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Noebels Bierdeckelkolumne

Kunst und Globalisierung
Mal eben einen Rembrandt aus der Gemäldegalerie für eine Kunstaktion übermalen zu lassen, auf die Idee verfiele wohl niemand, der noch alle Tassen im Schrank hat, profan gesagt. Einen einzigartigen Bergpark (immerhin Weltkulturerbe-Aspirant) für ein solches Anliegen baggernd zu zerlegen, das scheint in Kassel aber widerspruchslos möglich zu sein. Solches konstatiert polemisch aber treffsicher auch Prof. Hardy Fischer leserbrieflich in der HNA (24.05.07). Während wir nun Reisterrassen aus Südostasien am Schloss und 1001 Chinesen im Reitstall als Kulturbeitrag ertragen müssen, wie sieht unsere Gegenleistung aus?
Albert Speer (der Name kommt mir irgendwie bekannt vor), Albert Speer und Partner, Architekten aus Frankfurt/Main bauen quasi simultan Chinas Hauptstadt Peking mit Großaufträgen schnell mal großkotzig um. Die Frage (3Sat-Kulturzeit am 24.05.07), ob er damit nicht den Machtambitionen eines um Menschen- und sonstige Rechte wenig bemühten Regimes einen übermäßig aufwertenden und herrschaftsstabilisierenden Glimmer und Glanz verleihe, wehrt er ab mit der Erklärung, er habe viele Aufträge und unterschiedliche Auftraggeber in verschiedenen Ländern und versuche nur, den diversen Ansprüchen gerecht zu werden und zu sehen, was in den jeweiligen Gesellschaften passe. Ideologien spielten dabei keine Rolle. Jetzt weiß ich wieder, woher ich diesen Namen kenne. Solche Art von Globalisierung, auszuprobieren, was verdammt noch mal möglich ist? Nö!

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Kommentare

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Martin Reuter am :

Diese Kritik passt tatsächlich mal wieder auf einen mittelständisch gehobenen Volksempörungs-Bierdeckel!
Erstens muss ich keine Chinesen ertragen, das müssen die schon selber tun. Zweitens ist die Bekanntheit des Namens Speer beim gebildeten (s.o.) Menschen selbstverständlich und sollte nicht zu weiteren Kurzschlüssen missbraucht werden. Drittens sollte man es diesen armen gutverdienenden Architekten gönnen, dass sie neben ihren 5000 gezeichneten Plänen auch endlich mal was bauen dürfen. (Ist ja ähnlich wie bei einem Militär, das nicht zum Einsatz kommt.) Ob das nun so sein muss wie in der sog. "Hauptstadt Chinas" ist eine besondere Frage, und ob das "ideologiefrei" sein kann, noch eine. Viertens reichen mir jetzt die Globalisierungs-Protektorate. Nach sagen wir mal Böhmen & Mähren hatten wir so in etwa der Reihe: Sowjetunion, Cuba (als nachhaltiger Dauerbrenner), Libyen, Afghanistan, Irak. Nun ist also China mit der "Instant Democracy" dran. Lasst mir 'den Chinesen' in Ruhe, die müssen sowieso das industrialistische Lehrgeld noch zahlen. Fünftens: "Menschen- und sonstige Rechte"?? Und sechstens hätte ich es gerne so als Leser-Service, dass die angedeuteten Sendungen und Referenzen verlinkt wären.

Achim Frenz am :

Warum denn so ernst meine Herren?
Ist doch alles nur Spaß!
1001 Chinesen in Kassel!
Ohne Konzept!-herrlich!
Da fällt mir ein: Vor zehn Jahren saßen wir von der Caricatura bei einigen alkoholischen Getränken mit dem Künstler Ernst Kahl zusammen, um eine neue Kunstaktion zu planen. Wie Roger Buergel weiß, so wussten auch wir: Wenn der Geist vernebelt ist kommt man auf die besten Ideen. Kahl schlug vor, doch 100 Pygmäen auf dem Vorplatz des KulturBahnhofs kampieren zu lassen. Wir konnten uns aber nicht einigen, ob wir einen Zaun um das Lager bauen sollten und ob documenta-Besucher die Pygmäen füttern dürften.
Also haben wir das Projekt auf Eis gelegt.
Nun lese ich von einem durchgeknallten Chinesen, seine Landsleute in Kassel zur documenta bringen will. Mal abgesehen von der Staatszugehörigkeit, ist die Idee eindeutig von der Caricatura geklaut.
Von der Caricatura lernen -
heißt siegen lernen.

Martin Reuter am :

Mein lieber Einzelherr! Ich entnehme Ihrem Plädoyer für die Spaßgesellschaft die moralisch immer noch bedenkliche Aufforderung zu unriskantem Alkoholkonsum. Ihre Idee vom karikierenden Siegen bzw. siegenden Heilen finde ich allerdings attraktiv.

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