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Lesung: "Verschwunden in Deutschland" (Do, 9. Juli, 20 Uhr)

Mit "Verschwunden in Deutschland" hat die Bremer Autorin Imke Müller-Hellmann ihr erstes Buch veröffentlicht. Darin erzählt sie von einer Außenstelle des KZ-Neuengamme in Ostfriesland, von den Erlebnissen ihrer Großmutter, von umgekommenen Häftlingen und von Begegnungen mit deren Nachfahren.

Zu einer Lesung mit der Autorin laden wir herzlich ein:
Am Donnerstag, 9. Juli, um 20 Uhr in die Villa Locomuna, Kölnische Straße 183, 34119 Kassel.
Auf dokumentarisch-literarische Weise lässt Müller-Hellmann die Vergangenheit wortwörtlich lebendig werden. Denn mit den Lebensgeschichten von elf KZ-Opfern ruft sie nicht nur Vergangenes in Erinnerung. Bei ihren Recherchen, die sie quer durch Europa führten, hat die Autorin erfahren, wie das Vergangene in der Gegenwart fortwirkt.

Alles begann mit den Erzählungen ihrer Großmutter Elli Müller. Als junge Frau erlebte diese mit, wie in ihrem Dorf Engerhafe in Ostfriesland von Oktober bis Dezember 1944 ein Konzentrationslager existierte. Rund 2000 Männer waren dort inhaftiert, um einen Panzergraben um Aurich auszuheben. Oft sah Elli Müller die ausgemergelten Häftlinge durch den Ort marschieren. Ein Anblick, den sie nie mehr vergaß.

Später erzählte sie immer wieder ihrer Enkelin Imke Müller-Hellmann davon. Gemeinsam besuchten die Frauen Engerhafe, wo sie einen Gedenkstein mit 188 Namen der Verstorbenen des KZ vorfanden. All dies schrieb Müller-Hellmann bereits in ihrer Kurzgeschichte „Engerhafe“ auf, die sie auf vielen Lesungen vortrug. Jedes Mal las sie dabei die lange Namensliste der Toten vor. „Irgendwann wollte ich mehr über diese Menschen wissen“, sagt die Autorin und begab sich auf Recherche.

Am Gedenkstein in Engerhafe fand sie ein Papier mit einem Gedicht, geschrieben von Marleen van der Weij, offenbar eine Verwandte des KZ-Opfers Pieter van der Weij. Müller-Hellmann begann die Frau zu suchen und fand sie in den Niederlanden. Die Bremerin reiste zu ihr und holte sie für ein Gespräch mit ihrer Großmutter nach Deutschland. „Eine bewegende Begegnung“, erinnert sich Müller-Hellmann.

Sie suchte weiter nach Nachfahren der KZ-Opfer, schrieb zig Briefe, gab im Internet Gesuche auf, kontaktierte Gemeinden und Museen. Sie wurde fündig und ging auf Reisen: zu elf Familien in sieben Ländern. Die Autorin ließ sich von Widerstandskämpfern und Partisanen erzählen, vom spanischen Bürgerkrieg und vom Warschauer Aufstand, vom Schweigen in den Familien und vom Leid der Hinterbliebenen. „Das war alles sehr emotional“, sagt Müller-Hellmann. Erst spät habe sie beschlossen, darüber ein Buch zu schreiben. Das Ergebnis ist weit mehr als ein Stück Erinnerungsarbeit. Es ist gelebte Versöhnung.

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