gut. Nein, könn mer nicht, sagt der Mann vom Ordnungsamt, wir müssen doch arbeiten und gleich weiter. Olof Palme Haus, 80 Russen mit Messern und anderen Waffen, sie wissen schon.
Die da draußen, die kennen wir doch, sagt die Frau vom Ordnungsamt. Ist doch alles nicht schlimm. Der, der da immer schreit, wissen sie was, der hat panische Angst vor mir, ehrlich, wenn der mich sieht, dann haut der ab. Der rennt richtig, der flieht, der kennt mich nämlich. Das habe ich gesehen, sage ich, warum gehen sie denn nicht hinterher. Rennen sie doch auch einfach, dann kriegen sie ihn noch. Das brauchen wir nicht und das dürfen wir nicht und das können wir nicht, denn da gibt es kein Gesetzt. Wenn der weg ist, dann ist der weg und weil der dann ja weg ist, dafür gibt es kein Gesetz. Kling irgendwie logisch, sage ich und bin immer noch sauer.
Nebenbei bemerkt - ich habe es nebenbei bemerkt - die Frau und der Mann vom Ordnungsamt sind nett. Sie sind eigentlich ganz toll, ich meine das ernst, ich mag die beiden. Wir sind doch immer hier unter, sagen sie, aber wenn wir nichts machen können, dann können wir nichts machen, es gibt da nämlich kein Gesetzt. VERSTANDEN? Verstanden!
Außerdem, sagt die Frau vom Ordnungsamt, außerdem, wenn sie an der Goetheanlage wohnen würden, da kann am Wochenende keiner schlafen, sind immer 150 Jugendliche, schreien die ganze Nacht, da schläft keiner. Ist doch so, fragt sie ihren Kollegen, ich habe doch recht, du weißt das doch auch, da wo der von Löhneysen wohnt, genau da. Ja da sind wir immer am Wocheenden, mit vier Einsatzwagen. VIER! Da wo der von Löhneysen, wohnt, genau da! Meine Nachbarin und ich, wir fallen fast die Treppe runter, geschockt! Meine Nachbarin fuchtelt erregt mit ihrer Gießkanne. Hilbert? Hilbert von Löhneysen? Der? Der wohnt da? Und die kommen mit VIER Einsatzwagen? VIER? Jedes Wochenende? VIER!

(Anmerkung hoffentlich verlieren die beiden netten Menschen vom Ordnungsamt jetzt nicht ihren JOB! Der Datenschutz: sie DURFTEN UNS DAS nämlich NICHT SAGEN! – Hilbert von Löhneysen ist nämlich ihr Chef – Der Chef vom Ordnungsamt und der wohnt da! Genau da!
(Falls ich jetzt was falsch verstanden habe, dürfen sie sich sicher sein – das war Absicht!)


NACHTTRAG:
Natürlich ist es in Bettenhausen auch schön. Ich fühle mich in die Pflicht genommen, das jetzt hier zu sagen.
Also: es ist ein wunderschöner Herbst gewesen, mit umwerfenden Herbstfarben. Konkret: Die Blättchen der Büsche vor meinem Fenster wurden erst hellrot, dann dunkelrot, dann gelb und dann, äh, weg. Die Linden ums Haus belohnen uns im Herbst mit hellgelbgoldenen Laub. An der Losse stehen knallrote, weinrote, hellrote, gelbrote, rotgelbe, rotrote, hellrotrote, braunrote, hellbraunrote (und andere) Gebüsche. Wunderschön. Gegenüber steht nur noch einer von zwei Bäumchen mit gelbem, rotem, weinrotem und knallgelbem Blattzeug. Umwerfend!
Im Garten stehen Koniferen, Birken (tolles Gelb), Efeu, Efeu, Weinlaub, Hopfen, Koniferen und, äh, Efeu, Efeu und eine Trauerweide. Um es kurz zu machen, unser Garten ist im Herbst nicht so toll. Dafür wird der fleißige Spaziergänger längs der Losse mit einem - wie nennt man das – mit einem prachtvollen Farbenspiel belohnt.
Aber darum geht es mir eigentlich nicht. Ja, es ist schön hier. Ja, es ist idyllisch. JA! ES! IST! SCHÖN!

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