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"Die Sorgen der Menschen verstehen..."

Wahltag in MeckPomm: Es kotzt mich an.

Hier die perfiden und saudummen Parolen von Flüchtlingsflut und Überfremdung, dort die ebenso dummen wie taktisch wertlosen Versuche der Etablierten, den Dummenfängern das Wasser abzugraben durch "verständnisvolle Umformulierung" von deren Hass- und Angstparolen.

"Die klauen uns die Argumente!"
Ich glaube, dass sich die Etablierten am meisten darüber Ärgern, dass die Neonazis genau das offen sagen, was sehr viele von ihnen insgeheim auch denken. Nur so ist das schleichende Entgegenkommen der SPD- und CDU-Strategen zu werten. Rückgrat zeigen geht anders!

Besonders entlarvend heute der Herr Söder: Mit seinem Geschrei nach schärferen Maßnahmen gibt er doch direkt zu, dass er (und seine CSU-Granden) im Grunde mit der AfD einer Meinung sind.

Was sie alle (außer der CSU) nicht kapieren wollen, ist die Tatsache, dass Wahlen nur durch simpelste Botschaften von charismatischen oder mindestens rhetorisch herausragenden Persönlichkeiten gewonnen werden. Und wenn ich dagegen anstinken muss, dann sicher nicht mit feinsinnigen Sprüchen des Kalibers "wir müssen die Sorgen der Menschen ernst nehmen." Eine solche Tonalität wird allenfalls als Schwäche gedeutet. Hier hätte - so leid mir das tut - nur ein Trommelfeuer an Gegenpropaganda etwas ausrichten können. Das ist natürlich politisch nicht korrekt. Aber vielleicht notwendig.

Was hat denn die Bürger so besorgt? Da war doch nichts in ihrem eigenen Lebensumfeld, was sie nicht schon von 40 Jahren DDR kannten. Ob sie von der Partei oder den Konzernen geschröpft werden, macht keinen Unterschied. Und Neger oder Burkas gibt's in MeckPomm auch nicht. Die 34 Prozent, die diesmal mehr zur Wahl gegangen sind, die hatten eine ganz konkrete Sorge. Es war die Scheißangst vor einem Phantom, das ihnen ihr bisschen Lebensstandard klauen will. Der Flüchtling, der "Dreck", der soll lieber im Mittelmeer ersaufen als bei uns Sozialhilfe bekommen. So wurde es ihnen erzählt. So wollen sie es glauben. Zum Beispiel in den Hetzforen des Internets - die natürlich nur die echte Wahrheit predigen -, und an den Stammtischen, in der Laubenkolonie, beim Infoabend der AfD...

Die AfD hat vollkommen richtig und logisch auf die Dummheit und den widerlichen, kleinlichen Egoismus der Bevölkerung gesetzt. Und da braucht es keine Beweise oder Richtigstellungen von der Politik. Die Einführung des Begriffs "Lügenpresse" war ein genialer Propaganda-Schachzug. Jede Gegendarstellung wird damit entwertet und man muss sich nicht mal die Mühe machen, das zu überprüfen. Wie denn auch, wenn die gesamte (Lügen-)Presse gleichgeschaltet ist? Das kennt man ja noch!

Der dumme Desinformierte wähnt sich wieder in einem sicheren Umfeld: Hier kommt eine Partei, die endlich aufräumt, die Dinge beim Namen nennt und auch gleich die Grob-Rezepte mitliefert. Hatten wir schon mal, 1932 und ab 1949 in der DDR. Und jetzt funktioniert es wieder.

Diese 21 Prozent der Bevölkerung, die sich hier als der dumme Bodensatz geoutet haben (auch das haben sie nicht begriffen, und man kann es ihnen auch kaum vorwerfen) sind für eine Diskussion verloren. Denn sie sind verbal und intellektuell nicht in der Lage dazu; und sie wollen es auch nicht. Sie werden weiterhin AfD & Consorten wählen, bis sich das Wählerpotential durch Wegsterben marginalisiert.

Unsere langfristige Aufgabe ist es daher, die nächste Generation so zu bilden, dass sie das Treiben der Dummenfänger durchschaut. Damit müssen wir sofort beginnen, sonst bekommen wir die nächste Generation von besorgten Bürgern.

PS: Ich entschuldige mich hier ausdrücklich nicht für meine Wortwahl. Ich möchte einfach verstanden werden, und dazu brauche ich auch keine inhaltliche Kritik, kein Lob und keine Kommentare. Wer's sich dennoch nicht verkneifen kann, der möge es tun. Besser wäre allerdings, aktiv an der Veränderung der Zustände mitzuwirken.

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Fullewasser am :

"tagesschau.de: Das müssen Sie erklären. Welche Gründe können eine so hohe Unzufriedenheit erklären?

Nolte: Historisch gesehen liegen die Gründe für die zunehmende Unzufriedenheit mit der Demokratie selten in den bestehenden Institutionen. Das war auch in der Weimarer Republik so. Anders als man lange glaubte war die demokratische Reichsverfassung keine Fehlkonstruktion, aber das Land steckte in einer kulturellen Krise. Das sehen wir heute wieder. Es gibt eine tief sitzende Unzufriedenheit mit der Richtung, in die sich die Gesellschaft bewegt: mit der liberalen Öffnung, sei es für Flüchtlinge oder für die Homo-Ehe, auch mit der Globalisierung. Und diese Unzufriedenheit wird auf das politische System projiziert."

Die rassistischen Menschenhasser sind jetzt nicht neu entstanden und aufgeaucht. Die machen nur ihre Münder jetzt auf und lassen ihre Jauche ab.

http://www.tagesschau.de/inland/demokratie-ltwmv-nolte-101.html

Wolfgang am :

Beim interviewten "Mann auf der Strasse" sehe ich zwar Unzufriedenheit, aber eher keinerlei Kenntnis über die Bewegungsrichtung der Gesellschaft (Nolte) oder gar eine umfassendere Kenntnis dessen, was er bekämpft.
Ich erkenne hier mehr die Hackordnung: Mit dem Flüchtling hat man jetzt einen, der noch niedriger steht und den man deshalb treten darf. Als Frustventil.

Caro am :

Sehe ich genauso. Man braucht doch immer etwas, worauf man seinen Frust und Ärger und Unzufriedenheit projizieren kann. Da kommt so eine Situation doch wie gelegen...

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