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Neulich in der Kunsthochschule

Von guten Fotos, stillenden Männern und entsetzten Frauen
Auf dem „Rundgang“ in der Kunsthochschule - kurz bevor die vielen stehenden und beweglichen Bilder die Wahrnehmung überfordern- gehe ich einmal zurück und finde einen Raum, den ich vorher nicht gesehen habe. Und im Raum Fotografien hinter Glas, an die Wand gelehnt. Und auf den Fotografien Männer mit nackten Oberkörpern, die etwas an die entblößte Brust halten. Beim näheren Hinsehen sind es mechanische, handliche Milchpumpen, wie stillende Frauen sie verwenden, wenn sie zu wenig oder zuviel Milch in den Brüsten haben. In der Mitte ein Gruppenbild mit nachgestellten Posen, das an ein Gemälde erinnert, aber an welches?
Die männliche Aufsichtsperson wird angesprochen und gibt sich als Produzent zu erkennen, Franz Christoph Maria Pfannkuch. Er kennt einen Mann, der versucht hat, sein Kind zu stillen und nach vier Wochen aufgab, weil die Brust schmerzte und blau wurde. Ich wiederum kenne eine Stillberaterin, die behauptete, dass Männer stillen können, was ein befreundeter Arzt noch in ihrer Anwesenheit bestätigte.
Wir hecheln die letzten wohl hundert Jahre der Geschichte der Väterlichkeit durch, als die kleine Familie sich fast durchgesetzt hatte. Von Männern, die sich lächerlich machten, wenn sie ihre Kleinkinder in der Öffentlichkeit im Kinderwagen schoben bis zu Vätern, die den bereits geborenen Nachwuchs in einer Art textilen Gebärmutter vor den Bauch gebunden tragen und neuerdings auch ohne weibliche Begleitung auf der Straße zu sehen sind. Manchmal ist nur durch genaues Hinsehen der Bier- vom Babybauch zu unterscheiden. Stillende Männer könnten eine weitere mütterliche Fähigkeit übernehmen, diesmal aber auf der körperlichen Ebene, dem Bereich, der bisher exklusiv den Frauen vorbehalten ist. Bliebe für die Frauen, die Kinder austragen und zur Welt zu bringen. Noch. Meine Großmutter pflegte zu sagen: „ Wennd Männer die Kinder kriaget, gibt’s nur no oins.“ Womit dann auch das Problem der Überbevölkerung gelöst wäre. Den Kindern bekommt die Entwicklung der männlichen Fürsorge dem Augenschein nach wohl. Wie das Verhältnis der beiden Geschlechter zueinander sich wandeln wird, bleibt abzuwarten. Franz Christoph Maria Pfannkuch und ich sind begeistert von der Revolution, die bereits im Gange ist. Er berichtet, sein Freund meine, er könne jetzt viel besser verstehen, was die Frauen beim Stillen durchmachen. Von Lust und Innigkeit keine Rede. Die posierenden Männer stellen übrigens Gemälde von Tintoretto nach.
„Ihhhh“, schreien drei Frauen, die zuhause nebeneinander am Tisch sitzen und ungläubig die Geschichte der stillenden Männer anhören. Drei Generationen von Müttern (80,50, 35) verziehen angewidert ihre Gesichter und winken ab. Zwei Generationen von Männern (68, 62, 18, 15) wundern sich. Auf keinen Fall darf erzählt werden, wie die Jüngste der Mütter mit ihrer Wohngemeinschaftsschwester vor 18 Jahren einem der Männer - der jetzt im Hintergrund türkischen Kaffee für griechische Gäste kocht - mit Kugelschreiber Milchkannen auf die Brüste gemalt hat und die beiden kleinen Frauen danach begeistert an seinen Brustwarzen zuzelten. Ein wilder Wortkampf um das Stillen beginnt: „Das ist doch Blödsinn, das gibt es gar nicht“, rufen die Frauen und man müsste auf alle Fälle ein Kind geboren haben um zu stillen. Zum ersten Mal kommen sie mir konservativ vor. Die Männer beobachten die aufgeregten Frauen amüsiert.


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Kommentare

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MR am :

In ihrem Hinterteil klingt die Geschichte etwas hyperkomlex und überdramatisiert. Es ist kein Akt mehr, dass die Männer heute sich durch die Vorarbeit ihrer Vorkämpfer aus den 68ern stärker einbezogen haben. Außerdem haben sie ja sowieso keine Verdienungs-Arbeit mehr, die das Geschlehchter-Verhältnis in klassischer Form ogrnaisieren würde.

Gertrud Salm am :

Wie gut, dass es Statistiken gibt. Hier finden Sie die entsprechenden Quellen:
http://www.beziehungen-familienleben.de/ergebnisse/arbeitsteilung.html
Sollten die Ergebnisse nicht gnadenlos gefälscht sein, hat das mit den Spätfolgen von 68 nochnicht so ganz geklappt, oder?

MR am :

"Nicht so ganz" ist für mich bereits ein utopisches Ergebnis. Wie steht es denn nun mit der Arbeitslosigkeit der Männer?

Gertrud Salm am :

Ich verstehe die Frage nicht so recht. Verdienungsarbeit ist die volle Arbeit, mit der der Mann die Familie ernährt? Das statistische Bundesamt gibt wie immer Auskunft:
https://www.destatis.de/DE/Publikationen/Thematisch/Arbeitsmarkt/Erwerbstaetige/BroeschuereFrauenMaennerArbeitsmarkt0010018129004.pdf?__blob=publicationFile.

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