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Moskau – aus den Augen eines Umweltaktivisten

Seit über 26 Wochen demonstriert Arshak Makichyan, ein junger Umweltaktivist, allein für den Klimastreik „Fridays for Future“ in Moskau. In diesem Interview enttarnt er die kontroversen Seiten des grünen Wandels in Russlands Hauptstadt.

Der Einzeldemonstrant aus Moskau hält ein Plakat mit der Aufschrift „Klimastreik“ hoch.



Maria Bisalieva: Ist Moskau aus Ihrer Perspektive in den letzten Jahren grüner geworden?
Arshak Makichyan: Es ist schwierig auf die Frage zu antworten, ob Moskau grüner geworden ist. Das Ausmaß an Neubauten berücksichtigend, wahrscheinlich eher nicht.
M.B.: Was bedeutet eine "grüne Stadt" für Sie? Hat Moskau einige Aspekte einer "grünen Stadt"?
A.M.: Wir haben viele wunderschöne Parks und verglichen mit anderen Metropolen würde ich Moskau als grün bezeichnen. Aber nur auf den ersten Blick. Es gibt auch eine andere Seite: Moskau ist eine sehr reiche Stadt, vor allem wegen des zentralisierten, politischen Systems in Russland und da die Regierungsbeamten nicht die gewissenhaftesten sind, passieren viele schreckliche Dinge bezüglich der Ökologie. Zum Beispiel wurde die Innenstadt mit Unmengen von Plastikdekorationen geschmückt, die die Stadtregierung für viel Geld gekauft hat. Ebenso gibt es schwerwiegende Probleme mit der Müllentsorgung, welche nicht auffallen, wenn man in Moskau unterwegs ist. Wir haben keine Infrastruktur für die Mülltrennung und da die Bevölkerungsdichte hoch ist, muss der Müll irgendwohin entsorgt werden. In Russland gibt es deshalb eine Menge an Mülldeponien. Diesbezüglich gibt es momentan die größten Umweltproteste Russlands in Shiyes, einem Ort 1200km nordöstlich von Moskau.
M.B.: Wie verhält sich die Regierung zu diesen Protesten und wie geht Sie mit dem Müllproblem um?
A.M.: Die Regierung versucht einfach den ganzen Müll aus Moskau nach Shiyes zu bringen und mit Plastik zu umwickeln und es dabei zu belassen. Da die Region ein Sumpfgebiet ist, besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass nach einiger Zeit Schadstoffe- und Flüssigkeiten im Grundwasser versickern und toxische Gase wie Methan in die Atmosphäre gelangen. Die Menschen protestieren schon seit einem halben Jahr pausenlos dagegen und noch ist unklar ob sie Erfolg haben werden, obwohl die meisten Einwohner gegen den Bau dieser Mülldeponie sind.
M.B.: Welche konkreten Probleme sehen Sie in Moskau?
A.M.: In Moskau Probleme haben wir Probleme mit der Luftverschmutzung, da es trotz der hohen Verfügbarkeit an öffentlichen Verkehrsmitteln sehr viele Autos gibt. Ebenfalls sollen Müllverbrennungsanlagen im Kreis Moskau gebaut werden, welche die Luftqualität der Stadt verschlechtern werden.
Auch die Fahrradinfrastruktur in Moskau ist nicht gut entwickelt.
M.B.: Wie wichtig ist Nachhaltigkeit und ökologisches Bewusstsein für die Bürger in Moskau?
A.M.: Die Situation verändert sich und immer mehr Menschen fangen an über ökologische Probleme nachzudenken. Aber alles passiert – vor allem auf der politischen Ebene – sehr langsam. Deshalb können wir vielen Umweltkatastrophen in Russland nicht entfliehen.
M.B.: Gibt es dabei einen großen Unterschied zwischen jüngeren und älteren Generationen?
A.M.: Es gibt recht viele junge Menschen, die ihre Gewohnheiten ändern und darüber reden wie wichtig es ist. Es gibt auch immer mehr Öko-Blogger: Junge Menschen die auf sozialen Netzwerken, wie Instagram, versuchen mithilfe ihrer Reichweite mehr ökologisches Bewusstsein zu schaffen. Den Zugang zu solcher Information hat die ältere Generation nicht, da sie mehr Infos aus dem Fernsehen bekommt, in dem Nachrichten aus einem Paralleluniversum laufen, in welchem alles gut ist.
M.B.: Wie gut ist der Zugang zu ökologischen und ethischen Produkten wie Essen, Kleidung und Alltagsgegenständen?
A.M.: Als ich in Berlin war, war ich erstaunt wie viele vegane Läden und Cafés es gibt. Es gibt sogar in jedem normalen Supermarkt nachhaltige Tragetaschen für den Kauf von Lebensmitteln. Deshalb fängt hier alles, im Vergleich zu Westeuropa, gerade erst an sich zu entwickeln. Aber wenn man Moskau mit anderen Städten Russlands vergleicht, sieht es bei uns gar nicht so schlecht aus.
M.B.: Welche Veränderungen wünschst du dir zukünftig für Moskau?
A.M.: Sehr, sehr viele. Als ich von Berlin nach Köln fuhr sah ich auf dem Weg viele Windräder – so etwas gibt es bei uns nicht. Ich sehe keinen Sinn darin alles aufzuzählen, was ich in Moskau gerne verändern würde, da es wichtiger ist einem Klimakollaps vorzubeugen – und dafür müssten wir die Probleme in ganz Russland lösen. Wir brauchen eine gerechte Verteilung von finanziellen Mitteln!

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