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Aus nach 23 Jahren: Kulturinitiative HAUS musste ausziehen

Was vor 23 Jahren als kleine Initiative von Kunststudierenden in der Nordstadt begann, ist nun Geschichte. Das HAUS musste seine ehrenamtliche und unkommerzielle Kulturarbeit vorerst beenden und aus den Räumlichkeiten in der Mombachstraße 47 ausziehen. Auch die letzten Vermittlungsversuche durch das Kulturamt und den Oberbürgermeister mit dem neuen Eigentümer sind Ende März gescheitert. (Pressemitteilung des weltsubkulturerbe e.V.)
Die Universität expandiert, die Kasseler Nordstadt wird attraktiver und befindet sich im Wandel. Das lockt Investor:innen an und verdrängt alte und weniger profitable Akteur:innen im Stadtteil. Vor zwei Jahren wurden in diesem Zuge auch die drei denkmalgeschützten Gebäude der Mombachstraße 47 an eine Gesellschaft aus Bad Hersfeld verkauft. Inzwischen sind alle Altmieter:innen ausgezogen. So auch das HAUS, welches über Jahrzehnte unabhängiger Anlaufpunkt für die junge und freie Kulturszene Kassels gewesen ist und auch international bekannt und vernetzt war.

„Rückblickend haben wir den Eindruck, dass die Investoren nicht an konstruktiven Lösungen interessiert waren. Unsere Zugeständnisse in den Verhandlungen waren umfangreich: nochmalige Mieterhöhung, Beteiligung an der Instandsetzung des Gebäudes, Professionalisierung der Kulturarbeit, bis hin zum Kaufangebot“, so Sven Lämmerhirt vom Verein Weltsubkulturerbe e.V. Der Verein engagiert sich seit 2015 für den Erhalt des HAUS als selbstverwalteten und nicht kommerziellen Kulturraum in der Nordstadt. Seit dem Eigentümer:innenwechsel im Jahr 2014 wurden von der neuen Vermietungsgesellschaft eine vielfache Mieterhöhung sowie Änderungen der Vertragskonditionen gefordert. „Nachdem klar war, dass man sich nicht einig wird, haben die damaligen privaten Mieter schließlich gekündigt“, so Vereinsvorstand Sven Lämmerhirt. „Wir als Verein wollten daraufhin mit Unterstützung des Kulturamtes einen neuen Vertrag aushandeln. Die Eigentümer lehnten eine Zusammenarbeit mit dem Verein jedoch ab.“

Neben der Kulturfabrik Salzmann, der Ladestraße Nord am Hauptbahnhof und dem Kulturzentrum Karoshi in der Gießbergstraße muss innerhalb der letzten drei Jahre nun ein weiterer kultureller Freiraum dem aktuellen Stadtumbau weichen. Und auch für die Veranstaltungsorte Unten und K19 wird an ihren heutigen Standorten wohl bald das Licht ausgehen. „Es ist traurig, dass gerade so viele Kulturräume in Kassel wegbrechen. Solche Orte bereichern das kulturelle Leben in den Stadtteilen und ermöglichen niedrigschwellige Kunst‐ und Kulturangebote“, so Lämmerhirt.

Der Verein sucht jetzt neue Räumlichkeiten in der Stadt. Die Entwicklungen in der Nordstadt und am alten Standort wolle man weiterhin aufmerksam beobachten. „Wir fühlen uns dem Standort sehr verbunden und haben uns in den letzten Jahren stark für dessen Erhalt engagiert. Wir halten auch
zukünftig eine denkmalgerechte Nutzung des um 1920 errichteten Gebäudes für wichtig, die für den Stadtteil und Menschen mit geringen Einkommen weiterhin einen kulturellen Nutzen hat.“ Darüber hinaus gebe es dringend Bedarf an konstruktiven Ideen, wie zukünftig unabhängige Kulturorte erhalten werden können. „Für den Erhalt der Mombachstraße 47 als Kulturstandort wäre es sicher am besten, wenn die Eigentümer das Grundstück an die Stadt verkaufen. Diese könnte die denkmalgeschützten Gebäude dann an Kulturinitiativen verpachten – ein Modell, welches auch in anderen Städten schon erfolgreich praktiziert wird.“, schließt Lämmerhirt.

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Kommentare

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Anonym am :

Weltsubkulturerbe ist ein fettes Wort, Leute!

MR am :

Ab und zu mal ein fetter Schweinsbrodn, mit Witz gekocht, ist in diesen unseren Zeiten des hypermoralischen Konsums doch mal ganz recht -

Claudia Huss am :

Unser Beileid, dem Haus!

Vom Team der "station15" Raum für künstlerische Begegnung und Experiment - ehemals ein Ort der Subkultur in der Goetheanlage und ebenfalls abgerissen - schon vor 4 Jahren. http://www.hna.de/kassel/kuenstler-suchen-eine-neue-bleibe-1573685.html
Eine bezahlbare Ersatzspielstätte haben wir bis heute nicht gefunden.

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