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BUND Kassel kritisiert KVG-Liniennetzreform

Busdepot Durch das neue Konzept sollen jährlich rund € 1 Mio. an Betriebskosten eingespart werden. Das aus einem Sparzwang heraus entstandene Konzept, u. a. resultierend aus der Beschaffung der neuen Trams, erzielt keine wirklichen Verbesserungen, dafür eine Menge wesentlicher Verschlechterungen, vor allem während der Schwachverkehrszeit.
Abgesehen von der Vielzahl massiver Verschlechterungen, insbesondere in den Schwachverkehrszeiten, aber auch einiger Verbesserungen, ist alleine der Umfang an Änderungen des Kasseler Nahverkehrsnetzes so umfassend und aus Fahrgastsicht so unüberschaubar und damit unzumutbar, dass das neue Konzept alleine aus diesem Grund abzulehnen ist.
Hinzu kommt noch, dass das geplante Angebot mit sehr vielen Ausnahmen gespickt ist, was nicht nur Reiseketten verkompliziert, sondern ebenfalls die Merkbarkeit von Verbindungen. Da – wenn überhaupt – nur sehr wenige Verbesserungen mit der Netzreform verknüpft sind, lehnen wir diese Netzreform ab und bitten eindringlich um Überarbeitung des Konzeptes. Es ist offensichtlich, dass an diesem Netzentwurf zu viel zurechtgeflickt worden ist. Eine Attraktivierung des öffentlichen Verkehrs in Kassel kann in der Netzreform jedenfalls nicht gesehen werden.
Um die Ziele des Verkehrsentwicklungsplans mit der Steigerung des öffentlichen Verkehrsanteils, die überfällige Verbesserungen der Luftqualität als auch die Reduktion der Lärmbelastung zu erreichen, fordert der BUND Kassel den Ausbau und die Verbesserung des ÖPNV- Angebots.

Die Stellungnahme im Einzelnen:
1. Tramverkehr während der Normalverkehrszeit
Gegenüber dem heutigen Linienverlauf sollen im Kasseler Nordosten die beiden Nordäste der Linien 6 und 7 getauscht werden. Für Fahrgäste aus Wolfsanger würde der Linientausch bedeuten, dass sie bis 20:00 Uhr nicht mehr umsteigefrei in die Kasseler Innenstadt fahren könnten, da die Linie 7 über den Scheidemannplatz, d.h. den Innenstadtrand geführt wird. Zwischen 20:00 und 22:30 Uhr würde man mit der Linie 7 dann doch in die Königstraße kommen, aber nicht weiter, da nur noch der Nordast der Linie 7 fährt, d.h. die Linie 7 wird ab Königsplatz zum Südast der Linie 6 und fährt Richtung Brückenhof weiter. Ab 22:30 Uhr wird der Verkehr auf der gesamten Linie eingestellt.
Während für die Wolfsangerer bei diesem Tausch kein Vorteil gesehen werden kann, entsteht für die Fahrgäste aus dem Fasanenhof, wie aber auch für Fahrgäste, die entweder vom Fernbahnhof Wilhelmshöhe als auch dem Kasseler Hauptbahnhof (über den Zustieg an der Haltestelle Scheidemannplatz) Krankenbesuche im städtischen Klinikum unternehmen möchten, künftig Nachteile, da so ein Umstiegszwang geschaffen wird. Außerdem ist mit der Einstellung des Nordastes der Linie 6 ab 20:00 Uhr der Umstand verbunden, dass im Fasanenhof ab dieser Zeit nur noch eine Tramlinie, die Linie 3, übrig bleibt. Somit ändert sich der Linienweg dieser Tramlinie künftig, da sie die einzige Linie mit durchgehender Bedienung ist, weshalb sie über das Klinikum geführt werden muss.
Im Kasseler Westen werden die Linienwege der Linien 3 und 4 getauscht. Künftig fährt die Linie 3 über die Helleböhnstrecke nach Mattenberg, die Linie 4 ins Druseltal. Mit dieser Lösung kann man sich besser arrangieren, da für die Stadtteile Bad Wilhelmshöhe und Vorderer Westen eher soziale Bindungen / Verknüpfungen vermutet werden können, zum anderen verkürzt sich der Weg für Fahrgäste, die auf der Helleböhnstrecke mit dem Fahrtziel Innenstadt unterwegs sein werden um 2 – 3 Minuten durch die Fahrt über die Wilhelmshöher Allee.
Gegen diesen Streckentausch spricht die Bündelung der beiden „Bergpark“-Tramlinien 1 und 3 auf der Wilhelmshöher Allee. Die Beibehaltung der heutigen Linienführung im Kasseler Westen würde zu einer einfacheren Kommunikation des Verkehrsangebotes des öffentlichen Verkehrs, das Richtung Bergpark unterwegs ist, für Besucher Kassels beitragen können.
Auch wurden bei den Liniennetzplanungen keine möglichen Erweiterungen des Tramnetzes, wie beispielsweise die dringend benötigte Tram nach Harleshausen, die in weiten Teilen fertig geplante Tram nach Waldau oder die beiden Verlängerungen der Linien 3 und 7 nach Ihringshausen oder ins Bossental, angesprochen oder gar berücksichtigt.
Gleiches gilt auch für die Verbesserung des Angebots entlang der in der Fortschreibung des Nahverkehrsplans der Stadt Kassel (KVG, 2013) festgelegten nachfragestarken Netzebene-I-Korridore: Eine dringend benötigte Kapazitätssteigerung für die Korridore der Frankfurter Straße und Ihringshäuser Straße könnte durch den Einsatz von Beiwagen auf diesen Tramstreckenabschnitten erreicht werden. Dabei ist fraglich, ob die von den Rostocker Verkehrsbetrieben beschafften 11 Beiwagen zur Deckung des Kapazitätsmehrbedarfs ausreichend sind. Vor allem im Hinblick auf einen möglichen Beiwageneinsatz auf der Linie 1, der die Trams in Doppeltraktion sinnvollerweise ablösen könnte: Zum einen ist die Beiwagenlösung, um Platz für zusätzliche Fahrgäste anzubieten, billiger als zwei Trams in Doppeltraktion zu koppeln, zum anderen würden die heute aufgrund der Doppeltraktionsführung gebundenen Trams besser für andere Zwecke eingesetzt werden können. Für den Streckenabschnitt in das Lossetal bietet sich nämlich die Verlängerung der Linie 8 bis nach Oberkaufungen an, hierfür bräuchte man zusätzliche Fahrzeuge. Zusätzliche Trams würden ebenfalls auf dem heute nur mit Busverkehr bedienten Korridor Innenstadt – Rothenditmold – Harleshausen benötigt, weshalb möglichst zeitnahe Planungen für den Bau einer Tramstrecke nach Harleshausen erfolgen sollten, damit künftig auch auf dieser Relation ein angemessenes ÖV-Angebot vorhanden ist.


2. Busverkehr während der Normalverkehrszeit
Beim Busverkehrsnetz bleibt kaum ein Stein auf dem anderen. Als treffendes Beispiel hierfür kann der Busverkehr in Wehlheiden angeführt werden. Dort hat man künftig, durch den Wegfall der Buslinie 12 einen gebrochenen Verkehr in die Kasseler City, d.h. eine wegfallende Direktverbindung mit Umsteigezwang in die Tram in der Frankfurter Straße. Gerade für Stadtteile ohne Tramanbindung ist eine direkte Busverbindung in die Kasseler Innenstadt wichtig, um zumindest die heutige Attraktivität des öffentlichen Verkehrs zu erhalten.
Ein weiteres Beispiel für einen Stadtteil, der massive Verschlechterungen beim Busangebot hinnehmen muss, ist Harleshausen. Während der Stadtteil heute von mehreren Buslinien gut erschlossen wird, ist das Angebot künftig nur relativ dünn: Zwar wird weiterhin eine Direktanbindung in die Innenstadt gewährleistet werden, doch durch den Wegfall von zwei Buslinien (die Linien 18 und 24) wird die flächenhafte Erschließung, insbesondere des Harleshäuser Westens, ziemlich dünn. So werden das Blindenheim, der Siedlungsabschnitt rund um den Hilgenberg nicht mehr vernünftig erschlossen. Das Freibad in Harleshausen ist künftig überhaupt nicht mehr angebunden. Die Fußwege vom Nordwestrand Harleshausens zur nächsten Bushaltestelle werden so groß, dass hier durchaus von einer Erschließungslücke im öffentlichen Verkehrsnetz gesprochen werden kann.
Die geplante Einführung von einigen AST-Verkehren, die während der Normalverkehrszeit verkehren sollen, wird vom BUND Kassel ebenfalls abgelehnt. Allen voran ist hier das künftige AST 27 zu nennen, dass im Bereich der Heinrich-Schütz-Allee den heutigen regulären Busverkehr (Linie 24)ersetzen soll. Somit wären die Siedlung Documenta Urbana als auch der Westfriedhof, Kassels zweitgrößter Friedhof, künftig ohne Regelverkehr. Vom Siedlungsrand der Documenta Urbana sind es beispielsweise rund 850 m fußläufige Entfernung zur nächsten Tramhaltestelle (Haltestellen Rhönlatz bzw. Helleböhn), was wie in Harleshausen, nicht den gängigen Erschließungsstandards für öffentlichen Verkehr in Großstädten entspricht.
Im Gegenzug verläuft ab dem DEZ künftig die Buslinie 21, die über den Brückenhof und Nordshausen ins Druseltal fahren soll. Dabei verkehrt diese Buslinie ab der Haltestelle Helleböhn bis zur Haltestelle Heinrich-Plett-Straße parallel zur Tramtrasse, die tagsüber ohnehin mit der Linie 7 verstärkt wird. Auf der einen Seite werden Verkehrsleistungen eingespart, auf der anderen Seite ergeben sich unnötige Parallelverkehre. Die Beibehaltung der Buslinie 12, die vom Schulzentrum Brückenhof Nordshausen anbindet, dann über Brasselsberg ins Druseltal fährt, um dann über die Kohlenstraße und Wehlheiden in die Innenstadt zu fahren, erschient wesentlich sinnvoller zu sein, wie die Buslösungen, die aktuell für den Kasseler Südwesten auf dem Tisch liegen.
Anhand der aufgeführten Beispiele, derer sich im neuen Busnetz problemlos noch mehrere finden ließen, werden die Schwächen des neuen Konzeptes wie mangelhafte Angebotsqualität durch den Einsatz von AST auf wichtigen Routen während der Normalverkehrszeit, als auch Erschließungslücken im neuen Netz gut sichtbar. Die dringende Empfehlung des BUND Kassel ist es daher, das komplette Busnetz grundlegend zu überplanen, um diese Schwächen auszuräumen.


3. Takte
Grundsätzlich bleibt die KVG ihrer Taktfamilie treu, d.h. das Angebot eines 15-Minuten-Taktes im Tagesverkehr sowie den 30-Minuten-Takt im Spätverkehr. Dennoch sollen künftig einige wichtige Buslinien tagsüber im 20-Minuten-Takt fahren. Fraglich ist dabei, wie Umsteigeverbindungen zwischen Bus- und Tramverkehr funktionieren sollen, wenn beide Takte nicht miteinander harmonisieren. Gleiches gilt für umsteigende Fahrgäste, zwischen Bussen im bislang in Kassel üblichen Bustakt von 30 Minuten und Bussen, die im 20-Minuten-Takt verkehren. Von daher wird empfohlen bei der bewährten Taktfamilie zu bleiben.
Auch ist der 75-Minuten-Takt für die künftige Nachtverkehrszeit ungünstig gewählt, da damit verbundenen Abfahrtszeiten sehr schwer merkbar sind – anders als bei 60-, 90- oder 120-minütigen Fahrtenfolgen.

4. Ausdünnung des Verkehrsangebotes während der Schwachverkehrszeit
Als nicht hinnehmbar erscheint die Ausdünnung des Verkehrsangebotes während der Schwachverkehrszeit. Diese Quasi-Halbierung des Angebots gilt nicht nur für die Spätverkehrszeit ab 22:30 Uhr, sondern auch samstags von 06:00 – 08:00 Uhr sowie sonn- und feiertags von 06:00 – 11:00 Uhr.

4.1. Tramverkehr während der Schwachverkehrszeit
Als Regel lässt sich festhalten, dass auf den innerstädtischen Hauptstrecken statt wie bislang zwei zeitlich versetzte halbstündlich getaktete Trams, nur noch eine Tram alle 30 Minuten verkehren wird: das Rendezvous am Königsplatz ist nur noch zu den Minuten 00 und 30 vorgesehen, statt wie heute alle Viertelstunde. Die genauere Betrachtung der einzelnen Streckenäste ergibt folgendes:

Ihringshäuser Straße (Fasanenhof)
• Harscher Übergang des 7,5-Minuten-Taktes auf einen halbstündlichen Takt ab 20:00 Uhr, da die Linie 6, deren Nordostast künftig über die Ihringshäuser Straße geführt werden soll, ab der Innenstadt um 20:00 Uhr eingestellt wird. Die Linie 6 verkehrt zwar künftig bis 22:30 Uhr, wird aber ab Königsplatz zur Linie 7, da der Westast der Linie 7 ab 20:00 Uhr eingestellt wird.
• Auch wird die Haltestelle Kaulbachstraße ab 20:00 Uhr künftig nicht mehr bedient.
Fuldatalstraße (Wolfsanger)
• Zwischen 20:00 und 22:30 Uhr kommt man, statt wie während der Normalverkehrszeit, ab Wolfsanger nun nicht mehr über Scheidemannplatz und Bahnhof Wilhelmshöhe nach Mattenberg, sondern nur noch bis zum Königsplatz in der Königstraße, da hier die Linie 7 zum Südast der Linie 6 wird.
• Ab 22:30 Uhr wird die Linie 7, wie auch der Südast der Linie 6 komplett eingestellt. Für Fahrgäste ab der Haltestelle Wolfsanger bedeutet dies, dass sie zwei Haltestellen laufen, ab der Haltestelle Wolfsgraben in den Bus umsteigen müssten, um dann wieder an der Weserspitze in die Tram umzusteigen.
Leipziger Straße (Bettenhausen)
• Während der Schwachverkehrszeit Wegfall der Linie 8 und damit Reduzierung auf ein halbstündliches Verkehrsangebot der Linie 4.

Frankfurter Straße (Südstadt, Niederzwehren und Oberzwehren)
• Die Linien 5 und 6 ergänzen sich entlang der Frankfurter Straße bis einschließlich 22:30 Uhr zu einem 15-Minuten-Takt, und werden zusätzlich von der RT 5 bis Auestadion verstärkt (bis 22:30 Uhr halbstündliche Bedienung).
• Ab 22:30 Uhr wird der Betrieb der Linie 6 eingestellt, d.h. dieser Streckenabschnitt wird dann nur noch im Halbstundentakt bedient werden. Ab Auestadion in Richtung Innenstadt kommt noch die stündliche Bedienung der RT 5 hinzu.
Kasseler Westen (Vorderer Westen, Bad Wilhelmshöhe, Nordrand Wehlheidens)
• Durch den Wegfall der Linie 8 ab 22:30 Uhr wird die Friedrich-Ebert-Straße ab dann nur noch im 30-Minten-Takt bedient werden. Fahrgäste nach Kirchditmold müssen dann ab Bebelplatz von der Linie 4 in den Bus 16 umsteigen, der auf den Spätkursen die Linie 8 übernimmt.
• Auf der Wilhelmshöher Alle fällt ab 22:30 Uhr die Linie 1 aus dem Verkehrsangebot des Regelverkehrs, da nur noch der Nordast der Linie 1 nach Vellmar bedient wird. Ab Königsplatz wird die Linie 1 von Vellmar kommend dann zum Südast der Linie 5. Konkret heißt das für den westlichen Streckenabschnitt der Linie 1 – Bahnhof Wilhelmshöhe bis Wilhelmshöhe (Park) – dass dort ab 22:30 Uhr, sowie samstagsmorgens zwischen 06:00 und 08:00 Uhr und sonn- und feiertags zwischen 06:00 und 11:00 Uhr, kein Regelverkehr mehr zum Einsatz kommt. Abends werden in den Betriebshof Wilhelmshöhe einrückende Fahrzeuge und in den Morgenstunden aus dem Betriebshof ausrückende Fahrzeuge unterwegs sein (laut KVG alle 15 Minuten), ein verlässlicher Taktfahrplan im Zweirichtungsverkehr wird künftig auf diesem Streckenabschnitt währen der eben genannten Zeiten nicht mehr angeboten. Für diesen Zeitraum ist ebenfalls kein AST-Verkehr vorgesehen. Fraglich wie man seitens der KVG diese Entscheidung rechtfertigt, vor allem im Hinblick auf die Bedürfnisse des Freizeitverkehrs, die mit dem neuen Linienkonzept grundsätzlich gestärkt werden sollten. Sonntagvormittags kommt man künftig nur noch zu Fuß oder mit dem Pkw in den Bergpark, aber nicht mehr mit dem öffentlichen Verkehr.
Helleböhnstrecke und Druseltal (Süsterfeld-Helleböhn, Oberzwehren, Bad Wilhelmshöhe)
• Zusammen mit dem Druseltalast ist die Helleböhnstrecke der einzige Streckenabschnitt, wo sich gegenüber der heutigen Situation in den Schwachverkehrszeiten nichts ändert, d.h. halbstündige Bedienung beider Tramstreckenabschnitte ab 20:00 Uhr durch die Linie 3 nach Mattenberg und die Linie 4 ins Druseltal (Linientausch auf der Druseltal- und Helleböhnstrecke).
Holländische Straße (Nordstadt)
• Einzig verbleibender Streckenabschnitt, der künftig nach 22:30 Uhr noch im Viertelstundentakt bedient wird – alternierend durch die Linien RT 3 und 4 sowie der Linie 1 - allerdings mit der Einschränkung, dass die RT-Kurse keine Verknüpfung mehr mit anderen Tramlinien am Königsplatz haben werden, da sie außerhalb der beiden verbleibenden Taktknoten unterwegs sein werden.


4.2. Busverkehr während der Schwachverkehrszeit
Der Vergleich des Busangebotes zeigt ebenfalls eine deutliche Verschlechterung gegenüber dem heutigen Spätangebot auf. So wird es künftig in einigen Stadtteilen nach 22:30 Uhr keinen Regelverkehr mehr geben, sondern nur noch AST-Verkehr. Die hiervon betroffenen Stadtteile sind:

• Philippinenhof-Warteberg (AST 19)
• Gartenstadt Eichwald (Bettenhausen, AST 18)
• Nordshausen (AST 21)

Alleine dieser Überblick der Änderungen im Linienverlauf des Tramverkehrs sowie den verkehrlichen Einschränkungen im Busverkehr auf den einzelnen Streckenabschnitten außerhalb des Innenstadtgebietes verdeutlicht, was für ein Chaos dem Fahrgast zugemutet wird, um während der Schwachverkehrszeiten von A nach B zu kommen. Fraglich ist dabei, ob das Fahrtenangebot auch künftig als attraktiv genug gesehen wird, um auch weiterhin eine Alternative zum Pkw oder Fahrrad zu sein. Die Befürchtung, dass viele heutige ÖV-Kunden künftig der KVG den Rücken kehren werden ist bei diesen enormen Verschlechterungen nur allzu berechtigt.
Das geplante zusätzliche Angebot eines 75-Minuten-Taktes (insgesamt vier Kurse zwischen 0:00 und 05:00 Uhr) während der Nachtzeit ist zwar wünschenswert, darf aber unter gar keinen Umständen zu einer Reduzierung des eigentlichen Schwachverkehrsangebotes führen. Zudem erscheint es so, dass sich in der Summe des abendlichen und nächtlichen Verkehrsangebotes wenig ändert: Mit der Einsparung von zwei Kursen pro Tramlinie zwischen 22:30 und 0:00 Uhr, werden nachts, gegenüber des heutigen Nachtschwärmer-Angebots, zwei Kurse aufgeschlagen. Unter der Woche (Sonntag – Donnerstag) sind für den Nachtverkehr ohnehin nur AST-Verbindungen geplant, vermutlich in der Hoffnung, dass die unter der Woche angebotenen AST-Verkehre so gut wie nicht nachgefragt werden und somit auch keine weiteren Kosten verursachen werden. Zusätzlich gilt für die wöchentlichen Nachtfahrten - laut dem jetzigen Planungsstand – dass bis spätestens 22:00 Uhr eine Voranmeldung erfolgen muss.
Ein weiterer Punkt ist die mangelhafte Qualität des künftigen Spät- und Frühverkehrs am Wochenende hinsichtlich der Verknüpfung mit dem Schienenfernverkehr am Fernbahnhof Wilhelmshöhe. Da bei der Betrachtung aller Linien, die über den Fernbahnhof fahren, zu diesen Zeiten nur die Linien 3 und 4, die noch im halbstündlichen Regelverkehr unterwegs sein werden, übrig bleiben, ist auch hier die Folge, dass der Kasseler Fernverkehrsknoten nur noch alle halbe Stunde je Richtung bedient wird.
Zusätzlich muss in diesem Zusammenhang die Frage gestellt werden, ob es sinnvoll erscheint wegen zwei gesparten Tramkursen je Straßenbahnlinie einen derartigen organisatorischen Mehraufwand, aber auch eine wesentliche Verschlechterung in Kauf zu nehmen. Zudem verkomplizieren sich so Reiseketten unnötig, häufig mit zusätzlichem Umsteigezwang ab 22:30 Uhr. Auch muss bedacht werden, dass eine „geplatzte“ Anschlussverbindung eine zusätzliche Wartezeit von mindestens 30 Minuten nach sich zieht. Die Netzreform, die sich unter anderem als Ziel gesetzt hat „einfach“ und „schnell“ zu sein, wird insbesondere in den Tagesrandzeiten diesem Anspruch in keiner Weise gerecht.
Auch müssten bedingt durch die mangelhafte Angebotsqualität des neuen Schwachverkehrsnetzes ein- und ausrückende Fahrzeuge auf der Linie 1 in den Fahrplan übernommen werden. Der massive Nachteil, dass – je nachdem ob Spät- oder Frühverkehr - Ein- oder Ausrücker den Westast der Linie 1 nur in eine Richtung bedienen, wird hierdurch natürlich nicht beseitigt.

BUND Kassel

Details der KVG Netzplanung

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