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Kasseler Dokfest: Happy

Ein Vater-Tochter Film über Peinlichkeiten, die weh tun könnten. Vater Genreith (60 Jahre und ein bisschen) lebt geschieden von seiner Frau in der Nordeifel und fährt einmal im Jahr nach Thailand. Dort hat er eine neue Frau gefunden, die etwas älter als seine Tochter ist. Die will er heiraten.
Seine Tochter, die sich mit 19 Jahren selbst aus der Eifel entfernt hat, ist über den 'Sextourismus' ihres Vaters entsetzt, bis sie ihn eines Tages mit seiner Zukünftigen Thailändisch sprechen hört. Er büffelt am heimischen Küchentisch auf seinem Freizeitbauernhof Thai. Manchmal besucht er mit seinem Freund ein buddistisches Kloster in der Nähe und lässt sich Nachhilfestunden geben. Dieser Vater, der mal in der Unterhose im Stall mistet, mal die Bienenkönigin in der Wabe sucht, wiederholt Hühner schlachtet, Gänse, Truthähne und Schweine hält, wird jeden Morgen von seiner thailändischen Braut geweckt, seit 3 Jahren. Seine Tochter stellt ihm alle unangenehmen Fragen, nach dem Motto: Braucht man in Deinem Alter noch Sex und liebt Dich eine jüngere Frau, so wie Du aussiehst und warum suchst Du nicht eine deutsche Frau in Deinem Alter etc. Sie erhält darauf direkte und unangenehme Antworten: Ja, es gibt einen Sex im Alter, nur in Deutschland nicht, ich hab versucht, eine Frau zu finden, komm mir nur nicht mit Lehrerinnen, ich bin einsam, dort bin ich glücklich. Der Vater scheint mir im Brotberuf in einer Firma als Betriebsrat zu arbeiten und ist ein reflektierter Mensch. Er hat Herz, sagt man in Thailand. Seine Tochter fliegt mit ihm dorthin, lernt Braut und Familie kennen, stellt dort weiter unangenehme Fragen und wird aber herzlich aufgenommen. Diese Direktheit, die Vater und Tochter miteinander entwickeln, wird durch das Filmen unterstützt. Das gibt den Beiden die Chance, sich und ihre Handlungen zu besprechen, zu überdenken und sich anders zu verorten. Dem Vater wird das, was er bereits gewusst hat, deutlicher. Die Tochter wird von den Gedanken ihres Vaters überrascht. Er weiß, dass eine thailändische Liebe sich von der europäischen unterscheidet und dass er eine Familie heiratet, deren Versorger er sein wird. Die Braut, die in einer einfachen Zeremonie seine Frau und ihre Stiefmutter wird, büffelt nun Deutsch. Vor drei Wochen ist sie in Deutschland angekommen, für eine Weile. Mitten rein in die Kälte.
Nachdem Carolin Denreith 2013 einen Film über ihre Mutter gedreht hatte, brauchte es eine Zeit, bis sie sich direkt in einen Film mit ihrem Vater und sich selbst hinein begeben hat. Eine schöneres Dokument für die Liebe zwischen Vater und Tochter, die nach einer langen Trennung gesucht und gefunden wird, habe ich noch nicht gesehen. Der Film ist klug geschnitten, zeigt Eifelbilder, die wir alle fürchten und Bilder aus Thailand, nach denen manche sich sehnen. Feine Kameraführung, feine Postproduktion, feiner Film.

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