Skip to content

„Gebt den Flughafen an die Natur zurück!“

Mit diesem Aufruf nimmt der Kasseler Kreisverband des Bundes für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) Stellung zu der aktuellen Situation des Flughafens Kassel- Calden.

Über 280 Millionen Euro an Steuergeldern vergeudet, um auf über 200 ha eine gewachsene Natur- und Kulturlandschaft zu zerstören. Für das „bedeutendste Infrastrukturprojekt Nordhessens“, wie es gern hochgelobt wird. Davon etliche Millionen zuviel, wie der Landesrechnungshof kritisiert, und laufende Kosten von jährlich an die 10 Millionen Euro, aufzubringen aus den Steuereinnahmen vom Land Hessen, dem Kreis und der Stadt Kassel, sowie der Gemeinde Calden.
Die jüngsten Meldungen über gescheiterte Verhandlungen mit Fluggesellschaften, Einstellung des Flugbetriebes im kommenden Winterhalbjahr, Ungewissheit über den Sommerflugplan 2017, staatsanwaltliche Ermittlungen gegen den Geschäftsführer, Personalkarussell in der Vertriebsleitung - alles dies zeugt von umfassendem Dilettantismus und Wirtschaftshörigkeit der verantwortlichen Politiker. Besonders bezeichnend die Tatsache, dass man nach Fertigstellung und schleppendem Betriebsanlauf doch schon auf die Idee kam, man müsse nun endlich ein Konzept für den Flughafen entwickeln.

Nicht eingerechnet in die 280 Millionen sind natürlich die Langzeitfolgen für die Umwelt. Wald, Magerrasenflächen, Brachland und landwirtschaftliche Nutzflächen, die sich in Jahrhunderten zu einem harmonischen Ökosystem organisiert hatten: weggebaggert und zugeschüttet für eine Landebahn, die niemand braucht.

Oder doch? Für die wirtschaftliche Prosperität Nordhessens? Sicher nicht. Der Region geht es seit Jahren prächtig, obwohl die Todesglocken jedes mal geläutet wurden, wenn ein Großprojekt mit „tausenden“ neuer Arbeitsplätze zu platzen drohte. Beberbeck lässt grüßen!

Und nun der Kassel Airport! Arbeitsstätte für weniger als 150 Menschen statt der versprochenen 1.500. Gut 2.000 Passagiere im April 2016 und 145 Tonnen Fracht (das sind keine 15 LKW-Ladungen - aber ein Autobahnzubringer muss auch noch her!). Dafür wurde wertvolle Naturfläche ruiniert, und nicht nur das: auch die ertragreichen Windkraftanlagen in Holzhausen mussten den Anforderungen der Flugsicherung weichen!

Kurz vor Fertigstellung es Neubaus machte das Schlagwort vom „ökologischsten Flughafen Deutschlands“ die Runde. Wohl niemand außer den Naturschützern, den Grünen und den Linken hatte sich wohl vorgestellt, auf welch krasse Weise sich dieser Spruch bewahrheiten sollte: Ganz sicher ist Calden der leiseste und am wenigsten von Abgasen und Feinstaub aus Düsentriebwerken belastete Flughafen Deutschlands!

Die Schlussfolgerung einer objektiven Gesamtbewertung des Projektes muss aus Sicht des BUND deshalb lauten: Rückstufung als Verkehrslandeplatz, der weit über 90 % des realen Geschäftsflugverkehrs bedienen kann, und Renaturierung aller Flächen, die für den Betrieb nicht unumgänglich notwendig sind. Einrichtung eines Forschungsprojektes zur umweltverträglichen Konvertierung unrentabler Flughafenanlagen am konkreten Beispiel Calden. Praktisch alle der rund 40 Regionalflughäfen in Deutschland werden in den nächsten Jahren diesbezüglich auf den Prüfstand kommen. Hierfür aufgewendete Steuergelder sind langfristig gut angelegt und schaffen mit Sicherheit mehr Arbeitsplätze als aktuell der Flughafen.

Wolfgang Ehle, BUND KV Kassel

Nachtrag: Diese Presseinformation wurde am 2.7. in Auszügen in der HNA veröffentlicht. Leider fiel insbesondere der letzte Absatz den Kürzungsnotwendigkeiten der Redaktion zum Opfer. Mein Anfängerfehler war, die entscheidende Aussage an den Schluss zu stellen. Kommt nicht wieder vor. Dies hier ist die Urfassung...Kassel-Zeitung-Leser lesen bis zum Ende. Danke dafür :)

Trackbacks

Keine Trackbacks

Kommentare

Ansicht der Kommentare: Linear | Verschachtelt

MR am :

La Nature n'existe pas!

Wolfgang am :

Dann ist ja alles gut!

MR am :

Ein Grüner könnte doch wissen, dass "die Natur" ein abstrakter Begriff ist - was kann man da "zurückgeben"? Bäume, Sträucher, Wiesen, Flüsse, der Himmel, das fassen wir unter einem Begriff zusammen. Stattdessen sind sie aber wirklich da. "Die Grünen" sind zB eine Partei mit unterschiedlichen, zT reaktionären Fraktionen. Würde ich mich darunter wirklich zusammenfassen lassen? (gilt ebenso für BUND) - Damit nicht immer alles so kritisch ist ohne was enzubieten, kann ich nur den Ausstieg aus den demokratischen Verfahren vorschlagen, die sich nur so nennen. Die Menschen, die diese Entscheider gewählt haben, finden offensichtlich Gefallen daran, sofern sie es nicht selbst machen müssen und dafür zur Verantwortung gezogen werden können. Das System als Ganzes funktioniert nicht, es lässt sich nicht "renovieren".

Wolfgang am :

Das ist eine Allegorie.
Und im Übrigen wird hier ein konkreter Vorschlag kommuniziert, der jenseits aller Semantik Aufmerksamkeit verdient.

MR am :

Lieber Wolfgang, Genauigkeit sollte im "Sinne der Wahrheitsfindung" sein. "Die Natur" als Allegorie zu bezeichnen, bedeutet, die eigene Aussage zu widerlegen. "Jenseits aller Semantik" kann überhaupt keine Aussage sein. Und die Allegorie ist ein Sprachtopos. - Ich stimme Dir zu, dass im politischen Nahkampf konkrete Vorschläge im Sinne der harten verbalen Bandagen "Aufmerksamkeit" verdienen. Ich stimme Dir nicht zu, wenn Du innerhalb eines Systems außerhalb zu sein beanspruchst. Und eine Seinsart anrufst, die so nur phantasiert ist.

Wolfgang am :

Lieber MR,
nicht die Natur selbst, sondern das Sprachbild "etwas der Natur zurück geben" ist die Allegorie, die jedem, der sich mit dem Thema befasst, unmittelbar verständlich wird.
Jetzt aber genug der Auslegungsversuche. Der transportierte Inhalt ist es, worauf es ankommt. Und den wollen wir Interesse der Sache nicht durch eine Diskussion des Transportmittels überlagern, oder?

MR am :

Wie Du willst. Aber Du hast schon wieder was als natürlich erklärt...

Kommentar schreiben

Umschließende Sterne heben ein Wort hervor (*wort*), per _wort_ kann ein Wort unterstrichen werden.
Die angegebene E-Mail-Adresse wird nicht dargestellt, sondern nur für eventuelle Benachrichtigungen verwendet.

Um maschinelle und automatische Übertragung von Spamkommentaren zu verhindern, bitte die Zeichenfolge im dargestellten Bild in der Eingabemaske eintragen. Nur wenn die Zeichenfolge richtig eingegeben wurde, kann der Kommentar angenommen werden. Bitte beachten Sie, dass Ihr Browser Cookies unterstützen muss, um dieses Verfahren anzuwenden.
CAPTCHA

BBCode-Formatierung erlaubt
Formular-Optionen